Rekordinsolvenzen: Experten sehen 2026 kaum Chance auf Besserung
Österreich schlittert von einem Pleitenrekord zum nächsten. 2025 wurden so viele Firmeninsolvenzen eröffnet wie noch nie – und eine rasche Entspannung ist nicht in Sicht. Besonders eine Branche reißt ein Milliardenloch.
Die Zahl der Firmeninsolvenzen ist 2025 auf einen historischen Höchststand gestiegen.GETTYIMAGES/Ralf Geithe
Es ist ein alarmierendes Signal für den Wirtschaftsstandort Österreich: Zum dritten Mal in Folge wurde ein historischer Höchstwert bei Firmenpleiten verzeichnet. Obwohl die Passiva leicht gesunken sind und weniger Arbeitsplätze betroffen sind, zeigt die Entwicklung klar nach oben. Besonders betroffen sind einzelne Branchen wie die Gastronomie, der Bau und der Handel sowie bestimmte Bundesländer.
Rekordjahr Nummer drei in Folge
Österreich hat 2025 ein weiteres Insolvenz-Rekordjahr hinter sich. Mit 4.189 eröffneten Firmeninsolvenzen wurde der höchste je gemessene Wert erreicht. Damit liegt das Jahr um 30 Verfahren bzw. 0,72 Prozent über dem bisherigen Rekord aus dem Jahr 2024 und ist laut dem Gläubigerschutzverband AKV EUROPA bereits das dritte Rekordpleitenjahr in Folge.
Die Dimension wird besonders deutlich im historischen Vergleich: Selbst die Jahre der Finanzkrise bleiben klar darunter. So wurden 2007 etwas mehr als 3.000, 2008 rund 3.250 und 2009 etwa 3.700 Firmeninsolvenzen eröffnet. 2025 liegt damit deutlich über allen bisherigen Krisenjahren.
Im Jahresdurchschnitt wurden 349 Unternehmensinsolvenzen pro Monat beziehungsweise 81 pro Woche eröffnet. Bereits bis September lag die Zahl der Firmenpleiten über den gesamten Jahreswerten von 2018 und 2019 und im Oktober wurde zudem der Rekordwert des Jahres 2023 überschritten.
Tausende Verfahren scheitern am fehlenden Geld
Besonders brisant ist der starke Anstieg der abgewiesenen Insolvenzanträge. Im Jahr 2025 wurden 2.967 Anträge mangels kostendeckenden Vermögens nicht eröffnet. Das sind 499 mehr als im Vorjahr, was einem Plus von 20,22 Prozent entspricht.
Zählt man die eröffneten Verfahren und die Abweisungen zusammen, so kommt Österreich im Jahr 2025 auf 7.156 Firmeninsolvenzfälle. Zum Vergleich: Im Jahr 2024 waren es noch 6.627. Immer öfter fehlt also selbst das Geld, um ein Insolvenzverfahren überhaupt zu starten.
Immobilienbranche reißt Milliardenloch
Ein zentraler Treiber der Pleitenstatistik ist die Immobilienbranche. Im Bereich „Grundstücks- und Wohnungswesen“ wurden 414 Insolvenzen verzeichnet. Gleichzeitig verursachte diese Branche mit rund 3,98 Milliarden Euro die höchsten Passiva aller Wirtschaftszweige.
Besonders auffällig ist, dass neun der zehn größten Insolvenzen nach Passiva der Immobilienentwicklung zuzurechnen sind, acht davon Unternehmen der Signa-Gruppe. Insgesamt beliefen sich die Gesamtpassiva aller eröffneten Firmeninsolvenzen im Jahr 2025 auf 11,03 Milliarden Euro. Zum Vergleich: 2024 lagen sie noch bei 22,32 Milliarden Euro und 2023 bei rund 16,74 Milliarden Euro.
Oberösterreich legt zu, Wien mit Rückgang
Regional zeigt sich ein gemischtes Bild. So verzeichnete Wien 1.469 eröffnete Firmeninsolvenzen, nach 1.519 im Jahr zuvor – ein Rückgang von 3,29 Prozent. In Oberösterreich stieg die Zahl der Insolvenzeröffnungen hingegen von 462 auf 532, was einem Plus von 15,15 Prozent entspricht. Damit verzeichnet Oberösterreich die höchste Steigerungsrate aller Bundesländer.
Auch Salzburg meldete mit 10,53 Prozent ein zweistelliges Plus. Leichter Zuwachs wurde in Niederösterreich (+3,56 %) und Tirol (+3,40 %) registriert. Rückgänge gab es neben Wien auch in Kärnten, Vorarlberg, der Steiermark und besonders deutlich im Burgenland mit minus 6,92 Prozent.
Weniger Jobs betroffen – kaum Entspannung in Sicht
Trotz der Rekordzahlen bei Firmenpleiten ist die Zahl der betroffenen Arbeitsplätze gesunken. 2025 waren 16.252 Dienstnehmer von Insolvenzen betroffen, 2024 waren es noch 23.405. Das entspricht einem Rückgang um 30,56 Prozent.
Der Gläubigerschutzverband erwartet für 2026 dennoch keine rasche Trendwende. Eine wirtschaftliche Erholung wirke sich erst mit einer Verzögerung von sechs bis neun Monaten auf den Insolvenzsektor aus. Es wird lediglich eine langsame Entspannung prognostiziert, mit insgesamt knapp unter 7.000 Insolvenzverfahren – Eröffnungen und Abweisungen zusammen.
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