Ein landesweiter Zahlungsausfall ist keine abstrakte Vorstellung. Wenn Geldautomaten, Kartenterminals oder Online-Banking-Dienste ausfallen, wird Bargeld zur Überlebensfrage des Alltags. Finanzexperten aus den Niederlanden empfehlen deshalb, dass Haushalte für 72 Stunden ausreichend Scheine und Münzen bereithalten sollten. Hintergrund sind mögliche Krisenszenarien – von technischen Pannen bis hin zu Cyberbedrohungen.

72 Stunden ohne Zahlungssysteme

Das niederländische Forum für Zahlungssysteme (NFPS) empfiehlt der Zentralbank der Niederlande zufolge einen klar definierten Mindestvorrat an Bargeld. Im Falle eines 72-stündigen Totalausfalls – d. h. wenn weder Bankomaten noch Kartenterminals oder Online-Banking funktionieren – sollen Erwachsene 70 Euro und Kinder jeweils 30 Euro in bar verfügbar haben.

Diese Berechnung basiert auf einer Kalkulation des niederländischen Instituts für Familienfinanzen (Nibud). Die Beträge sollen für Grundausgaben wie Lebensmittel, Wasser oder Medikamente für drei Tage ausreichen.

Wie schnell eine solche Situation eintreten kann, zeigt ein aktuelles Beispiel: Im Jänner kam es in Berlin infolge eines Brandanschlags zu einem flächenhaften Stromausfall. Rund 45.000 Haushalte und mehr als 2.200 Betriebe im Südwesten der Stadt waren davon betroffen.

Nicht nur Bargeld: Karte und App griffbereit

Neben Bargeld rät das NFPS dazu, verschiedene Zahlungsmöglichkeiten bereitzuhalten. Wer im Alltag hauptsächlich mit dem Smartphone oder der Smartwatch bezahlt, sollte für den Ernstfall auch eine physische Bankkarte mitführen. Eine funktionierende Banking-App kann ebenfalls hilfreich sein. Darüber lassen sich Überweisungen tätigen oder Zahlungsaufforderungen verschicken, falls Kartenzahlungen nicht möglich sind.

Nicht nur Privatpersonen, sondern auch Unternehmen sollen vorbereitet sein. Für Geschäfte, Gastronomiebetriebe, Tankstellen und Apotheken gibt es klare Empfehlungen: Sie sollten alternative Bezahlmethoden wie QR-Code-Apps bereithalten und genügend Wechselgeld für drei Tage vorrätig haben. So kann der Betrieb auch dann aufrechterhalten werden, wenn digitale Zahlungssysteme ausfallen.

Sensibilisierung für neue Risiken

Der Aufruf wurde unter anderem durch zunehmende geopolitische Spannungen und potenzielle Cyberbedrohungen angestoßen. Das Ziel besteht darin, die Bevölkerung für mögliche Störungen im Zahlungsverkehr zu sensibilisieren und sie widerstandsfähiger zu machen.