Industrie unter Druck: Jobabbau in Metall- und Elektrobranche flacht nicht ab
In der Metall- und Elektrobranche rechnen Arbeitgeber auch für das kommende Jahr mit einem anhaltenden Stellenabbau. Vor allem die schwache Auftragsauslastung, die ihren Hintergrund in den unvorteilhaften Rahmenbedingungen des deutschen Standorts hat, werden die Unternehmen wohl auch im kommenden Jahr erneut zu Einschnitten beim Personal zwingen.
Die deutsche Metall- und Elektroindustrie bleibt unter Druck: Schwache Aufträge, hohe Energiepreise und Bürokratie treiben den Jobabbau.GETTYIMAGES/Kerkez
Nach Einschätzung des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall setzt sich der Negativtrend fort. Bereits seit fast zwei Jahren schrumpft die Beschäftigungszahl in der deustchen Metall- und Elektroindustrie (M+E) kontinuierlich. Aktuell, so heißt es aus dem Verband, verschwinden Monat für Monat bis zu 10.000 Arbeitsplätze. Die Ursache liegt weniger in kurzfristigen Nachfrageschwankungen als vielmehr in strukturellen Belastungen, die sich immer stärker bemerkbar machen.
Energiepreise und Bürokratie als Standortfaktoren
Besonders die Kombination aus hohen Energiepreisen, steigenden Arbeitskosten und einer im internationalen Vergleich hohen Steuerlast setzt viele Betriebe unter Druck. Die globale Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen schmilzt aufgrund dessen dahin, was wiederum zu einer anhaltenden Unterauslastung ihrer Produktionskapazitäten führt.
Hinzu kommen ausufernde regulatorische Vorgaben auf europäischer Ebene, die Planungssicherheit erschwerten und zusätzliche Kosten verursachen.
Kritiker richten sich dabei insbesondere an die zunehmende Dichte von EU-Rechtsakten. Berichtspflichten, Dokumentationsauflagen und technische Vorgaben treffen Unternehmen in einer Phase, in der eigentlich Entlastung nötig wäre.
Gewerkschaften warnen vor strukturellem Bruch
Auch auf Arbeitnehmerseite wird die Lage als ernst eingeschätzt. Die IG Metall verweist auf eine Häufung externer Belastungen, die das bisherige Erfolgsmodell der deutschen Industrie ins Wanken bringen. Neben den steigenden Energiepreisen und der überbordenden Bürokratie, erhöhen Handelskonflikte, geopolitische Spannungen und die rasante industrielle Expansion Chinas auf dem Weltmarkt den Anpassungsdruck zusätzlich.
Gleichzeitig wird davor gewarnt, die Verantwortung ausschließlich bei der Politik zu verorten. Industrie, Staat und Belegschaften müssten gemeinsam Wege finden, um Wertschöpfung und Beschäftigung zu sichern. Ohne eine starke industrielle Basis, so der Tenor, drohe Deutschland nicht nur wirtschaftlich, sondern auch gesellschaftlich an Stabilität zu verlieren.
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