Nach aktuellen Berechnungen des Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) beschäftigen rund vier Millionen Haushalte in Deutschland ihre Haushaltshilfe ohne offizielle Anmeldung. Das entspricht etwa neun von zehn Haushalten, die regelmäßig Unterstützung beim Putzen, Waschen oder Aufräumen in Anspruch nehmen. Die legale Beschäftigung bleibt damit die Ausnahme – nicht die Regel.

Die Untersuchung macht deutlich: Schwarzarbeit im Haushalt ist kein Randphänomen, sondern ein Massenmodell, das quer durch alle Einkommens- und Altersgruppen verbreitet ist.

„Nur Nachbarschaftshilfe“: Die häufigsten Rechtfertigungen

Die Gründe, warum Haushalte auf eine offizielle Anmeldung verzichten, sind vielfältig – und oft bequem. Mehr als ein Drittel der Befragten erklärte, es handle sich lediglich um private Gefälligkeiten oder Nachbarschaftshilfe. Genau hier setzt die Kritik der Studienautoren an: In vielen Fällen gehe es längst nicht mehr um gelegentliche Hilfe, sondern um regelmäßige, klar definierte Arbeitsleistungen – also um meldepflichtige Beschäftigung.

Weitere Motive sind pragmatischer Natur. Ein Teil der Haushalte verweist darauf, dass die Hilfskraft selbst keine Anmeldung wünsche. Andere halten die legale Variante für zu teuer oder scheuen den bürokratischen Aufwand, den sie mit Minijobs, Abgaben und Formularen verbinden.

Milliarden unter dem Radar

Finanziell ist die Dimension beträchtlich. Je nach Region und Qualifikation liegen die Stundenlöhne für Haushaltshilfen zwischen 15 und 25 Euro. Hochgerechnet ergibt sich daraus ein Milliardenmarkt, der an der Steuer vorbei läuft. Allein für das Jahr 2023 summierten sich die nicht versteuerten Zahlungen laut IW auf rund 8,6 Milliarden Euro. Für die Jahre danach wird von weiter steigenden Beträgen ausgegangen.

Warum Privathaushalte kaum überprüft werden

Zwar hat der Bundestag zuletzt die Befugnisse der Finanzkontrolle Schwarzarbeit ausgeweitet und setzt verstärkt auf Digitalisierung und KI-gestützte Analyseverfahren. Doch private Haushalte bleiben davon weitgehend unberührt. Die Ursache liegt im Grundgesetz: Die Unverletzlichkeit der Wohnung schließt systematische Kontrollen im privaten Raum faktisch aus.

Illegaler Keksverkauf in Österreich: Schwarzarbeit kennt keine Grenzen

Auch jenseits Deutschlands zeigt sich ein ähnliches Muster, in Sachen Schwarzarbeit. In Österreich rückte zuletzt insbesondere der informelle Verkauf von Weihnachtsgebäck in den Fokus der Behörden. Laut Berichten des ORF gingen Finanzämter im Dezember verstärkt gegen sogenannte Hobbybäcker vor, die ihre Waren online anbieten – ohne Gewerbeschein, ohne Abgaben.