Schoko-Schlagabtausch: Lidl und Aldi im Preiskampf
Im deutschen Lebensmitteleinzelhandel ist eine neue Runde im Dauerkonflikt der Discounter eingeläutet worden. Nachdem Butter, Milch und Grundnahrungsmittel bereits als Preisinstrumente missbraucht wurden, ist nun ausgerechnet die Schokolade zum Schlachtfeld geworden. Die Folgen dieser Eskalation reichen weit über das Süßwarenregal hinaus.
Der Auftakt kam aus dem Ruhrgebiet, die Reaktion folgte wenig später aus Baden-Württemberg. Innerhalb weniger Wochen haben die großen Discounter ihre Preise für Schokolade mehrfach nach unten korrigiert. Die Abstände zwischen den Preissenkungen werden kürzer, der Ton schärfer. Sieben Anpassungen in kaum mehr als einem Monat sind kein Ausdruck von Großzügigkeit – sie sind ein kalkulierter Angriff.
Was den Kunden als Entgegenkommen verkauft wird, ist in Wahrheit Teil einer aggressiven Marktstrategie. Sinkende Kakaopreise liefern den willkommenen Vorwand, um mit Dumpingangeboten Marktanteile zu sichern oder auszubauen.
Aldi gegen Lidl: Kampf um die Deutungshoheit im Discount
Im Zentrum der Auseinandersetzung stehen Aldi und Lidl. Der traditionsreiche Platzhirsch aus Essen sieht sich zunehmend unter Druck. Lidl, Teil der Schwarz-Gruppe, hat sich in den vergangenen Jahren vom Herausforderer zum ernsthaften Rivalen entwickelt. Besonders im Onlinegeschäft und bei digitalen Vertriebskanälen hat Lidl Boden gutgemacht.
Mit einem Jahresumsatz von deutlich über 30 Milliarden Euro rückt der Discounter aus Neckarsulm, nahe Stuttgart, gefährlich nahe an die Spitze. Für Aldi ist klar: Wer die Preishoheit verliert, riskiert langfristig seine Stellung im Markt. Die Antwort lautet deshalb Eskalation –Man will schneller, billiger und auch kompromissloser agieren.
Wenn Marken zwischen die Fronten geraten
Der eigentliche Kollateralschaden dieser Preisschlachten trifft jedoch nicht die Discounter selbst, sondern die Hersteller. Marken wie Ritter Sport geraten zunehmend zwischen die Fronten. Während Aldi und Lidl ihre Einkaufsmacht nutzen, um Preise nach unten zu drücken, schrumpfen die Margen der Produzenten.
Für große Konzerne ist das schmerzhaft, für mittelständische Hersteller sogar existenzbedrohend. Wer sich den Preisdiktaten nicht beugt, riskiert den Verlust von Regalplätzen – und damit den Zugang zu Millionen von Kunden.
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