Bis Ende April können am Standort Innsbruck keine neuen Klienten aufgenommen werden. Grund dafür sind fehlende finanzielle Mittel und ein zunehmender Personalmangel. In einem Schreiben an das Land Tirol macht die Schuldenberatung deutlich, dass es sich nicht um einen kurzfristigen Engpass handelt, sondern um die Folge einer langjährigen Unterfinanzierung. Die Standorte in Wörgl und Imst sind von der Maßnahme vorerst nicht betroffen.

Steigende Anforderungen, wachsender Aufwand

Nach Darstellung der Schuldenberatung hat sich der Arbeitsaufwand pro Fall deutlich erhöht. So wurden die einzelnen Fälle immer komplexer. Genannt werden unter anderem strengere Anforderungen von Gerichten und Gläubigern, ein höherer administrativer Aufwand in Schuldenregulierungsverfahren sowie zunehmend vielschichtige soziale und wirtschaftliche Problemlagen der Ratsuchenden.

Um allein im Raum Innsbruck wieder eine ausreichende Betreuung sicherzustellen, wären nach Einschätzung der Einrichtung mindestens drei zusätzliche Vollzeitstellen notwendig.

Warnung vor steigenden Folgekosten

Die Konsequenzen der aktuellen Situation seien bereits spürbar. Menschen in akuten finanziellen Krisen könnten nicht mehr rechtzeitig unterstützt werden. Fachlich sei davon auszugehen, dass sich dieser Mangel mittel- und langfristig rächen werde – etwa durch höhere Ausgaben in der Sozialhilfe, zusätzliche Belastungen für das Gesundheitssystem, erschwerte Arbeitsmarktintegration oder steigende Kosten im Bereich der Wohnraumsicherung und Obdachlosenhilfe.

Geschäftsführer spricht von Überlastung

Auch Geschäftsführer Thomas Pachl beschreibt die Lage als kritisch. Man habe dem Land als wichtigstem Geldgeber mitteilen müssen, dass die Vielzahl an Neuanmeldungen mit den vorhandenen Ressourcen nicht mehr bewältigt werden könne. Durch Sparmaßnahmen sei eine Beraterstelle weggefallen, aktuell arbeite die Schuldenberatung an den drei Standorten mit insgesamt zehn Vollzeitäquivalenten.

Lange Wartezeiten trotz stabiler Fallzahlen

Die Zahl der offenen Fälle liegt laut Schuldenberatung seit Jahren relativ konstant bei rund 4.500 pro Jahr. Dennoch verlängern sich die Wartezeiten deutlich. Derzeit müssen Ratsuchende etwa zwei Monate auf ein Erstgespräch warten. Für Menschen mit akuten Problemen – etwa einem gesperrten Konto – sei das kaum praktikabel. Viele Betroffene versuchten, ihre finanziellen Verpflichtungen so lange wie möglich zu erfüllen, bis die Situation schließlich eskaliere.

Politische Kritik und Forderungen von FPÖ

Auch politisch sorgt der Aufnahmestopp für Reaktionen. Der Tiroler FPÖ-Sozialsprecher Patrick Haslwanter warnte vor erheblichen Folgekosten, wenn bei der Schuldenberatung gespart werde. Langfristig müsse vor allem an den hohen Lebenshaltungskosten in Tirol angesetzt werden, um den Bedarf an Beratung zu senken. Kurz- bis mittelfristig sei es jedoch notwendig, die Schuldenberatung mit ausreichenden finanziellen Mitteln auszustatten.