„Meet Austria“: Weltmarken, Hidden Champions – und ein Standort, der stärker ist als sein Ruf
Dank hervorragend ausgebildeter Arbeitskräfte ist Österreich als Standort viel stärker als sein Ruf. Das zeigt die Messe „Meet Austria“ mit mehr als 440 CEOs und Investoren. Weltkonzerne kündigen Milliarden-Ausbaupläne an. Dazu kommen heimische Hidden Champions, die in Österreich viel zu wenig bekannt sind.
Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (l.) informiert sich bei „Meet Austria“ über industrielle Energie- und Infrastrukturprojekte. Im Bild mit Bosch-Österreich-Chef Helmut Weinwurm (r.).EXXPRESS/EXXPRESS
Beim größten Standortkongress des Landes, „Meet Austria“ im Schloss Schönbrunn, treffen mehr als 440 CEOs und internationale Investoren zusammen. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer nennt die Bundesregierung „oberste Vertriebsmitarbeiter der Republik“: Österreich soll offensiv als Wirtschaftsstandort vermarktet werden.
Dazu passt der Startschuss für die Neuausrichtung der staatlichen Standortagentur Austrian Business Agency (ABA). Sie soll internationale Firmen nach Österreich holen und beim Ansiedeln oder Ausbauen begleiten. Im Schatten der Debatten über Energiepreise, Lohnnebenkosten und Bürokratie setzt die ABA künftig auf drei Hebel: Schlüsseltechnologien (IT, Halbleiter, Energie, Mobilität, Life Sciences), Fachkräfte-Hubs in Lateinamerika und Südostasien sowie mehr Digitalisierung. Unter dem Motto „Your easy access to Austria“ will sie Investoren als One-Stop-Shop von der ersten Idee bis zur Umsetzung führen.
50 Prozent mehr Produktion: GE HealthCare setzt starkes Signal
GE HealthCare bekennt sich klar zum Standort Zipf in Oberösterreich. Das Werk ist globales Headquarter für Women’s Health Ultrasound – hier entstehen hochpräzise Ultraschallgeräte für Frauen- und Kindermedizin, exportiert in alle Welt.
Bis 2027 soll die Produktion um 50 Prozent steigen. Geplant sind Investitionen in Automatisierung, Digitalisierung und Industrie-4.0. Mehr als 400 Fachkräfte aus über 20 Nationen arbeiten bereits in Zipf, ein Drittel davon in Forschung und Entwicklung. „Seit 25 Jahren entwickeln wir hier Technologien, die weltweit eingesetzt werden“, sagt Gerald Seifriedsberger, Managing Director GE HealthCare Austria.
Milliarden für E-Antriebe und Energiewende
Auch andere Weltkonzerne bauen aus: BMW Group investiert in Steyr mehr als eine Milliarde Euro in die Serienproduktion von E-Antrieben. Siemens Energy verdreifacht in Weiz/Wollsdorf die Fläche für Windkraft-Transformatoren – Schlüsseltechnologie für die Energiewende. Bosch stärkt Österreich als Forschungsstandort, investiert in Wasserstoff-Kompetenz in Linz und Zukunftstechnologien in Hallein.
Diese Marken kennt jeder. Doch ihre österreichischen Standorte sind hochspezialisierte Kompetenzzentren im globalen Konzernverbund.
Hidden Champions: Weltklasse im B2B
Daneben stehen Firmen, die außerhalb der Fachwelt kaum bekannt sind – obwohl sie technologisch Weltspitze sind. Oft sind im B2B-Bereich tätig – sie verkaufen nicht an Konsumenten, sondern an andere Unternehmen. Ihre Produkte sieht man nicht im Alltag. Aber sie stecken in Stromnetzen, Autos, Industrieanlagen oder Verwaltungssoftware wie jener von Fabasoft.
TTTech entwickelt Software für Raumfahrt, autonome Systeme und Industrieanlagen. Gemeinsam mit VERBUND entsteht eine Plattform, die Stromverbrauch in Fabriken digital optimiert.
Easelink wurde vor neun Jahren in Graz gegründet. Das Unternehmen arbeitet an automatischem Laden von E-Autos – ohne Kabel. Die Nachfrage in den USA, in Asien und in Europa soll zurzeit extrem hoch sein.
zerothird entwickelt Quanten-Verschlüsselung für kritische Infrastruktur.
NXP Semiconductors betreibt in Gratkorn ein Kompetenzzentrum für Kryptografie und Chip-Sicherheit.
Warum bleiben sie?
Was man von vielen Ausstellern hört: Sie wollen in Österreich bleiben und hier noch mehr investieren. Ein zentraler Faktor ist die Qualität der Mitarbeiter – besonders Absolventen der Technische Universität Wien, Technische Universität Graz und Montanuniversität Leoben genießen einen exzellenten Ruf. Viele Mitarbeiter sind überdies nicht nur technisch stark, sondern auch loyal: Die Abwanderung in Österreich ist gering.
Gleichzeitig locken Österreichs Spitzenunternehmen auch internationale Fachkräfte an, die spannende Projekte und die hohe Lebensqualität in Österreich schätzen – auch wenn die hohen Lohnnebenkosten eine Hürde sind.
Fachkräfte als Engpass
Die ABA meldet 26.736 Beratungen im Jahr 2025. Betreute Unternehmen planen 900 Millionen Euro Investitionen und mehr als 2.700 neue Jobs. 21.000 Beratungen entfielen auf „Leben und Arbeiten in Österreich“, knapp 4.000 auf die Rot-Weiß-Rot-Karte.
Künftig setzt die ABA stärker auf Schlüsseltechnologien, internationale Fachkräftehubs in Lateinamerika und Südostasien sowie digitale Services unter dem Motto „Your easy access to Austria“.
„Internationale Unternehmen nach Österreich holen und Arbeitsplätze schaffen“, formuliert ABA-Geschäftsführer René Tritscher das Ziel. Minister Hattmannsdorfer ergänzt: Rund 4.000 Rot-Weiß-Rot-Karten werde nicht reichen, wenn man im globalen Wettbewerb bestehen will.
Industriestrategie 2035
Die „Industriestrategie Österreich 2035“ soll das Land wieder unter die zehn wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaften führen – mit Fokus auf technologische Souveränität, Innovation und Export.
Ja, Bürokratie, Energiepreise und Lohnnebenkosten sind reale Probleme. Auch das ist ein Thema. Aber die Realität auf der Messe zeigt auch: Milliarden werden investiert. Innovation wird entwickelt. Hidden Champions wachsen. Österreichs Standort lebt – und er investiert.
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