KI als Freund: Junge Österreicher wenden sich vermehrt an Chatbots
Eine dystopische Entwicklung: Künstliche Intelligenz ist längst mehr als ein technisches Werkzeug. Sie hat sich tief in den Alltag vieler Menschen integriert – nicht nur als Unterstützung bei Aufgaben, sondern zunehmend auch als Ansprechpartner in
persönlichen Momenten.
Gerade in schwierigen Lebenslagen suchen immer mehr Nutzer, vor allem Jugendliche, den Austausch mit digitalen Systemen, die rund um die Uhr verfügbar sind und scheinbar verständnisvoll reagieren. Ein Experte der Medizinischen Universität Innsbruck spricht eine Warnung aus.
Jugendliche nutzen KI intensiv – auch im Alltag
Die Verbreitung von KI-Anwendungen ist mittlerweile weit fortgeschritten. Laut einer aktuellen Studie von Saferinternet.at nutzen 90 Prozent der Befragten ChatGPT, während andere Systeme deutlich dahinter zurückbleiben – etwa Gemini mit 23 Prozent oder Copilot mit 11 Prozent.
Ein erheblicher Teil greift regelmäßig auf diese Technologien zurück: 24 Prozent verwenden ChatGPT täglich, während über 40 Prozent angaben, mindestens mehrmals pro Woche darauf zurückzugreifen. Interessant dabei.
Im schulischen Kontext ist KI bereits fest verankert. 73 Prozent der Jugendlichen nutzen entsprechende Tools für Hausaufgaben und Lernprozesse. Darüber hinaus dienen sie zur Informationssuche (47 Prozent), zur Erklärung komplexer Inhalte (34 Prozent), zur Textformulierung (27 Prozent) sowie zur Unterstützung bei Rechenaufgaben (20 Prozent).
Wenn aus Nutzung Beziehung wird
Neben diesen praktischen Anwendungen entwickelt sich eine weitere Dimension: die soziale Interaktion mit KI. Immer mehr Nutzer führen nicht nur funktionale Gespräche, sondern suchen gezielt den Austausch.
So geben 24 Prozent an, freundliche Gespräche mit Chatbots zu führen. 23 Prozent nutzen KI, um Kommunikation mit anderen Menschen zu üben, während 19 Prozent sogar angeben, mit Chatbots zu flirten.
Besonders dystopisch wirkt die emotionale Zuschreibung: 29 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass KI eine Art Freund oder Freundin sein kann. 28 Prozent sehen in der Technologie eine Quelle für Trost, und 26 Prozent halten es für möglich, dass sich Menschen tatsächlich in einen Chatbot verlieben könnten.
Experte warnt vor trügerischer Nähe
Fachleute betrachten diese Entwicklung mit zunehmender Skepsis. Stephan Höfer, Psychologe an der Medizinischen Universität Innsbruck, betonte gegenüber dem ORF, dass es sich bei Chatbots trotz ihrer Gesprächsfähigkeit lediglich um sprachbasierte Systeme handelt. Sie seien nicht dafür konzipiert, psychische Unterstützung im medizinischen Sinne zu leisten.
„Ich wäre sehr vorsichtig, die Hoffnung in Chatbots zu legen, wirklich die Antworten auf meine persönlichen Fragen zu finden“, machte Höfer klar.
Warum KI so menschlich wirkt
Die emotionale Wirkung von Chatbots hat auch psychologische Ursachen. Menschen neigen dazu, technischen Systemen menschliche Eigenschaften zuzuschreiben – ein Phänomen, das sich bereits im Alltag beobachten lässt.
Höfer beschreibt dies anschaulich: „Wir geben unseren Staubsauger-Robotern Namen. Wenn jetzt ein Chatbot auch noch spricht, dann erhöht das die Wahrscheinlichkeit, dass wir ihm eine andere Beziehungsqualität zuweisen.“
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