„Teuer, teurer, Österreich“ – dieser Befund zieht sich wie ein roter Faden durch die aktuellen Analysen der Agenda Austria. Kurz vor der Vorstellung der neuen Industriestrategie der Bundesregierung zeigen Daten, wie groß der Wettbewerbsnachteil für heimische Betriebe tatsächlich ist. Besonders beim Strompreis klafft die Schere zwischen Europa und den USA dramatisch auseinander, mit gravierenden Folgen für Investitionen, Arbeitsplätze und Wachstum.

Industriestrom als Standortnachteil

Die europäischen Strompreise bleiben hoch – und Österreich liegt dabei besonders ungünstig. Laut einer Auswertung von Agenda Austria zahlen Teile der heimischen Industrie aktuell das Dreifache für Strom im Vergleich zu vergleichbaren Unternehmen in den USA. Die Zahlen basieren auf Halbjahresdaten bis zum ersten Halbjahr 2025.

Während die Strompreise in den USA seit Jahren auf einem niedrigen Niveau verharren, liegen sie in Europa – und speziell in Österreich – erheblich darüber. Sowohl kleinere als auch größere industrielle Abnehmer sind betroffen.

Agenda Austria/Agenda Austria

Regierung unter Erwartungsdruck

In dieser Woche will die Bundesregierung ihre neue Industriestrategie vorstellen. Nach allem, was im Vorfeld zu hören war, dürfte sie jedoch „sehr blumig ausfallen“, so die Einschätzung von Agenda Austria. Es werde viele wohlklingende Ankündigungen geben, aber nur wenige konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Standortbedingungen.

Die Versuchung sei groß, an den Industriestrompreisen „herumzuschrauben”. Doch genau das sei problematisch, denn aktuell würden hohe Preise nicht durch den Markt, sondern durch politische Rahmenbedingungen verursacht.

Milliarden für Strom – aber kein langfristiger Plan

Die Regierung hat bereits reagiert. Mit dem Industriestrom-Bonus und Rückerstattungen aus dem Standortabsicherungsgesetz wurden Maßnahmen ergriffen. Das entlastet Betriebe kurzfristig, doch als dauerhafte Strategie taugt das laut Experten nicht. „Es qualifiziert sich wohl kaum als Strategie, Industriestrom auf ewig subventionieren zu wollen“, meint Ökonom Jan Kluge. „Das können wir uns schlicht und ergreifend nicht leisten.“ Statt immer neuer Zuschüsse brauche es tiefgreifende Reformen.

Mehr Wettbewerb statt Abgaben

Laut Kluge muss die öffentliche Hand an den Strukturen ansetzen, wenn sie für echte Entlastung sorgen will. Dazu gehöre vor allem mehr Wettbewerb im Energiesektor, eine Reform der Netzfinanzierung sowie der Verzicht auf die zahlreichen Steuern und Abgaben, die Energie zusätzlich verteuern.

Denn derzeit wird ohnehin schon teure Energie durch staatliche Belastungen noch weiter verteuert – mit spürbaren Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie.