Blasenentzündung „in der Flasche“? Heftige Reaktionen auf Weleda-Produkt
Weleda ist bekannt für Naturkosmetik und auch Arzneimittel – und in Drogerien wie Rossmann und dm häufig eine der teureren Marken im Regal. Auf der Website betont der Hersteller: rein natürliche Inhaltsstoffe, frei von Mineralölen, Parabenen, Silikonen und PEGs, „keine künstlichen Duftstoffe“ und Mikroplastik, gentechnisch unverändert. Genau dieses Image bekommt nun Kratzer.
Denn Weleda bringt eine neue Intimpflege-Reihe heraus – und die sorgt im Netz für Diskussionen. Der Name: „Vlora+“. Die Serie umfasst drei Produkte. Und: Es sind deklarationspflichtige Duftstoffe enthalten.
43,85 Euro – und die Frage nach dem „Warum?“
Der erste Aufreger ist der Preis. Weleda schnürt die neue Intimpflege in drei Teilen:
-Waschgel: 9,95 Euro
-Soothing Drops für irritierte Haut: 16,95 Euro
-Protection Oil für Feuchtigkeit: 16,95 Euro
In Summe: 43,85 Euro.
Der Kontrast zum bisherigen ärztlichen Rat, der im Text genannt wird, könnte kaum größer sein: Wasser und eine pH-neutrale Waschlotion. Letztere gibt es üblicherweise schon für wenige Euro.
Content Creator Leo schaut auf die Zutatenliste – und stellt in einem Video die Frage, wie der hohe Preis gerechtfertigt werden soll. Denn neben Parfüm und allergenen Duftstoffen finden sich dort vor allem Pflanzenöle wie Sonnenblumenöl sowie Pflanzenextrakte.
Duftstoffe im Intimbereich: Genau das, was viele triggert
Der zweite große Kritikpunkt: In „Vlora+“ stecken Duftstoffe, die deklariert werden müssen. Damit steht die Reihe im Spannungsfeld zu dem, was Weleda sonst als Markenversprechen kommuniziert.
Auf Social Media geht es deshalb nicht nur um „Was ist drin?“, sondern auch um „Warum überhaupt?“. Gerade bei Produkten für den Intimbereich reagieren viele besonders sensibel – weil das Thema Gesundheit, Geruch, Scham und gesellschaftliche Erwartungen an Frauen eng miteinander verwoben ist.
Entwickelt mit einer Gynäkologin – und trotzdem Gegenwind
Wie Watson berichtete, hat Weleda die Reihe gemeinsam mit Dr. Sheila de Liz entwickelt. Sie ist Gynäkologin und Autorin und klärt auf Social Media regelmäßig über hormonelle Gesundheit und die Wechseljahre auf. Fachkompetenz ist also Teil des Produkt-Narrativs.
Doch genau hier kippt die Stimmung: Leo kritisiert nicht nur die Produkte, sondern auch das Messaging – insbesondere die Wortwahl in einem Ankündigungspost von Dr. de Liz. Dort schreibt sie:
„Unsere Empfehlung als Ärztinnen, nur mit Wasser zu waschen, war ein Ergebnis von schlechten Optionen, und weil wir einen Gegenpol bilden wollten zu dieser kommerziellen Message, welche einen Waschzwang der Vulva nur als Folge haben könnte. Das Ding ist nur: Keiner will nur mit Wasser waschen, ich selbst ehrlich gesagt auch nicht.“
Die Aussage setzt einen Punkt auf eine Debatte, die viele schon kennen: Zwischen „bloß nichts anfassen“ und „bitte optimieren“ liegt ein riesiger Markt. Und „Vlora+“ kommt als dreistufiges Set.
Weleda bewirbt die Dreier-Kombi auf der Website mit „weniger Produkte, mehr Sinn“. Das wiederum löst Spott aus: Welche Intimpflege-Serie soll noch mehr Produkte enthalten als eine Dreier-Routine?
„Alles, was Gynäkolog:innen nicht empfehlen“
Die Kritik bleibt nicht bei einzelnen Creators. Unter einem Weleda-Post kommentiert auch der bekannte Skin-Fluencer xskincare Leon – deutlich und genervt:
„Und wenn ich denke, Weleda würde nicht mit etwas noch Komischerem auf dem Markt erscheinen, überraschen sie einen immer wieder. Sehr teure und dazu stark beduftete Intimpflege? Alles, was Gynäkolog:innen nicht empfehlen, checke langsam diese großen Konzerne nicht mehr.“
In den Kommentarspalten verschärft sich der Ton weiter. Unter Leos Video schreibt eine Person:
„Das Ganze ist also quasi Blasenentzündung und Pilzinfektion in der Flasche und dafür dann über 40 Euro zahlen. Aber sonst ist bei denen alles gut?“
Studienhinweise: Zusammenhang mit Beschwerden und Infektionen
Im Text werden mehrere Studien angeführt, die das Unbehagen erklären sollen: Eine kanadische Studie aus dem Jahr 2018 zeige, dass die Nutzung von Intimhygiene-Produkten (Waschgels, Feuchttücher, Cremes etc.) stark mit vaginalen Beschwerden und Infektionen einhergeht; Anwenderinnen hätten eine signifikant höhere Wahrscheinlichkeit für Symptome im Vergleich zu Nicht-Anwenderinnen.
Zusätzlich werden Studien aus den Jahren 2023 und 2025 genannt: Ein gestörtes Mikrobiom im Intimbereich könne Harnwegsinfektionen begünstigen; das Mikrobiom könne unter anderem durch Hygieneprodukte aus dem Gleichgewicht gebracht werden.
Der Subtext: Warum nur Frauen „optimiert“ werden sollen
Neben Gesundheit und Preis taucht ein dritter, gesellschaftlicher Vorwurf auf: Es geht um den Druck, „gut zu riechen“ – und darum, dass solche Produkte vor allem an Frauen vermarktet werden.
Ein Kommentar bringt die Doppelmoral auf den Punkt:
„Warum haben Frauen den Drang, sich Duftstoffe auf die Vulva zu schmieren? Ich habe noch keinen Mann getroffen, der Duftstoffe auf seinen Penis schmiert. Alles nur Marketing, damit die Frauen denken, sie müssten für die Männer gut riechen. Wer das Gefühl hat, unangenehm im Intimbereich zu riechen, sollte zum Frauenarzt*in und es nicht mit Duftstoffen überdecken.“
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