Massive Abwanderung: DIHK warnt vor Firmen-Exodus aus Deutschland
Die Warnsignale mehren sich – leise, aber unübersehbar. Was lange als konjunkturelle Delle abgetan wurde, entwickelt sich zunehmend zu einem strukturellen Problem. Nach Einschätzung der Deutsche Industrie- und Handelskammer gerät die industrielle Basis Deutschlands immer stärker ins Wanken. Das Institut warnt vor einer großflächigen Abwanderung von Wirtschaftsleistung aus Deutschland.
Die Diagnose fällt nüchtern aus – und gerade deshalb alarmierend. Helena Melnikov, Hauptgeschäftsführerin der DIHK, sieht klare Anzeichen dafür, dass sich die Industrie zunehmend vom Standort Deutschland verabschiedet. Vor allem mittelständische Betriebe ziehen Konsequenzen: Sie verlagern Produktionsschritte ins Ausland oder geben ganz auf. Innerhalb weniger Jahre sind Hunderttausende Industriearbeitsplätze verloren gegangen. Seit 2019, 400.000 an der Zahl. Auch Unternehmensinsolvenzen sind keine Seltenheit mehr.
Was dabei auffällt: Es ist keine kurzfristige Nachfrageschwäche, die den Ausschlag gibt. Vielmehr verdichten sich Hinweise darauf, dass Unternehmen ihre Entscheidungen zunehmend an den Rahmenbedingungen ausrichten – und diese fallen aus deutscher Sicht immer häufiger negativ aus.
Kosten, Auflagen, Steuern – ein toxischer Mix
Teure Energie, eine dichte Regulierungslandschaft und eine im internationalen Vergleich hohe Steuer- und Abgabenquote wirken zusammen wie eine schleichende Investitionsbremse. Produktionsstandorte, die früher als verlässlich galten, verlieren an Attraktivität.
In diesem Umfeld verlieren selbst technologisch starke Unternehmen die Zuversicht, dass sich langfristige Investitionen hierzulande noch rechnen. Die Folge: Projekte werden verschoben, Budgets gekürzt, Personal abgebaut. Die industrielle Wertschöpfung verlagert sich Schritt für Schritt dorthin, wo Produktionsbedingungen günstiger sind.
Ausblick: Schwache Konjunktur ohne echten Impuls
Auch der Blick nach vorn verheißt wenig Dynamik. Die DIHK rechnet für das kommende Jahr lediglich mit einem sehr verhaltenen Wirtschaftswachstum um 0,7 Prozent – gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP). Auch in Unternehmensumfragen zeigt sich entsprechend wenig Optimismus: Investitionszurückhaltung dominiert, Personalabbau bleibt für viele Betriebe ein wahrscheinliches Szenario.
Die geldpolitische Entspannung durch die Europäische Zentralbank kann daran nur wenig ändern. Sinkende Zinsen erleichtern zwar die Finanzierung, ersetzen aber keine strukturellen Reformen. Wo Standortnachteile überwiegen, bleibt auch günstiges Geld wirkungslos.
Ein weiteres Warnsignal liefert eine Erhebung des internationalen Kreditversicherers Atradius. Ein Großteil der befragten Unternehmen rechnet mit weiter steigenden Firmenpleiten.
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