Tourismus-Wildwuchs: Salzburg geht gegen Mikrohotels vor
Salzburg lebt vom Tourismus – doch genau dieser gerät zunehmend in Konflikt mit dem knappen Wohnraum der Stadt. In den vergangenen Jahren hat sich ein Geschäftsmodell rasant ausgebreitet, das vielerorts für Unmut sorgt: sogenannte Mikrohotels. Was für Investoren lukrativ ist, stellt Stadtpolitik, Hotellerie und Wohnraumschützer vor neue Fragen. Nun will die Stadt reagieren.
Besonders in der Altstadt, wo Sehenswürdigkeiten dicht an dicht liegen, finden Mikrohotels ideale Bedingungen. Kurze Wege, hohe Nachfrage und eine touristisch geprägte Umgebung machen Standorte wie die Getreidegasse oder das Kaiviertel attraktiv. Derzeit zählt die Stadt rund 29 solcher Betriebe, die ohne klassische Rezeption und ohne eigenes Personal auskommen. Buchung, Check-in und Zugang laufen digital – effizient für Betreiber, unsichtbar für viele Gäste, aber spürbar für das Stadtgefüge.
Eine Grauzone: Wenn Gewerbeflächen zu Gästebetten werden
Rechtlich bewegen sich Mikrohotels in einer Grauzone. In vielen Fällen werden ehemalige Büros oder Geschäftsräume umgenutzt, in anderen Stadtteilen sogar Flächen, die ursprünglich als Wohnraum gewidmet waren. Genau hier sieht die Politik Handlungsbedarf. Kay-Michael Dankl, Vizebürgermeister der Stadt Salzburg und Vertreter von KPÖ Plus, kritisiert vor allem die fehlenden Eingriffsmöglichkeiten der Kommune. Ganze Stockwerke würden zu touristischen Einheiten umfunktioniert – mit deutlich höheren Erträgen als bei regulärer Vermietung.
Zwar schützt das Altstadt-Erhaltungsgesetz den Wohnraum in Teilen der Innenstadt, doch Cafés, Geschäfte oder andere Nutzungen fallen oft nicht darunter. Damit bleiben Lücken, die Investoren gezielt nutzen.
Kritik aus der Hotellerie
Auch die etablierte Stadthotellerie beobachtet die Entwicklung mit Skepsis. Aus ihrer Sicht braucht Salzburg keine zusätzlichen Betten. Die Stadt verfügt bereits über rund 15.000 reguläre Hotelbetten, argumentiert Georg Imlauer, Obmann der Fachgruppe Hotellerie in der Wirtschaftskammer Salzburg gegenüber dem ORF. Besonders problematisch sei, dass Mikrohotels unter bestimmten Größen keine gewerberechtliche Genehmigung benötigen. Damit entfallen Auflagen etwa zu Brandschutz oder Fluchtwegen – ein Nachteil für klassische Hotels, die strengere Standards erfüllen müssen.
Bewilligungsstopp mit Nebenwirkungen
Offiziell bewilligt die Stadt derzeit vor diesem Hintergrund keine neuen Mikrohotels mehr. Doch diese Regel greift erst ab einer bestimmten Größe. Kleine Betriebe bleiben also außen vor – ein ungewollter Anreiz, Projekte bewusst klein zu halten. Aus Sicht einiger kommunaler Politiker wäre daher eine frühere Bewilligungspflicht sinnvoll. Diskutiert werden Mindeststandards wie eine verpflichtende Rezeption oder Gemeinschaftsflächen, um Mikrohotels klar als Beherbergungsbetriebe zu definieren.
Vorgehen gegen illegale Kurzzeitvermietung
Parallel dazu verschärft Salzburg seit mehreren Jahren die Kontrollen gegen nicht genehmigte Kurzzeitvermietungen, etwa über Plattformen wie Airbnb. Hinweise aus der Bevölkerung – fremde Gäste im Stiegenhaus, Rollkoffer auf Kopfsteinpflaster oder Schlüsselboxen an Klingelanlagen – führen regelmäßig zu Überprüfungen. Laut Stadt wurden bereits über 700 Fälle untersucht, viele davon als rechtswidrig eingestuft und gestoppt.
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