Minus 56 Prozent: Start-Up-Finanzierungen brechen ein
Noch vor wenigen Jahren galt Österreich als ein Nährboden für junge Technologieunternehmen. Risikokapital floss reichlich, internationale Investoren blickten zunehmend nach Wien, Graz oder Linz. Doch dieses Bild verblasst mehr und mehr. Das Jahr 2025 markiert für die heimische Start-up-Landschaft einen gravierenden Tiefpunkt.
Start-up-Krise: Österreichs Finanzierungen brechen 2025 um 56 Prozent ein – deutlich weniger Geld pro Deal.IMAGO/Westend61
Nach aktuellen Auswertungen des EY Start-up-Barometers konnten österreichische Start-ups im Jahr 2025 insgesamt nur noch 253 Millionen Euro an frischem Kapital einsammeln.Das entspricht einem Einbruch von 56 % gegenüber dem Vorjahr. Besonders alarmierend: Nicht die Anzahl der Finanzierungsrunden brach ein, sondern deren Größe. Während die Zahl der Deals mit 148 nahezu auf dem Niveau von 2024 verblieb, schrumpfte das durchschnittliche Volumen pro Finanzierungsrunde drastisch.
Im Schnitt flossen nur noch rund 2,3 Millionen Euro je Finanzierung – so wenig wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr. Finanzierungen jenseits der 10-Millionen-Euro-Marke waren 2025 eine Ausnahmeerscheinung. Deals über 100 Millionen Euro gab es bereits seit 2023 keine mehr.
Einzelne Lichtblicke in einem düsteren Umfeld
Den größten Deal verbuchte Refurbed mit rund 50 Millionen Euro. Dahinter folgten enspired und Emmi AI mit jeweils etwa 15 Millionen Euro, Easelink mit rund 11,5 Millionen Euro sowie Hololight mit rund 10 Millionen Euro.
Wien dominiert – Provinz verliert weiter Anschluss
Regional zeigt sich eine zunehmende Konzentration. Wien behauptete seine Rolle als mit Abstand wichtigster Start-up-Standort des Landes. Rund 71 % des gesamten Investitionsvolumens entfielen auf die Bundeshauptstadt. In 86 Finanzierungsrunden sammelten Wiener Jungunternehmen etwa 179 Millionen Euro ein.
Deutlich abgeschlagen folgen die Steiermark, Oberösterreich und Tirol. Zwar finden auch dort weiterhin Gründungen statt, doch im Wettbewerb um größere Kapitalvolumina verlieren die Regionen spürbar an Boden. Die Schere zwischen Wien und dem Rest des Landes geht weiter auf.
Software, KI und Nachhaltigkeit im Fokus
Inhaltlich bleibt die Szene klar ausgerichtet. Software- und Analysemodelle führten erneut bei der Zahl der Finanzierungsrunden. Besonders auffällig ist die wachsende Bedeutung von Künstlicher Intelligenz: Mehr als jede dritte Finanzierungsrunde entfiel 2025 auf KI-Start-ups.
Europa zieht davon – Österreich auf Schrumpfkurs
Der Blick über die Landesgrenzen hinweg macht die ernüchternde Lage besonders deutlich. Während das Investitionsvolumen in europäischen Start-ups 2025 insgesamt wieder wuchs, zählt Österreich zu den klaren Verlierern.
Das gesamte Investitionsvolumen in der EU legte 2025 um rund fünf Prozent zu und überschritt die Marke von 66 Milliarden Euro – der „State of European Tech“-Report beziffert das Volumen auf 44 Milliarden Euro.
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