„Dass es bei der Mehrwertsteuersenkung um Grundnahrungsmittel geht, ist genau richtig“, sagt Felbermayr. Gleichzeitig ortet er jedoch erhebliche Abgrenzungsprobleme. Denn schon jetzt sorgt die geplante Produktliste für Diskussionen: „Man kann jetzt natürlich darüber streiten, ob die Milch unter diesen Grundnahrungsmitteln steht. Warum ist dann die Hafermilch noch bei 20 Prozent Steuer?“

Die Frage, was als Grundnahrungsmittel gilt und was nicht, ist politisch brisant – und alles andere als geklärt.

Apfel ja, Banane nein – und viele offene Fragen

Zusätzlichen Zündstoff lieferte Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ), der am Sonntag in der ORF-Pressestunde eine erste Liste mit Produkten präsentierte, die künftig günstiger werden sollen. Das Schlagwort dazu: „Apfel ja, Banane nein“. Allerdings ist diese Liste noch nicht mit den Koalitionspartnern akkordiert.

Felbermayr zeigt Verständnis für die aufkommende Kritik: „Da wird es viele geben, die sagen: Warum ist mein Lieblingsprodukt da noch nicht dabei?“ Solche Debatten seien unvermeidlich, sobald Politik beginne, konkrete Warenkörbe festzulegen.

Listen sind politisch – und immer umstritten

„Solche Listen sind immer zu diskutieren“, sagt der Ökonom. Sein persönlicher Zugang wäre ein anderer gewesen: weniger Detailsteuerung, dafür ein breiterer Ansatz. „Ich persönlich hätte mir gewünscht, dass man darauf nicht nur Grundnahrungsmittel hat, also eben nicht nur Essen, sondern auch andere Dinge des täglichen Bedarfs.“

Und dann folgt der Satz, der dem Vorstoß eine neue Richtung gibt – und für Schlagzeilen sorgt.

Warum nicht auch Klopapier?

Felbermayr bringt es auf den Punkt: „Dazu gehören ein paar Hygieneartikel dazu, beispielsweise das Toilettenpapier.“ Ein Produkt, das jeder Haushalt regelmäßig kauft – und das bei steigenden Preisen unmittelbar spürbar ist.

Gerade hier sieht der WIFO-Chef einen Hebel, um die Stimmung im Land zu verbessern. Denn die Teuerung wird von den Menschen nicht über statistische Jahresdurchschnitte wahrgenommen, sondern an der Supermarktkassa.

Die gefühlte Inflation entscheidet

„Es geht um die in Österreich auseinanderklaffende Wahrnehmung zwischen der erlebten, gespürten Inflation und der tatsächlichen“, erklärt Felbermayr. Der Grund dafür liege auf der Hand: „Weil: Es geht ja doch jeder Österreicher ein-, zwei-, vielleicht dreimal in der Woche einkaufen.“

Hohe Preise bei Lebensmitteln und Alltagsprodukten prägen das Inflationsgefühl stärker als jede offizielle Zahl. Sinkt der Preis beim täglichen Einkauf, sinkt auch der Frust.

Stimmung als wirtschaftlicher Faktor

Wie die Kronen Zeitung berichtete, formuliert Felbermayr es klar: Sind die Preise hoch, schätzen die Österreicher die Teuerung generell als hoch ein. „Umgekehrt: Wenn die Preise etwas sinken, verbessert das die Stimmung im Land.“

Genau darauf zielt die geplante Mehrwertsteuersenkung ab. „Die Hoffnung ist, dass die Leute wahrnehmen, dass etwas passiert“, sagt der WIFO-Chef.