Mehrwertsteuer-Märchen: Senkung hat kaum Auswirkung auf die Inflation
Die Bundesregierung verkauft die Senkung der Mehrwertsteuer auf ausgewählte Lebensmittel als spürbare Entlastung gegen die Teuerung. Doch selbst laut offiziellen Berechnungen bleibt der Effekt minimal.
Ab 1. Juli wird die Mehrwertsteuer auf ausgewählte Grundnahrungsmittel von zehn auf 4,9 Prozent gesenkt. Milch, Eier, Kartoffeln, Obst, Brot oder Nudeln sollen günstiger werden. Fleisch- und Wurstwaren bleiben aus budgetären Gründen ausgenommen. Die Bundesregierung spricht von einem wichtigen Beitrag zur Inflationsbekämpfung – doch ein Blick auf die Zahlen relativiert diese Darstellung deutlich.
Laut Einschätzung von Raiffeisen-Research-Ökonom Matthias Reith dämpft die Maßnahme die Inflation in den Jahren 2026 und 2027 lediglich um 0,1 Prozentpunkte, berichtete Selektiv. Ab 2028 fällt dieser Effekt sogar vollständig weg, während die steuerlichen Mindereinnahmen bestehen bleiben. Allein heuer kostet die Maßnahme den Staat rund 200 Millionen Euro, in den Folgejahren jeweils etwa 400 Millionen.
Entlastung bleibt überschaubar
Für Haushalte fällt die Entlastung überschaubar aus: Die jährliche Ersparnis soll im Schnitt rund 100 Euro betragen. Angesichts weiterhin hoher Preise im Supermarkt ist fraglich, ob dieser Betrag für Konsumenten überhaupt spürbar wird.
Zudem betrifft die Steuersenkung nur einen Teil des Warenkorbs. Der Großteil der Lebensmittel wird weiterhin mit zehn Prozent besteuert. Gleichzeitig sollen neue Abgaben – etwa auf Paketsendungen aus Drittstaaten oder nicht recycelbare Kunststoffe – die Maßnahme gegenfinanzieren.
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