In einem aktuellen Beitrag auf der Plattform Substack zeichnet Michael Burry ein düsteres Szenario. Bitcoin habe sich, so seine Argumentation, nicht als Schutz gegen Kaufkraftverluste bewährt. Anders als klassische Sachwerte wie Edelmetalle sei die Kryptowährung in Phasen erhöhter Unsicherheit nicht stabilisierend, sondern anfällig für starke Einbrüche. Seit dem Hoch im Herbst hat Bitcoin rund 40 % an Wert verloren. Anfang Februar fiel Bitcoin zeitweise unter die Marke von 73.000 US-Dollar – der niedrigste Stand seit der Wiederwahl von Donald Trump im November 2024.

Aus seiner Sicht sei der Kursverfall kein isoliertes Marktphänomen, sondern Ausdruck eines strukturellen Problems: Bitcoin funktioniere vor allem über Erwartung und Momentum. Bröckele dieses Vertrauen, drohe eine Kettenreaktion.

Zwangsverkäufe als Brandbeschleuniger

Besonders kritisch sieht Burry die Folgen weiterer Kursverluste für das gesamte Krypto-Ökosystem. Sinkende Preise könnten die Bilanzen großer Marktteilnehmer rasch unter Druck setzen. Die Folge wären Zwangsverkäufe, die den Abwärtstrend zusätzlich verstärken – ein klassischer Mechanismus selbstverstärkender Marktbewegungen.

Gerade Unternehmen, die in den vergangenen Jahren erhebliche Bitcoin-Bestände aufgebaut haben, könnten so in Bedrängnis geraten. Der Markt sei eng miteinander verflochten, sodass Probleme einzelner Akteure schnell auf andere übergreifen könnten.

Strategy im Fokus der Kritik

Besonders exponiert ist nach Burrys Einschätzung der Softwarekonzern Strategy unter der Führung von Michael Saylor. Das Unternehmen hält die weltweit größten Bitcoin-Reserven in seiner Firmenbilanz. Ein weiterer Kursrückgang um nur wenige Prozentpunkte könnte nach Burrys Berechnungen Milliardenverluste bedeuten.

In einem solchen Szenario, so seine Warnung, würde Strategy faktisch den Zugang zu frischem Kapital verlieren. Noch stärkere Einbrüche könnten zudem Bitcoin-Miner in die Insolvenz treiben, da deren Geschäftsmodell stark von hohen Kursen abhängt.

Der Ruf des Crashpropheten – und seine Grenzen

Burrys Warnungen erhalten besondere Aufmerksamkeit, weil er durch seine Wette gegen den US-Immobilienmarkt vor der Finanzkrise 2008 weltweite Bekanntheit erlangte. Seine damalige Analyse wurde später im Film The Big Short verarbeitet.

Doch gerade dieser Ruf lädt auch zur kritischen Einordnung ein. In den Jahren nach 2008 lag Burry mit zahlreichen Prognosen daneben. Seine Warnungen vor einem globalen Wirtschaftszusammenbruch oder gar einem dritten Weltkrieg blieben ebenso folgenlos wie mehrere pessimistische Marktprognosen.

Fehlprognosen in Boomphasen

Auch an den Aktienmärkten erwiesen sich Burrys Wetten wiederholt als unglücklich. Seine Short-Positionen gegen Tesla ab Ende 2020 scheiterten, während die Aktie massive Kursgewinne verzeichnete. Ebenso verpuffte sein Verkaufsaufruf im Jahr 2023, als der S&P 500 in der Folge deutlich zulegte. Diese Historie nährt Zweifel daran, ob Burrys aktuelle Bitcoin-Warnung mehr ist als eine weitere pessimistische Einschätzung in einem volatilen Markt.