Es ist ein symbolischer Bruch von historischer Tragweite: Beim Weltwirtschaftsforum 2026 (WEF 2026) in Davos soll möglichst nichts mehr an Klaus Schwab erinnern. Der Mann, der das Forum 1971 als Management-Symposium gründete und über Jahrzehnte prägte, ist nicht eingeladen, nicht präsent – und nicht einmal indirekt erwünscht. Auch seine Familie verschwindet aus dem WEF-Kosmos.

Dabei ist Klaus Schwab offiziell rehabilitiert. Im August erklärte das Forum, die von anonymen Whistleblowern erhobenen Vorwürfe gegen Klaus und Hilde Schwab hätten sich nicht bestätigt. Es gebe „keine Hinweise auf wesentliches Fehlverhalten“. Doch die öffentliche Reinwaschung führte nicht zur Versöhnung – sondern zu einer radikalen Trennung.

Social Media statt Seepromenade: Schwabs neues Kapitel

Während sich das WEF neu erfindet, meldet sich Schwab selbstbewusst zurück. In Social-Media-Videos begrüsst der 87-Jährige seine Follower mit den Worten: „Welcome to the Schwab Academy“. Mit gewohntem Ernst spricht er über den Übergang vom Industriezeitalter ins „Intelligent Age“.

Die neu gegründete Schwab Academy ist laut Handelsregister berechtigt, Veranstaltungen und Initiativen durchzuführen. Personen aus Schwabs Umfeld betonen jedoch, sie sei nicht als Konkurrenz zum WEF gedacht. Vorerst beschränkt sich die Aktiengesellschaft auf die Veröffentlichung von Büchern, die Schwab zuletzt verfasst hat.

Klaus Schwab mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen beim Weltwirtschaftsforum in Davos 2022 – damals noch im Zentrum der Bühne.IMAGO/Photo News

Kein Platz für Nostalgie: Das neue WEF zieht einen harten Strich

Die neue Führung des WEF – mit André Hoffmann und Blackrock-Chef Larry Fink an der Spitze – setzt auf einen klaren Schnitt. Klaus Schwab wird beim Jahrestreffen ab 19. Jänner 2026 keine Rolle spielen. Er selbst wird in dieser Zeit nicht einmal in der Schweiz sein.

Eine versöhnliche Geste, etwa eine Ehrung des Gründers in Davos, blieb aus. Seit der Mitteilung im August herrscht Funkstille zwischen Schwab und dem Forum, wie mehrere Quellen bestätigen. Schwab wollte sich dazu gegenüber der NZZ am Sonntag nicht äußern.

Auch Familie verschwindet: Crystal Awards gestrichen, Nicole Schwab zurückgetreten

Der Bruch betrifft nicht nur Klaus Schwab. Die gesamte Familie wird in Davos nicht einmal mehr als Wohltäter auftreten. Die Crystal Awards, mit denen Hilde Schwab in den vergangenen Jahren Persönlichkeiten wie Cate Blanchett, Leonardo DiCaprio oder Shakira auszeichnete, wurden gestrichen. 2025 war die Preisverleihung offenbar die letzte.

Eine dem WEF nahestehende Quelle sagt: Die Auszeichnung sei „eine Show für Hilde Schwab“ gewesen. Angesichts globaler Krisen solle das Treffen 2026 seriöser wirken.

Auch Nicole Schwab zieht sich zurück. Die Tochter des Gründers, bisher Präsidentin des Forums der Young Global Leaders, legte ihr Amt vor wenigen Wochen still und leise nieder. Eine Begründung wurde nicht genannt.

Schwab Foundation auf Abstand: Unabhängiger – aber geschwächt

Die Schwab Foundation for Social Entrepreneurship bleibt zwar aktiv, doch auch hier zeichnet sich eine Entflechtung ab. Hilde Schwab ist weiterhin Stiftungspräsidentin und nahm laut Informationen NZZ am Sonntag an allen Sitzungen teil. Die Preisverleihung in Davos findet jedoch erstmals ohne sie statt.

Wie es weitergeht, ist offen. Aus dem Umfeld des Ehepaars heisst es, der Familie liege die Fortführung der Stiftung am Herzen. Wahrscheinlich werde die enge Verbindung zum WEF gelockert oder gar aufgelöst. Der heutige Geschäftsführer ist zugleich beim WEF angestellt – das dürfte sich ändern.

Für ausgezeichnete Sozialunternehmer hätte das Folgen: Das Networking in Davos mit Politik, Wirtschaft und potenziellen Förderern würde wegfallen.

Alte Kritik, neuer Absender: Sorge um den Kurs des Forums

Aus dem Umfeld der Familie Schwab ist zu hören, man sei enttäuscht, dass die neue WEF-Führung sozialer Gerechtigkeit und Umweltschutz weniger Gewicht beimesse. Es bestehe die Sorge, das Forum könne sich zu einer reinen Plattform des Geschäftemachens entwickeln.

Berichten zufolge soll die WEF-Führung der Trump-Administration zugesichert haben, „woke“ Themen von der Agenda zu streichen. Donald Trump will erneut nach Davos reisen und dürfte viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Das WEF weist die Kritik zurück. Die Medienstelle betont, das Forum bleibe seinen Hauptzielen treu und setze auf Dialog zur Förderung von Wachstum, Innovation, Resilienz und Frieden.

Rekordtreffen ohne Gründer: Stärke demonstrieren

Trotz – oder gerade wegen – des Bruchs mit Schwab rechnet das WEF mit einer Rekordbeteiligung. Rund 850 Mitarbeiter weltweit hätten intensiv daran gearbeitet, eine eindrucksvolle Gästeliste zu sichern. Das bevorstehende Jahrestreffen werde „eines der bedeutendsten in unserer Geschichte“. Eine Beschäftigung mit den Schwabs hätte da nur abgelenkt.

Ob Davos ohne Schwab wirklich stärker ist, wird sich erst zeigen. Sicher ist nur: Der Gründer ist verschwunden – seine Schatten bleiben.