Die Vatikanbank IOR hat gemeinsam mit der Ratingsagentur Morningstar zwei neue Aktienindizes für Unternehmen entwickelt, die den katholischen Grundsätzen entsprechen.

Die neuen Indizes tragen die Namen Morningstar IOR US Catholic Principles und Morningstar IOR Eurozone Catholic Principles. Sozial verantwortliches investieren hat in den vergangenen Jahrzehnten stark zugenommen. Die US-Fondsgesellschaft Ave Maria Mutual Funds, die nach katholischen Grundsätzen investiert, verwaltete 2025 Vermögen in Höhe von 3,8 Mrd. US-Dollar (42 Mrd. Euro).

Pharma und Bio-Tech hauptsächlich ausgeschlossen

Wie Capital berichtete, scheiden bei der katholischen Aktienauswahl vor allem Konzerne aus, deren Produkte für Abtreibung oder Sterbehilfe verwendet werden könnten. Das betrifft hauptsächlich Biotech- und Pharmakonzerne.

Aber auch in der Forschung selbst gelten strenge Standards seitens der katholischen Kirche – etwa die Nichtakzeptanz der Verwendung von Embryonen für die Stammzellenforschung. Bei der Unverletzlichkeit des Lebens habe das IOR eine „Null-Toleranz-Politik“.

Nicht streng genug

Trotzdem gibt es auch Stimmen, denen diese Regelungen nicht weit genug gehen. Ein User auf X kritisierte zum Beispiel, dass Unternehmen wie Amazon im Index auftauchen, obwohl solche Unternehmen Geschlechtswechsel für Mitarbeiter bezahlen sowie Abtreibungsreisen für Mitarbeiterinnen finanzieren, die in US-Bundesstaaten mit Abtreibungsverboten leben.

Frühere Kontroversen

Das Gemeinschaftsprojekt von Morningstar und der Vatikanbank folgt auf Bemühungen, das Ansehen der Bank wiederherzustellen, das in den vergangenen Jahrzehnten durch Korruptionsfälle, Veruntreuungen und andere Straftaten beschädigt worden war. Der verstorbene Papst Franziskus hatte im vergangenen Jahr eine Reihe von Reformen umgesetzt, um diese Probleme in den Griff zu bekommen. Kardinal Christoph Schönborn hat vergangene Woche den Vorsitz der Kardinalskommission der Vatikanbank IOR abgegeben und ist aus der Kommission ausgeschieden.