Noch vor kurzem hatten sich Kakaobohnen und Kakaobutter auf dem Weltmarkt dramatisch verteuert, zeitweise vervielfachten sich die Notierungen. Für viele Betriebe wurde die Herstellung von Schokolade zur finanziellen Herausforderung. Nun signalisiert der Markt eine Trendwende: Rohkakao ist deutlich günstiger zu haben als noch im Vorjahr.

Doch zwischen Börsenkurs und Ladenpreis klafft eine Lücke. Produzenten in Vorarlberg betonen, dass der gesunkene Rohstoffpreis nur einen Teil der Gesamtkosten beeinflusst. Neben Kakao fließen weitere hochwertige Zutaten in ihre Produkte ein – von edlen Nüssen über hochwertige Milch bis hin zu besonderen Aromen. Diese Komponenten unterliegen eigenen Preisentwicklungen, die sich nicht automatisch mit dem Kakao entspannen.

Erntezyklen bestimmen den Kurs

Der Rohstoff Kakao gilt als ausgesprochen schwankungsanfällig. Entscheidend für den Preis sind vor allem die Erträge in wichtigen Anbauregionen wie der Elfenbeinküste. Fällt die Ernte schwach aus, steigen die Notierungen – mitunter drastisch.

Gunther Fenkart aus Hohenems weist im Gespräch mit dem ORF darauf hin, dass seine Manufaktur ausschließlich Edelkakao aus Südamerika verarbeitet. Für ihn ist der allgemeine Börsenpreis daher nur eingeschränkt relevant. Zudem stammt der derzeit gehandelte Rohkakao noch aus der vergangenen Sommerernte – einer Phase, in der die Preise deutlich höher lagen. Von der jüngsten Entspannung werde man frühestens in einigen Monaten profitieren.

Mehr als nur Kakao: Löhne und Energie als Preistreiber

Die Kalkulation endet jedoch nicht bei den Zutaten: Steigende Personalkosten und höhere Energiepreise haben die Produktionsbedingungen zusätzlich ebenso verteuert. Gerade kleinere Betriebe, die handwerklich arbeiten und auf Qualität setzen, spüren diesen Druck besonders stark.

Die sinkenden Kakaopreise eröffnen aus Sicht der Hersteller nun zunächst die Möglichkeit, die in den vergangenen Jahren aufgelaufenen Mehrbelastungen auszugleichen. Eine direkte Weitergabe an die Konsumenten steht daher aktuell nicht im Vordergrund.

Diskonter senken Preise – Marken geraten unter Druck

Anders können große Handelsketten agieren. In Deutschland haben Lebensmitteldiskonter bereits zu Jahresbeginn reagiert und diverse Schokoladenprodukte im Preis gesenkt. Auch in Österreich ziehen Handelsriesen nach.

Die Hofer-Eigenmarke Choceur Vollmilchschokolade 100g von 0,99 auf 0,89 Euro reduziert, der Choceur Nussknacker von 1,49 auf 1,29 Euro. Auch Lidl senkt die Preise seiner Eigenmarken. Die Preisabschläge bewegen sich zwischen 10 und 50 Cent. Eine Tafel Fin Carré Weiße 100g kostet nun 0,99 statt 1,49 Euro.