Neue Trump-Zölle setzen Österreichs Wirtschaft unter Druck
Während US-Präsident Donald Trump bereits mit neuen Zöllen droht, zeichnen sich die Auswirkungen der im Februar neu verhängten pauschalen US-Zölle von 10 Prozent auf Waren aus der EU ab.
In Österreich könnten die Zölle zu einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,11 Prozent führen, in der EU drohe im Schnitt ein Rückgang des BIP um 0,26 Prozent, so das Ergebnis einer Studie des Supply Chain Intelligence Institute Austria (ASCII) und des Wirtschaftsforschungsinstituts WIFO.
Dabei sei Österreichs Wirtschaft von den Exporten in die USA kaum direkt betroffen. Schwerwiegender sind die indirekten Effekte über europäische Produktionsnetzwerke. “Wenn große EU-Volkswirtschaften ihre Produktion drosseln, trifft das österreichische Zulieferbetriebe unmittelbar”, erklärt Asjad Naqvi, Forscher am ASCII und Senior Economist am Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO). Mit Auswirkungen ist in drei bis sechs Monaten zu rechnen. Eventuelle Maßnahmen wie eine Neuausrichtung der Lieferketten sind jedoch nicht berücksichtigt.
Bergbau und Rohstoffgewinnung stark betroffen
Vor allem vorleistungsintensive und international eng verflochtene Industrien sind in Österreich laut der Studie betroffen. Mit minus 0,58 Prozent sind die größten Rückgänge im Bergbau und der Rohstoffgewinnung zu erwarten. Aber auch bei der Herstellung von chemischen Erzeugnissen (-0,51 Prozent), der Metallerzeugung und -bearbeitung (-0,30 Prozent) sowie der Herstellung von Gummi- und Kunststoffwaren (-0,21 Prozent). In der Textilindustrie und bei nicht-metallischen Mineralerzeugnissen könnte es zu einem Rückgang um 0,21 bzw. 0,20 Prozent kommen. Moderat betroffen sein werden den Angaben zufolge die sonstigen Warenherstellungen sowie der Transportsektor mit einem Rückgang um je 0,14 Prozent. Der Maschinenbau sollte mit einem Minus von 0,01 Prozent hingegen glimpflich davonkommen.
Länder mit einer starken industriellen Basis könnten spürbare Einbußen verzeichnen. Für Deutschland und Italien rechnen die Ökonomen mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,13 Prozent, für Frankreich mit 0,14 Prozent. Vor allem Deutschland und Italien sind für Österreichs Zulieferer wichtige Exportmärkte. “Gerade in stark verflochtenen Industrien wirken sich selbst kleine Nachfragerückgänge in großen EU-Ländern überproportional auf österreichische Zulieferer aus”, sagte der stellvertretender ASCII-Direktor Klaus Friesenbichler.
Die Ökonomen von Wifo und ASCII empfehlen, auf mehrere Exportmärkte zu setzen. Besonders betroffene Industriesegmente müssten unterstützt werden, etwa durch Innovationsförderung, Investitionen in technologische Modernisierung und eine strategische Standortpolitik. Im Binnenmarkt ist laut den Ökonomen eine koordinierte europäische Industrie- und Handelspolitik notwendig.
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