Zulieferindustrie ächzt unter Druck: Heimische Betriebe geraten ins Wanken
Die Erschütterungen in der europäischen Automobilindustrie treffen längst nicht mehr nur die großen Hersteller. Zunehmend geraten auch die Zulieferbetriebe in Österreich unter Zugzwang. Auftragsrückgänge und verschärfter internationaler Wettbewerb, vor allem bedingt durch den Strukturwandel hin zur E-Mobilität, setzen Unternehmen wie Pollmann und ZKW unter massiven Anpassungsdruck.
Bis 2027 sollen bei ZKW aus Wieselburg rund 600 Arbeitsplätze wegfallen. Die Entscheidung sorgt weit über den Betrieb hinaus für Unruhe, denn sie steht exemplarisch für die Lage vieler Zulieferer in Niederösterreich und darüber hinaus. Die Rahmenbedingungen haben sich spürbar verschlechtert: hohe Kosten, unsichere Absatzmärkte und eine stockende Nachfrage prägen den Alltag der Betriebe.
Auch beim international tätigen Zulieferer Pollmann International ist die Situation daher angespannt. Geschäftsführer Stefan Pollmann spricht gegenüber dem ORF offen von einer „sehr ernsten Lage“.
Bei Pollmann zeigen sich die Folgen konkret in der Produktion. Die Abrufe in laufenden Serien sind deutlich zurückgegangen, der Umsatz in bestehenden Projekten liegt spürbar unter früheren Niveaus. Besonders problematisch wirkt sich die Schwäche der deutschen Automobilindustrie aus, die traditionell als zentraler Auftraggeber gilt. Neue Projekte bleiben aus, vor allem in Bereichen wie Engineering, Automatisierung und Werkzeugbau, die für den Standort Österreich lange eine tragende Rolle spielten.
Konsolidierung statt reiner Kürzungen
Als Reaktion wurden bei Pollmann bereits Kapazitäten gebündelt und Standorte neu organisiert. Produktionsschritte wurden zusammengeführt, interne Strukturen gestrafft. Klar ist jedoch: Ein reiner Personalabbau kann aus Sicht des Managements keine langfristige Lösung sein. Wer ausschließlich kürzt, riskiert den Verlust jener Kompetenzen.
Pollmann betreibt Produktions- und Entwicklungsstandorte in mehreren Ländern, darunter Österreich, Tschechien, China und Mexiko. Der Hauptsitz in Karlstein an der Thaya fungiert dabei als technisches Kompetenzzentrum für die gesamte Gruppe. Weltweit beschäftigt das Unternehmen rund 1.350 Mitarbeiter und erzielte zuletzt einen Jahresumsatz von etwa 160 Millionen Euro.
Lichtblicke in einem schwierigen Umfeld
Trotz der angespannten Gesamtlage gibt es auch Ausnahmen. Einzelne Zulieferer können sich erfolgreich behaupten – etwa durch gezielte Internationalisierung. So hat Steyr Motors erst kürzlich einen langfristigen Rahmenvertrag mit einem asiatischen Partner abgeschlossen, der bis 2030 einen garantierten Mindestumsatz vorsieht. Parallel dazu wurde ein Joint Venture in China gestartet, um den asiatischen Markt künftig stärker lokal zu bedienen.
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