Ausgangspunkt für die Ermittlungen ist ein Verfahren der Equal Employment Opportunity Commission (EEOC). Die Behörde hat ein Bundesgericht im US-Bundesstaat Missouri angerufen, um die Herausgabe interner Unterlagen von Nike zu erzwingen. Nach Angaben der EEOC habe der Konzern angeforderte Informationen bislang nicht vollständig geliefert.

Vorwurf: Ungleichbehandlung durch Zielvorgaben

Die EEOC-Vorsitzende Andrea Lucas hatte Nike vorgeworfen, systematisch unterschiedliche Maßstäbe bei der Behandlung von Mitarbeitern und Bewerbern anzulegen. Im Zentrum der Kritik stehen unternehmensinterne Zielvorgaben, wonach ein bestimmter Anteil von Führungspositionen mit Angehörigen sogenannter Minderheiten besetzt werden sollte. Solche Quotenregelungen könnten – so der Vorwurf – nicht nur leistungsbezogene Kriterien in den Hintergrund drängen, sondern auch andere Bewerbergruppen strukturell benachteiligen.

Nach Auffassung der EEOC könnte dieses Vorgehen gegen Titel VII des US-Bürgerrechtsgesetzes verstoßen, das Diskriminierung ausdrücklich verbietet – unabhängig davon, welche Gruppe betroffen ist.

Nike spricht von überraschender Eskalation

Der Konzern selbst weist die Anschuldigungen zurück. Gegenüber Medien bezeichnete Nike das Vorgehen der Behörde als unerwartete und ungewöhnliche Zuspitzung. Man habe sich von Beginn an kooperativ gezeigt und umfangreiches Material zur Verfügung gestellt, darunter tausende Seiten interner Dokumente sowie detaillierte schriftliche Stellungnahmen.

Nike betont, man halte sich an alle geltenden arbeitsrechtlichen Vorschriften und verpflichte sich zu fairen Beschäftigungspraktiken. Eine bewusste Benachteiligung einzelner Gruppen habe es nicht gegeben, so das Unternehmen.

Politischer Kurswechsel bei der EEOC

Der Fall ist jedoch kein isoliertes Ereignis. Seit der erneuten Amtsübernahme von Donald Trump hat sich der Kurs der EEOC spürbar verändert. Trump ernannte Andrea Lucas kurz nach Amtsantritt zur Vorsitzenden der Behörde. Diese war ursprünglich in den 1960er-Jahren gegründet worden, um Diskriminierung zu bekämpfen – heute richtet sich der Fokus verstärkt auf Programme, die unter dem Schlagwort Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion (DEI) firmieren.

Lucas kündigte bereits Ende 2025 an, sämtliche Initiativen am Arbeitsplatz, bei Personalentscheidungen Kriterien wie ethnische Zugehörigkeit oder Geschlecht berücksichtigt werden, besonders streng zu prüfen. Solche Praktiken seien, unabhängig von ihrer Intention, rechtlich problematisch.