Nach dm jetzt Rossmann: Der Vormarsch der Online-Apotheken
Der digitale Wandel im Gesundheitsmarkt schreitet unaufhaltsam voran. Medikamente kann man mitlerweile simpel per Klick bestellen und bequem nach Hause liefern lassen. Nachdem bereits große deutsche Drogerieketten wie dm diesen Markt für sich entdeckt haben, folgt nun das nächste Schwergewicht: Auch Rossmann arbeitet nun an der Einführung einer eigenen Online-Apotheke.
Das Unternehmen bestätigte, dass die Planungen für ein digitales Apothekenangebot weit fortgeschritten seien. Man beschäftige sich intensiv mit dem Projekt, erklärte ein Sprecher der Geschäftsführung. Klar ist bereits: Der Betrieb der Online-Apotheke soll nicht von Deutschland aus erfolgen, sondern über eine Struktur im europäischen Ausland gesteuert werden. Welche Rolle einzelne Standorte konkret spielen werden, ließ das Unternehmen offen.
Zentraler Bestandteil der neuen Strategie dürfte die firmeneigene App werden. Sie soll als digitales Bindeglied zwischen Kunden, Sortiment und Bestellprozess fungieren. Konkrete Angaben zum Starttermin, zur Sortimentsbreite oder zur Preisgestaltung machte Rossmann bislang nicht.
Wettbewerb zieht an – dm als Vorreiter
Der Schritt kommt nicht überraschend. Erst vor wenigen Wochen hatte der direkte Konkurrent dm mit einer eigenen Online-Apotheke den Markt betreten. Das Angebot umfasst dort ausschließlich rezeptfreie Arzneimittel sowie apothekenübliche Zusatzprodukte wie Nahrungsergänzungsmittel, Medizinprodukte und bestimmte Kosmetika.
Medikamente per Klick: Ein Markt mit Dynamik
Der Onlinehandel mit Arzneimitteln wächst seit Jahren kontinuierlich. Versandapotheken wie Redcare Pharmacy oder DocMorris melden steigende Bestellzahlen. Nach Angaben des deutschen Bundesverband E-Commerce und Versandhandel legte der Online-Umsatz mit Medikamenten zuletzt um rund sechs Prozent zu – ein Wert, der deutlich über dem Durchschnitt vieler anderer Warengruppen liegt.
Ein entscheidender Treiber dieser Entwicklung ist das E-Rezept. Seit dessen Einführung lassen sich in der Bundesrepublik auch verschreibungspflichtige Medikamente ohne Papierformular digital einlösen.
Stationäre Apotheken geraten unter Druck
Für klassische Vor-Ort-Apotheken verschärft sich damit die Lage. Viele Betriebe stehen im direkten Preisvergleich zunehmend unter Druck – vor allem bei rezeptfreien Produkten. Gängige Medikamente für die Hausapotheke sind online oft spürbar günstiger.
Versandapotheken punkten zudem mit niedrigen oder ganz entfallenden Versandkosten ab bestimmten Bestellwerten.
Handelsexperten warnen daher vor einer beschleunigten Marktbereinigung. Besonders Apotheken mit ohnehin geringer Kundenfrequenz geraten zunehmend ins Hintertreffen. In ländlichen Regionen, wo die wirtschaftlichen Spielräume vieler Betriebe begrenzt sind, könnte sich diese Entwicklung besonders deutlich auswirken.
Kommentare