Tausende Busfahrer fehlen: Sommer droht zum Verkehrs-Chaos zu werden
Der Personalmangel im Busverkehr entwickelt sich zur strukturellen Belastungsprobe für Tourismus und öffentlichen Verkehr. Während sich die Lage im Linienbetrieb leicht entspannt, verschärft sich die Situation in der Reisebranche. Vor allem in den Sommermonaten fehlen tausende Lenker – und Nachwuchs ist kaum in Sicht.
Im öffentlichen Nahverkehr scheint sich die Situation im Vergleich zu den vergangenen Jahren leicht beruhigt zu haben. Robert Riedl, Geschäftsführer der Fachgruppe Autobus-Unternehmungen der Wirtschaftskammer Oberösterreich, erklärt im Gespräch mit dem ORF: „Der Bedarf an Busfahrern ist nach wie vor ein relativ hoher, wenngleich sich die Situation gerade bei den Linienlenkern im Vergleich, wenn man den Zeitraum von vor drei Jahren heranzieht, etwas entspannt hat.“
Diese Entspannung bedeutet jedoch keineswegs, dass ausreichend Personal vorhanden wäre. Der akute Druck hat sich lediglich etwas abgeschwächt, ohne dass das grundlegende Problem gelöst wurde. Unternehmen berichten weiterhin von schwieriger Personalgewinnung und langwierigen Besetzungsverfahren.
Reisebusse stärker betroffen: Unplanbare Arbeitszeiten schrecken ab
Deutlich problematischer gestaltet sich die Situation im touristischen Bereich. Der Fahrermangel ist immens. Grund ist nicht zuletzt, dass Busfahrer hier häufig an Wochenenden im Einsatz sind, sie begleiten mehrtägige Reisen oder fahren zu unregelmäßigen Zeiten. Genau diese Flexibilität ist es, die viele potenzielle Bewerber abschreckt.
Wolfgang Stöttinger, Geschäftsführer des Reiseveranstalters Sabtours, beschreibt die Herausforderung offen: „Hier sind die Lenker am Wochenende mit Sicherheit unterwegs. Die Planbarkeit ist natürlich eine ganz andere. Der Beruf, der Job ist herausfordernd und nicht sehr familienfreundlich.“
Gerade in Zeiten, in denen Work-Life-Balance für viele Arbeitnehmer an Bedeutung gewonnen hat, verliert der Beruf damit an Attraktivität.
Sommer als Belastungsprobe
Mit Beginn der Urlaubssaison verschärft sich die Lage regelmäßig. Wenn Flughafentransfers, Städtereisen, Ausflugsfahrten und Gruppenreisen zunehmen, steigt der Personalbedarf spürbar.
Bleiben Stellen unbesetzt, drohen Ausfälle oder Einschränkungen im Angebot. Für Reiseunternehmen bedeutet das nicht nur organisatorischen Mehraufwand, sondern auch große wirtschaftliche Risiken.
Drastische Zahlen in Deutschland
Ein ähnliches Bild zeigt sich nördlich der Grenze. Laut dem Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen (BDO) fehlen im deutschen öffentlichen Personennahverkehr derzeit rund 20.000 Busfahrer. Bereits jetzt berichten rund 65 Prozent der Unternehmen von Fahrtausfällen aufgrund von Personalmangel.
Die Prognosen fallen noch alarmierender aus: Bis 2030 könnte die Zahl der fehlenden Fahrer auf bis zu 65.000 anwachsen, sofern keine wirksamen Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Gewerkschaftsvertreter rechnen teilweise sogar mit noch höheren Fehlbeständen.
Demografischer Druck verschärft die Situation
Ein zentraler Treiber dieser Entwicklung ist die Altersstruktur der Branche. Nach Angaben des BDO sind rund 57 Prozent der Bus- und Straßenbahnfahrer älter als 55 Jahre. Jährlich scheiden zwischen 4.000 und 6.000 Beschäftigte altersbedingt aus dem Berufsleben aus.
Die Ursache liegt unter anderem in einer Personalpolitik früherer Jahrzehnte. In den 1990er-Jahren wurden in vielen Verkehrsunternehmen aus Kostengründen nur wenige Neueinstellungen vorgenommen. Das Resultat ist heute eine stark überalterte Belegschaft – mit entsprechendem Renteneintrittsschub.
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