Margen-Duell in der Krise: Renault lässt Volkswagen alt aussehen
Die europäische Automobilindustrie navigiert durch unruhige Gewässer. Preisdruck, neue Wettbewerber aus China und die kostspielige Transformation hin zur Elektromobilität fordern selbst große und etablierte Konzerne heraus. In diesem Umfeld meldet auch Renault erstmals seit Jahren einen deutlichen Nettoverlust – operativ aber zeigt sich der französische Hersteller jedoch robuster als mancher deutsche Rivale. Besonders im direkten Vergleich mit Volkswagen schneiden die Franzosen besser ab.
Unterm Strich weist Renault für 2025 einen Fehlbetrag von 10,9 Milliarden Euro aus. Hauptgrund ist eine massive Wertberichtigung auf die Beteiligung am japanischen Partner Nissan. Allein 9,3 Milliarden Euro entfallen auf diese Abschreibung. Hinzu kommt die zunehmende Konkurrenz aus China, die auf die Zahlen drückt.
Das operative Ergebnis sank um 15 Prozent auf 3,6 Milliarden Euro. Gleichzeitig reduzierte das Management seine Prognose für die operative Umsatzrendite von zuvor 6,3 auf nun 5,5 Prozent.
An der Pariser Börse reagierten Anleger zurückhaltend: Die Aktie gab am Nachmittag um rund fünf Prozent nach. Bereits im Vorjahr hatte das Papier deutlich an Wert verloren.
Margenvorsprung gegenüber Volkswagen
Trotz der Belastungen bleibt Renault im Branchenvergleich gut positioniert. Mit einer erwarteten operativen Marge von rund 5,5 Prozent liegt der Konzern klar vor Volkswagen, das im Autogeschäft lediglich mit einer Rendite zwischen zwei und drei Prozent kalkuliert.
Expansion außerhalb Europas als Stabilitätsanker
Ein entscheidender Faktor ist die internationale Ausrichtung des Konzerns. Renault hat gezielt Märkte außerhalb Europas ausgebaut und damit seine Umsatzbasis verbreitert. Diese Diversifizierung wirkt stabilisierend in einem Umfeld, in dem der europäische Markt unter starkem Druck steht.
Analysten sehen das Unternehmen daher vergleichsweise gut gerüstet gegen neue Anbieter aus Asien, die mit preisaggressiven Modellen in Europa auftreten.
U.a. auch die Rahmenbedingungen spiele eine Rolle: Während hohe Energiepreise, steigende Lohnkosten, regulatorische Vorgaben und eine insgesamt gedämpfte Konjunktur die Kostendisziplin bei VW erschweren, profitiert Renault in Frankreich von vergelichsweise niedrigen Energiekosten. In Frankreich beziehen Unternehmen, anders als in Deutschland, Atomstrom.
Elektrifizierung als strategischer Hebel
Renault treibt seine Modelloffensive im Elektrosegment voran. Neue Fahrzeuge wie der Renault 5 gelten als zentraler Baustein der Elektrifizierungsstrategie. Ziel ist es, den wachsenden Anforderungen an emissionsarme Mobilität gerecht zu werden und gleichzeitig die Markenidentität zu schärfen.
Kommentare