Lebensmittel bremsen die Inflation derzeit noch – doch das könnte sich rasch ändern. Hinter den Kulissen baut sich massiver Kostendruck auf: Steigende Energiepreise, teurere Rohstoffe und globale Krisen bringen die Branche an ihre Grenzen. Die Folgen werden mit zeitlicher Verzögerung sichtbar werden – aber sie werden kommen und für Konsumenten deutlich spürbar sein. Die Krone berichtete.

Energie-Schock trifft die gesamte Kette

Die Warnung aus der Branche ist eindeutig. Stephan Büttner, Obmann der Lebensmittelindustrie in der Wirtschaftskammer, bringt es auf den Punkt: „Die Preise werden steigen, überhaupt keine Frage“.

Haupttreiber ist derzeit die Energie. Sie verteuert nicht nur die Produktion, sondern wirkt sich auch auf Transport und Verpackung aus. Büttner erklärt das anhand eines einfachen Beispiels: „Was glauben Sie, sind die Hauptkosten eines Transportunternehmens? Der Treibstoff.“ Steigen die Kosten für Treibstoff um 30 oder 40 Prozent, ist klar, dass diese weitergegeben werden müssen.

Die Auswirkungen sind bereits spürbar. Containertransporte sind innerhalb kurzer Zeit deutlich teurer geworden. Gleichzeitig steigen die Preise für energieintensive Materialien wie Glas, Aluminium oder Kunststoff. Selbst Verpackungen, etwa Folien, haben sich teilweise im Preis verdoppelt.

Auch die Landwirtschaft gerät unter Druck, denn Düngemittel sind massiv teurer geworden. Ein Grund dafür sind globale Lieferprobleme: Rund ein Drittel des weltweiten Bedarfs läuft über die Straße von Hormus, die derzeit blockiert ist.

„Das zieht sich durch“ – vom Rohstoff bis ins Regal

Die Kostenlawine erfasst die gesamte Produktionskette. „Das zieht sich durch – vom Rohstoff bis zum fertigen Produkt“, sagt Büttner. Besonders problematisch ist, dass viele dieser Faktoren außerhalb des Einflusses der Unternehmen liegen. Energiepreise, Rohstoffe und internationale Logistik sind nicht steuerbar – die Unternehmen können nur reagieren, nicht gegensteuern.

Auch Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin des Fachverbands der Lebensmittelindustrie, spricht von einer „importierten Inflation“. Während Lebensmittel zuletzt die Teuerung noch gebremst haben, dürfte sich das bald umkehren. Ein Grund dafür ist, dass die Effekte verzögert eintreten. Zunächst steigen die Energie- und Transportkosten, dann schlagen sie nach und nach auf die Preise im Supermarkt durch. „Das kommt sukzessive in den Markt“, so Büttner.

Wettbewerbsfähigkeit unter Druck

Die wirtschaftliche Lage der Branche ist bereits angespannt. Seit drei Jahren stagniert das Produktionsvolumen bei rund 12 Milliarden Euro, während die Kosten massiv steigen. Allein die Löhne sind um etwa 25 Prozent gestiegen. Das setzt die Unternehmen zusätzlich unter Druck.

Koßdorff warnt: „Wir verlieren an preislicher Wettbewerbsfähigkeit.“ Das zeigt sich auch im Außenhandel: Während die Exportmengen zurückgehen, wächst das Handelsdefizit im Agrarbereich.

Scharfe Kritik an Politik – Abwanderung droht

Für zusätzlichen Unmut sorgen politische Maßnahmen. Die Branche sieht die geplante Margenkontrolle entlang der gesamten Lebensmittelkette besonders kritisch. Unternehmen müssten demnach ihre Margen offenlegen und könnten bei als „unangemessen“ eingestuften Gewinnen sanktioniert werden. Für Büttner ist das ein massiver Eingriff: „Das wäre ein beispielloser Eingriff in die Marktwirtschaft. Wer investiert noch unter solchen Rahmenbedingungen?”

Auch die geplante Plastikabgabe sorgt für Kritik. Sie soll künftig von den Unternehmen getragen werden und gleichzeitig um 50 Prozent erhöht werden. Besonders problematisch ist, dass auch Produkte, die bereits vom Plastikpfand betroffen sind, einbezogen werden sollen. Koßdorff warnt: „Das trifft genau jene, die bereits in Recycling investiert haben.“

Die Möglichkeiten, steigende Kosten intern abzufedern, sind laut der Branche bereits ausgeschöpft. „In den vergangenen Jahren haben wir genug Einsparprogramme durchgeführt“, sagt Büttner. Weitere Maßnahmen würden tief einschneiden, etwa durch Personalabbau oder Investitionsstopps. Sollten sich die Rahmenbedingungen nicht verbessern, droht eine Verlagerung ins Ausland. „Man muss sich schon fragen, wie lange sich Unternehmen das gefallen lassen“, so Büttner.