„Reicht nicht aus“: Deutschlands Gasspeicher auf Rekordtief
Deutschlands Gasspeicher sind zu Jahresbeginn so leer wie noch nie. Verbände warnen vor möglichen Engpässen bei anhaltender Kälte. Auch über den Winter hinaus bleibt die Versorgungslage angespannt.
Leere Gasspeicher und winterliche Kälte sorgen in Deutschland erneut für Diskussionen über Versorgungssicherheit.IMAGO/Daniel Scharinger
Die anhaltenden Minusgrade treffen auf ungewöhnlich niedrige Gasreserven. Zum Jahresstart sind die deutschen Gasspeicher so schlecht gefüllt wie seit Beginn der systematischen Erfassung nicht mehr. Wie Apollo berichtet, üben Branchenvertreter scharfe Kritik an der Politik, während die Bundesnetzagentur zumindest für diesen Winter eine vorsichtige Entwarnung gibt.
Historischer Tiefstand zu Jahresbeginn
Die deutschen Gasspeicherstände lagen zu Beginn des Jahres 2026 auf einem historischen Tief. Seit Beginn der systematischen Datenerhebung im Jahr 2011 waren die Speicher zu diesem Zeitpunkt noch nie so leer. Darauf weist der Verband Initiative Energien Speichern (INES) hin.
Geschäftsführer Sebastian Heinermann warnt eindringlich: „Die Speicherbefüllung für den Winter 2025/26 reicht für den Fall eines extrem kalten Winters trotz der neuen LNG-Importkapazitäten nicht aus“, sagte er der Berliner Zeitung.
Konkret waren die Speicher laut Daten des Branchenverbands Gas Infrastructure Europe (GIE) am 5. Jänner nur zu 53 Prozent gefüllt. Zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr lag der Füllstand um rund 20 Prozentpunkte höher.
Deutlich unter EU-Durchschnitt
Bereits kurz nach Weihnachten zeichnete sich diese Entwicklung ab. So lag der deutsche Speicherstand am 27. Dezember bei 58,7 Prozent und damit rund fünf Prozentpunkte unter dem EU-Durchschnitt. Bereits im September hatte Deutschland mit einer Füllmenge von 77 Prozent einen neuen Tiefstwert erreicht.
Für INES ist diese Entwicklung kein Zufall. Heinermann sieht darin politisches Versagen: „Die bestehenden politischen Rahmenbedingungen wurden nicht genutzt, um höhere Füllstände sicherzustellen“, erklärte er bereits im November. Dass andere EU-Staaten deutlich besser durch den Winter kommen, wertet er als Beleg dafür, „dass die Wintervorsorge durch politische Rahmenbedingungen spürbar verbessert werden kann”.
Derzeit sinken die Speicherstände netto um mehr als einen Prozentpunkt pro Tag. Laut der Gasspeicherfüllstandsverordnung müssen die Anlagen bis zum 1. Februar noch zu mindestens 30 Prozent gefüllt sein – ein Ziel, das trotz anhaltender Kälte gerade noch erreichbar scheint.
Entwarnung – aber nur für diesen Winter
Die Bundesnetzagentur bewertet die Lage als weniger dramatisch. In einem aktuellen Lagebericht geht sie für den restlichen Winter von einem geringen Versorgungsrisiko aus. Zusätzlich stünden weitere Importmöglichkeiten, etwa über LNG-Terminals oder Lieferungen aus Norwegen, Frankreich oder Belgien, zur Verfügung.
Doch selbst die Behörde sieht nur kurzfristige Entspannung. Aufgrund der niedrigen Speicherstände und der anhaltenden Importabhängigkeit dürfte die Situation auf lange Sicht angespannt bleiben. Seit dem Ukraine-Krieg fällt Russland als Lieferant aus und auch die geplante Kooperation mit Katar liegt wegen des europäischen Lieferkettengesetzes auf Eis.
Damit bleibt vor allem eines offen: Die weitere Preisentwicklung. Wie teuer Gas künftig wird, hängt stärker denn je von Wetter, Importmöglichkeiten und politischen Entscheidungen ab.
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