Zwischen November 2025 und Januar 2026 wurden vom US-Amerikanischen National Bureau of Economic Research 6.000 Führungskräfte in den USA, Großbritannien, Deutschland und Australien befragt. Die Studie liefert erstmals eine breite, repräsentative Einschätzung zum Thema KI, aus Sicht der Unternehmensleitungen. Eine Großzahl geht von einem Stellenabbau in den nächsten Jahren aus.

Sollten sich die Erwartungen der Manager erfüllen, könnten bis 2028 in den vier untersuchten Ländern rund 1,75 Millionen Arbeitsplätze wegfallen. Der geplante Mechanismus wirkt dabei unspektakulär: keine abrupten Massenentlassungen, sondern schrittweiser Abbau durch natürliche Fluktuation, Automatisierung von Prozessen und Nicht-Nachbesetzung freiwerdender Stellen.

Mehrere Studien bestätigen strukturellen Wandel

Auch andere Untersuchungen zeichnen ein ähnliches Bild. Eine Analyse des ifo Institut aus dem vergangenen Sommer ergab, dass 27,1 Prozent der Unternehmen in Deutschland innerhalb der nächsten fünf Jahre mit einem Rückgang der Beschäftigung durch KI rechnen. Nur 5,2 Prozent erwarten zusätzliche Jobs, während zwei Drittel von keiner Veränderung ausgehen.

„Unternehmen, insbesondere die Industrie, erwarten einen durch KI beschleunigten Strukturwandel“, erklärte Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo-Umfragen in einer Stellungnahme.

Im Durchschnitt rechnen jene Firmen, die Stellenabbau prognostizieren, mit einer Reduktion von rund acht Prozent. Besonders ausgeprägt sind die Erwartungen in der Industrie: Dort geht mehr als ein Drittel der Betriebe von einem Beschäftigungsrückgang aus. Auch im Handel liegt der Anteil deutlich über dem Durchschnitt.

Warnungen aus der KI-Branche

Besonders deutlich äußert sich die Führung von Anthropic, Wettbewerber von OpenAI und Entwickler des Sprachmodells Claude. CEO Dario Amodei warnt seit Monaten vor einer raschen und tiefgreifenden Umwälzung, insbesondere im Bereich klassischer Büro- und Wissensarbeit.

In einem Interview mit Axios aus 2025 erklärte Amodei, innerhalb der nächsten ein bis fünf Jahre könnten bis zur Hälfte aller Einstiegspositionen in administrativen und analytischen Berufen wegfallen. Betroffen seien insbesondere Technologie, Finanzwesen, Rechtsberatung und Unternehmensberatung – vor allem auf unteren Karrierestufen.

Die möglichen Folgen seien erheblich. Die Arbeitslosenquote könnte in einem solchen Szenario auf 10 bis 20 Prozent steigen. „Die meisten wissen nicht, dass das bevorsteht“, sagte Amodei.

Gewinner des Trends und neue Dynamiken

Gleichzeitig entstehen neue Beschäftigungsmöglichkeiten – allerdings vor allem in technologieaffinen Bereichen. In IT-Dienstleistungen und der Informationsverarbeitung erwarten einzelne Unternehmen Zuwächse von teils über 10 Prozent.

Der Wandel verläuft also nicht einseitig, sondern differenziert: Während klassische Tätigkeiten unter Druck geraten, entstehen in spezialisierten Segmenten neue Bedarfe. Dennoch bleibt die Gesamtbilanz in vielen Prognosen verhalten.