Die Handy-Sucht besiegen: Das empfehlen Experten
Das Smartphone ist für viele längst zum ständigen Begleiter geworden. Ob Nachrichten, Musik, soziale Netzwerke oder Spiele – kaum ein Moment im Alltag kommt noch ohne Bildschirm aus. Gleichzeitig wächst die Sorge, dass der intensive Konsum digitale Abhängigkeiten fördern könnte. Experten warnen.
Für viele Jugendliche ist das Handy längst fester Bestandteil ihres täglichen Lebens. Kommunikation, Unterhaltung und Informationssuche laufen heute meist über ein einziges Gerät. In manchen Fällen führt die intensive Nutzung jedoch dazu, dass andere Aktivitäten in den Hintergrund rücken – etwa Sport, persönliche Treffen mit Freunden oder schulische Verpflichtungen.
Suchtexperten beobachten diese Entwicklung schon seit Jahren. Nach Einschätzung von Claudia Kahr, Geschäftsführerin der Präventionsstelle Vivid, beginnt die intensive Bildschirmnutzung oft schon sehr früh. „Leider ist es so, dass schon die Kleinsten vor dem Bildschirm sitzen“, erklärte Kahr dem ORF.
Gerade bei Kindern und Jugendlichen spiele dabei auch das Verhalten der Eltern eine zentrale Rolle. Sie seien entscheidend dafür, welche Regeln im Umgang mit digitalen Medien gelten.
Warum Smartphones so schwer wegzulegen sind
Ein Grund für die hohe Nutzungsdauer liegt auch im Design vieler Anwendungen. Plattformen und Apps sind gezielt darauf ausgerichtet, Nutzer möglichst lange auf dem Bildschirm zu halten.
Kahr erklärt: „Alle Anwendungen im Internet sind so gemacht, dass wir dabei bleiben. Und das merken wir als Erwachsene selbst ja auch. Wie schwer es ist, dann aufzuhören, nicht doch noch ein bisschen weiter zu scrollen, dort noch nachzuschauen.“
Deshalb empfiehlt die Expertin klare Regeln im Alltag. Dazu gehört etwa, beim Essen bewusst auf das Smartphone zu verzichten oder das Gerät nachts nicht im Schlafzimmer aufzubewahren. Wichtig sei zudem, das Handy nicht als Belohnung oder Strafe von Kindern, bzw. Jugendlichen einzusetzen. Wird das Gerät zum zentralen Mittel der Erziehung, könne sich problematisches Verhalten weiter verstärken.
Wenn aus Nutzung Abhängigkeit wird
Fachleute erkennen problematischen Medienkonsum an bestimmten Mustern. Ein zentrales Merkmal sei der Verlust der Kontrolle über die eigene Nutzung.
Kahr beschreibt die Symptome so: „Es ist verbunden mit Kontrollverlust. Es werden andere Interessen und Verpflichtungen vernachlässigt und es wird ein Konsum auch fortgesetzt, wenn es schon negative Folgen gibt.“
Solche Entwicklungen betreffen inzwischen immer jüngere Altersgruppen. Studien und Erfahrungsberichte aus Schulen zeigen, dass viele Kinder und Jugendliche täglich mehrere Stunden vor dem Smartphone verbringen.
Experiment: Tausende Schüler legen ihr Handy ab
Ein groß angelegtes Projekt soll nun zeigen, wie stark Smartphones tatsächlich den Alltag prägen. Österreichweit beteiligen sich rund 40.000 Schülerinnen und Schüler am sogenannten „Handyfasten“. Drei Wochen lang verzichten sie bewusst auf ihre Geräte. In der Steiermark nehmen allein mehr als 11.000 Jugendliche teil. Mit dabei sind unter anderem Schüler der Ortweinschule Graz sowie der MedienHAK Graz.
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