Der geplante Industriestrompreis von fünf Cent pro Kilowattstunde sorgt für Zustimmung – aber auch für scharfe Kritik. Während Industrie- und Wirtschaftskammer den Kurs der Bundesregierung als wichtiges Signal für den Standort begrüßen, schlägt die Energiewirtschaft Alarm: Die Finanzierung des Modells könne Investitionen bremsen, den Ausbau gefährden und am Ende sogar der Industrie schaden.

Industrie begrüßt Preisstützung

Für die Industriellenvereinigung (IV) ist der Industriestrompreis ein überfälliges Signal. Angesichts des hohen Kosten- und Wettbewerbsdrucks sei ein international wettbewerbsfähiger Strompreis „kein Sonderwunsch der Industrie, sondern eine zentrale Standortfrage“, betont IV-Präsident Georg Knill. Der Industriestrompreis sichere Produktionsstandorte, Wertschöpfung und Arbeitsplätze – ebenso wie die Verlängerung der Strompreiskompensation (SAG), die zusätzliche Planungssicherheit bringe.

Die IV spricht dabei ausdrücklich von einem Instrument zur Absicherung des Standorts.

WKÖ: Entlastung ja – neue Abgaben sind „entbehrlich“

Auch die Wirtschaftskammer (WKÖ) begrüßt die Industriestromabsicherung bis 2029. WKÖ-Vizepräsidentin Martha Schultz spricht von einem „wichtigen Impuls für Industrie, Standort und Zukunft“. Endlich gebe es Planungssicherheit, entscheidend sei nun eine rasche und unbürokratische Umsetzung.

Deutlich kritischer wird Schultz jedoch bei den Begleitmaßnahmen der Regierung. Die geplante Plastikabgabe auf nicht recyclebares Plastik sowie strengere Meldepflichten für den Handel bezeichnet sie als „entbehrlich“. Solche Maßnahmen drohten zur Belastungsfalle für Industrie und Handel zu werden. Statt Ursachen zu bekämpfen, würden Symptome verwaltet – und neue Kosten entlang der Wertschöpfungskette geschaffen.

Energiewirtschaft schlägt Alarm

Am schärfsten fällt die Reaktion von Österreichs Energie, der Interessenvertretung der E-Wirtschaft, aus. Die geplante Finanzierung des Industriestrompreises aus Mitteln der Energiewirtschaft stoße auf „klare Ablehnung“. Generalsekretärin Barbara Schmidt warnt eindringlich: „Man sollte die Kuh nicht schlachten, die man melken will.“

Die Branche trage bereits Milliarden an Steuern, Abgaben und Sonderbeiträgen. Zusätzliche Belastungen würden die Investitionsfähigkeit massiv schwächen – mit direkten Folgen für den Ausbau des Energiesystems. Investitionen könnten verschoben oder gestrichen werden, was wiederum Wertschöpfung und Arbeitsplätze in der Industrie gefährde.

Während Industrie und WKÖ auf Planbarkeit und Entlastung setzen, warnt die Energiewirtschaft davor, dass Preisstützung auf Kosten von Investitionen langfristig auch dem Standort schade. Oder wie es bei Österreichs Energie heißt: Energiepolitik sei kein Förderinstrument – und dürfe nicht zulasten des Systems gehen.