Anna Borg geht davon aus, dass Atomkraft in vielen Staaten wieder an Bedeutung gewinnt. Gemeint ist damit nicht die klassische Großanlage vergangener Jahrzehnte, sondern sogenannte Small Modular Reactors (SMRs) – kleinere, standardisierte Reaktoren mit modularer Bauweise und reduziertem radioaktiven Inventar.

Diese Anlagen sollen in Teilen vorgefertigt werden und sich flexibler in bestehende Energiesysteme integrieren lassen. Das Ziel: geringere Bauzeiten, bessere Planbarkeit, langfristig sinkende Kosten. Vattenfall prüft konkret die Errichtung von drei bis fünf SMRs auf der schwedischen Halbinsel Värö südlich von Göteborg.

Borg argumentiert, dass gerade modulare Konzepte wirtschaftliche Vorteile bringen könnten. Wenn mehrere Einheiten nach identischem Muster errichtet werden, entstünden Skaleneffekte. Zudem verspreche die Serienfertigung technologische Lernkurven, die Investitionen mittelfristig effizienter machten.

Parallel dazu will das Unternehmen bestehende Kernkraftwerke modernisieren und ihre Laufzeiten um rund zwei Jahrzehnte verlängern.

Stabilität für Strompreise und Versorgung

Aus Sicht des Konzerns bietet Kernenergie einen entscheidenden Vorteil: Planbarkeit. Anders als Wind- oder Solarstrom steht Atomkraft unabhängig von Wetterbedingungen zur Verfügung. In Zeiten stark schwankender Energiepreise gewinnt dieser Aspekt an Bedeutung.

Europa im atomaren Umbruch

Schweden ist mit dieser Strategie nicht allein. In mehreren EU-Staaten wird Kernenergie inzwischen als Bestandteil einer langfristigen Energiearchitektur betrachtet. Ein prominentes Beispiel ist Polen, das den Bau seines ersten Atomkraftwerks plant.

Die Europäische Kommission genehmigte erst im Dezember milliardenschwere staatliche Beihilfen für das Projekt in Lubiatowo-Kopalino an der Ostsee. Die Baukosten werden auf rund 42 Milliarden Euro geschätzt. Etwa 30 Prozent davon sollen durch staatliche Mittel getragen werden, zusätzlich sind staatliche Garantien für Kredite vorgesehen.

Zum Einsatz kommt Technologie des US-Konzerns Westinghouse, der bereits 2022 den Zuschlag erhielt. Die Bauzeit ist auf etwa sieben Jahre angesetzt, die Inbetriebnahme bis Mitte der 2030er-Jahre geplant.