Smartphone zur Diagnose: Wie KI die Herzmedizin verändern könnte
Künstliche Intelligenz dringt mit rasantem Tempo in immer mehr Bereiche der Medizin vor. Was noch vor wenigen Jahren wie Zukunftsmusik klang, wird inzwischen in Kliniken und Forschungseinrichtungen konkret erprobt. Besonders in der Herzmedizin eröffnen neue digitale Methoden vielversprechende Möglichkeiten. An der Medizinische Universität Innsbruck untersuchen Forscher derzeit, wie sich KI in der Kardiologie sinnvoll einsetzen lässt.
Der Direktor der Universitätsklinik für Kardiologie, Axel Bauer, sieht in den neuen Technologien ein enormes Potenzial: Sie könnten künftig nicht nur die Diagnostik verbessern, sondern auch Ärzte entlasten und das Gesundheitssystem effizienter machen.
Ein besonders innovativer Ansatz wird derzeit von einer Forschungsgruppe rund um den Datenwissenschaftler Samuel Pröll untersucht. Ziel ist es, alltägliche Smartphones als Diagnosewerkzeug nutzbar zu machen.
Die Geräte verfügen heute über hochpräzise Bewegungssensoren, die kleinste Schwingungen registrieren können. Diese Technik lässt sich medizinisch nutzen. „Wir legen das Handy auf die Brust und können dann die Vibration der Herzmechanik und des Brustkorbs aufnehmen und dadurch dann Rückschlüsse auf Klappenfehler und andere Herzfehler machen,“ erklärte Pröll, gegenüber dem ORF.
Mithilfe von KI-Algorithmen werden diese Signale anschließend analysiert und ausgewertet. Auf diese Weise lassen sich mögliche Auffälligkeiten erkennen, die auf Herzklappenprobleme oder andere Störungen hinweisen könnten.
Pulsanalyse über die Smartphonekamera
Neben Bewegungsdaten nutzen die Forscher auch optische Messverfahren. Dabei wird die Smartphonekamera eingesetzt, um minimale Veränderungen der Hautfarbe sichtbar zu machen, die durch den Blutfluss entstehen.
Klinikdirektor Axel Bauer beschreibt den Ansatz so: „In einem laufenden klinischen Projekt verwenden wir das Smartphone zur Pulswellenmessung. Dazu legt dann ein Teilnehmer seinen Finger auf die Kameralinse. Kleine Hautfärbungen werden durch die Kamera und den Sensor sichtbar und können ausgewertet werden. Man kann auf Unregelmäßigkeiten des Pulses hierdurch schließen und das kann ein Anzeichen von Vorhofflimmern sein.“
Eine solche Messung ersetzt jedoch keine medizinische Diagnose. Auffällige Ergebnisse müssten weiterhin durch klassische Untersuchungen bestätigt werden – etwa durch ein Elektrokardiogramm (EKG).
Revolutionär: KI verändert Medizin übergreifend
Die Herzmedizin ist nur eines von vielen Feldern, in denen künstliche Intelligenz derzeit neue Möglichkeiten eröffnet.
Während Genforscher früher oft Monate benötigten, um ein vollständiges menschliches Genom auszuwerten, können moderne KI-Algorithmen diese Aufgabe heute in wenigen Minuten erledigen. Die Programme suchen gezielt nach genetischen Markern, die auf ein erhöhtes Risiko für bestimmte Krankheiten hinweisen.
Auch in der Radiologie kommen zunehmend KI-basierte Systeme zum Einsatz. Diese Programme analysieren CT- und MRT-Aufnahmen und sind in der Lage, kleinste Veränderungen zu erkennen, die dem menschlichen Auge häufig entgehen. Studien zeigen, dass Tumore auf diese Weise teilweise deutlich früher entdeckt werden können.
Ein weiteres Einsatzfeld ist die Arzneimittelforschung. Mithilfe künstlicher Intelligenz lassen sich Milliarden potenzieller Molekülstrukturen simulieren und ihre Wirkung auf Krankheiten modellieren. Dadurch kann die Entwicklung neuer Medikamente erheblich beschleunigt werden.
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