Produktionsstandorte werden aufgegeben, Strukturen verschlankt. In erster Linie der internationale Wettbewerbsdruck zwingt den Konzern zu den harten Einschnitten.

Kostendruck zwingt zum Handeln

SEB plant, bis Ende 2027 Einsparungen in Höhe von rund 200 Millionen Euro zu realisieren. Der Restrukturierungsprozess selbst wird jedoch zunächst erhebliche Aufwendungen verursachen: Zwischen 200 und 250 Millionen Euro sollen für Abfindungen, Standortanpassungen und organisatorische Veränderungen anfallen.

Im Geschäftsjahr 2025 erzielte der Konzern noch einen Umsatz von 8,17 Milliarden Euro –ein leichtes Minus von 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Deutlich stärker fiel der Rückgang beim operativen Ergebnis aus: Dieses sank um 25 Prozent auf 601 Millionen Euro. Der Nettogewinn konnte hingegen leicht auf 245 Millionen Euro gesteigert werden. Die Dividende soll stabil bei 2,80 Euro je Aktie bleiben.

Hinter den nüchternen Zahlen verbirgt sich ein struktureller Anpassungsdruck. Der Wettbewerb mit kostengünstig produzierenden Anbietern aus Asien belastet die Margen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Digitalisierung und Lieferkettenflexibilität.

Produktionsverlagerungen und Standortschließungen

Besonders einschneidend werden die geplanten Maßnahmen in Deutschland ausfallen. So soll die Produktion im Silit-Werk in Riedlingen eingestellt werden. Das Werk gehört zur WMF-Gruppe. Auch die Standorte Hayingen (Messerproduktion) und Diez in Rheinland-Pfalz (Backformen) sollen ihre Fertigung verlieren. Bestehende Kapazitäten werden stattdessen an anderen Standorten gebündelt.

Insgesamt sind in der DACH-Region – also Deutschland, Österreich und der Schweiz – bis zu 600 Stellen betroffen. Die aktuelle Belegschaft in dieser Region umfasst mehr als 4.400 Beschäftigte. Darüber hinaus sollen auch Verwaltungsbereiche, Vertriebs- und Marketingabteilungen sowie Teile des Filialnetzes neu strukturiert werden.

Der Personalabbau soll nach Unternehmensangaben sozialverträglich erfolgen – unter anderem durch freiwillige Programme, natürliche Fluktuation und Vorruhestandsregelungen. Gespräche mit Arbeitnehmervertretungen sollen zeitnah beginnen.

Vereinfachung der Strukturen

SEB beschreibt die Maßnahmen als Teil eines globalen „Rebound-Plans“. Ziel sei es, organisatorische Abläufe zu verschlanken, Entscheidungsprozesse zu beschleunigen und die operative Effizienz zu steigern. Dazu gehört auch der verstärkte Ausbau digitaler Vertriebskanäle und eine stärkere Integration stationärer und digitaler Angebote.

Gleichzeitig betont der Konzern, weiterhin in seine Kernmarken investieren zu wollen. Das Portfolio umfasst neben WMF, Tefal, Rowenta und Krups auch Marken wie Moulinex, Silit, Emsa und Kaiser.

Markt reagiert positiv auf Sparkurs

An der Börse wurde der Umbau positiv aufgenommen. Investoren werten das Programm offenbar als wichtigen Schritt zur Stabilisierung der Profitabilität. Der Kapitalmarkt honoriert in der Regel klare Kostensenkungsprogramme – auch wenn sie kurzfristig schmerzhaft sind.