Im laufenden Schuljahr sind es bereits 51 Prozent der Wiener Schulanfänger, die aufgrund ihrer fehlenden Deutschkenntnisse als außerordentliche Schüler gelten. Fast 60 Prozent dieser nicht deutsch sprechenden Kinder sind in Österreich geboren, rund ein Viertel von ihnen besitzen die österreichische Staatsbürgerschaft, wollen also offenbar nicht nur vorübergehend hier leben, sondern sehen ihre Zukunft in Österreich, sprechen aber nicht die Landessprache.

So wie jedes Jahr, höre ich auch heuer wieder die gleichen Antworten: Wir brauchen mehr Deutschförderung in den Schulen und im Kindergarten. Mehr Geld für Integration wird gefordert.

Integration oder Parallelgesellschaft: Wer nicht will, bleibt unter sich

Echte Bereitschaft über die Ursachen nachzudenken, sehe ich aber nicht. Dabei liegt die Antwort auf der Hand: Wer für sich und seine Kinder bereit und willens ist, sich zu integrieren, hat ausreichend Möglichkeiten. Dies zeigen die vielen positiven Beispiele. Wer jedoch kein Interesse daran hat, ein Teil des Landes zu werden, kann in Österreich problemlos in der eigenen Community bleiben und hier leben, ohne mit den Menschen, der Lebensweise, den Traditionen etc. in Berührung zu kommen. Diese Menschen haben zwar den Wohnort nach Österreich verlegt, sind aber nie in unserer Gesellschaft angekommen und haben das auch nicht vor.

Bei Zugewanderten aus islamischen Ländern ist der Anteil jener, die in Parallelgesellschaften leben, besonders hoch. Hier steht nicht nur eine völlig andere Kultur und Weltsicht der Integration entgegen, sondern auch eine Religion, die das Verschmelzen mit anderen zu einer gemeinsamen Gesellschaft nur unter der Bedingung erlaubt, dass diese gemeinsame Gesellschaft islamisch geprägt ist. Man muss sich der Realität stellen, dass dies die islamische Grundhaltung ist, dass die islamische Definition von Integration Einladung zum Islam bedeutet und nicht das Einfügen in eine andere Gesellschaft.

Natürlich gibt es auch immer wieder erfreuliche Beispiele, die zeigen, dass es auch anders sein kann. Erst kürzlich durfte ich mit Lehramtsstudentinnen diskutieren und habe betont, wie wichtig eine klare Vorstellung ist, wie unsere Gesellschaft der Zukunft aussehen soll, um diese Vorstellung auch mit sehr klarer Haltung vertreten und in der Schule entwickeln zu können. Während der Diskussion meldete sich eine Studentin mit türkischen Wurzeln in akzentfreiem und perfektem Deutsch und stimmte mir zu, dass Sprache der Schlüssel zur Bildung sei und sie ihren Eltern dankbar ist, dass sie in einer Privatschule mit ausreichend vielen Sprachvorbildern korrektes Deutsch lernen durfte. Nach der Diskussion bedankte sich eine muslimische Studentin bei mir für meine klaren Worte, weil auch sie hatte es in ihrer Schulzeit genossen, in der Schule Weihnachten zu feiern, für Ostern zu basteln und vieles mehr und bemerke jetzt, wie das alles verloren geht.

Wenn Ablehnung wächst: Warum Integration ohne Mitmachen nicht funktioniert

Leider ist das nicht die Mehrheit, viele lehnen unsere westliche offene Gesellschaft ab, sie wollen hier leben, aber mit der österreichischen Kultur und ihren Werten nichts zu tun haben und verachten die Ungläubigen.

Das spüren die Österreicher immer deutlicher. Daher empfindet ein immer größer werdender Anteil der aufnahmebereiten Bevölkerung das Zusammenleben mit vielen zugewanderten Menschen und dabei vor allem mit eindeutig als muslimisch erkennbaren Menschen, als schwierig. Eine vom österreichischen Integrationsfond in Auftrag gegebene und vor kurzem veröffentlichte Umfrage zeigt das ganz deutlich: Inzwischen sehen mehr als 2/3 der österreichischen Bevölkerung das Zusammenleben mit Muslimen problematisch. Ich denke, man sollte sich über dieses Ergebnis nicht beschweren, lustig machen, oder sagen „So sind wir nicht“, sondern sich fragen, warum das so ist. Die Politik ist gefragt, Maßnahmen zu setzen, um diese Stimmung zu verändern. Allein bei den Österreichern anzusetzen und an ihre Toleranz zu appellieren, greift zu kurz. Auch jene, die hierher gekommen sind, weil sie hier leben wollen, sind aufgefordert, Interesse an einem Zusammenleben, an unserer Kultur und unseren Werten zu zeigen. Viele tun dies bereits, aber ein immer stärker wachsender Anteil leider auch nicht.

Dazu gehört vor allem der Erwerb der Landessprache und selbstverständlich auch der Wille, ihren Kindern, deren Zukunft sie in Österreich sehen, die wichtigste Voraussetzung für gelungene Integration in die österreichische Gesellschaft mitzugeben: Die deutsche, beziehungsweise österreichische Sprache, und auch entsprechendes Interesse und Respekt für die hier geltenden Regeln und Werte.

Integrationswille und Integrationsbereitschaft sind Grundvoraussetzungen für erfolgreiche Integration und den dafür notwendigen Spracherwerb. Nur wenn wir diese Haltung auch entschieden einfordern, wird sich die Situation in den Schulen und in unserer Gesellschaft verbessern. Erkennen wir das nicht, helfen zusätzliche Sprachförderung und andere Maßnahmen gar nichts, dann wird der Anteil nicht an unserer Sprache und an unserer Gesellschaft interessierter Kinder und Eltern weiter jedes Jahr steigen.