Teuerung rollt an: Jetzt trifft es ausgerechnet Brot und Butter
Die nächste Teuerungswelle könnte bereits im Anrollen sein – und sie trifft ausgerechnet den Alltag der Menschen besonders hart. Experten warnen, dass die Auswirkungen des Nahost-Konflikts bald auch im Supermarkt spürbar werden könnten. “Nach bisherigen Erfahrungen dauert das nicht lange”, sagte Wifo-Agrarökonom Franz Sinabell im APA-Gespräch.
Steigende Energiepreise treiben Produktions- und Transportkosten in die Höhe, auch Düngemittel verteuern sich. Besonders betroffen sein könnten grundlegende Lebensmittel wie Brot und Butter.
“Teurere Energieträger stehen generell in Verbindung mit Preisanstiegen von Agrargütern”, so Sinabell. “Wenn Preise für manche Energieträger steigen, ist es so, dass in der Regel die Energie insgesamt teurer wird, weil die verschiedenen Träger substituiert werden können. Das heißt, wenn Rohöl teurer wird, wird beispielsweise auch Gas teurer. Und weil aus Getreide wie Weizen oder auch Raps nicht nur Nahrungsmittel erzeugt, sondern auch Energieträger wie Treibstoffe produziert werden, besteht hier eine Wechselwirkung”, erklärte der Fachmann. Und: “Wir brauchen Energieträger wie Diesel auch, um Agrargüter herzustellen.”
Transport und Dünger werden teurer
Zweiter Punkt seien die höheren Transportkosten, die bei der Lieferung der Lebensmittel anfallen. “Transport braucht Energie, aber auch Mahlen und Tiefkühlen braucht Energie. Das zieht sich eigentlich durch.” Darüber hinaus wird auch der Stickstoffdünger, dessen Erzeugung maßgeblich auf Erdgas basiert, teurer und knapper, da ein Großteil der Weltproduktion im Nahen Osten stattfindet. Angriffe auf Energieanlagen in der Golfregion haben dort nicht nur die Öl- und Gasförderung gebremst, sondern auch die Düngemittelproduktion weitgehend zum Erliegen gebracht.
Wie stark die Preise steigen könnten, ist für Sinabell nicht absehbar. Die Erfahrung zeige jedenfalls, dass Preissteigerungen vor allem bei Öl, Mehl, Butter und in weiterer Folge auch Milchprodukten zu befürchten seien. Generell erwarte er aber, “dass das durch alle Produktkategorien durchgeht”, auch wenn manche Lebensmittel wie Äpfel weniger von den Weltmärkten abhängig seien. “Ich würde mich freuen, wenn ich mich täusche.” Gleichermaßen verwies der Wifo-Ökonom auf ähnliche Situationen in der Vergangenheit, “da wurden auch Lehren gezogen”. Daher sei er zuversichtlich, “dass das nun ein Ruckler ist, wir aber nicht im Chaos enden”.
Landwirtschaftsvertreter alarmiert
Alarmiert zeigten sich zuletzt auch Bauernvertreter wie der ÖVP-Bauernbund und die Land&Forst Betriebe Österreich. “Die aktuellen Entwicklungen zeigen einmal mehr, wie stark die Landwirtschaft von stabilen Energiepreisen abhängig ist. Ohne Diesel können unsere bäuerlichen Familienbetriebe ihre Felder nicht bewirtschaften und keine Lebensmittel erzeugen”, verwies etwa Bauernbundpräsident Georg Strasser auf steigende Dünger- und Dieselpreise. Es brauche daher gezielte Entlastungen für die Landwirte.
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