Magyar erklomm Anfang 2024 die politische Bühne und nutzte die als Begnadigungsskandal bezeichnete Affäre aus, in deren Gefolge die damalige Präsidentin Novák zurücktreten musste. Bis dahin war er eigentlich nur als Ehemann der vormaligen Justizministerin Varga bekannt. Diese war zu jener Zeit nicht mehr Justizministerin, wohl aber Spitzenkandidatin von Fidesz für die Europawahlen. Trotz gegensätzlicher Versprechungen kandidierte er für das Europaparlament und schloss sich mit seinen sechs Parteigenossen der EVP-Fraktion an. EVP-Chef Manfred Weber ist dabei ein energischer Unterstützer. Der Deutsche gab die ostentative Parole aus: „Viktor Orbán must go.“

In Ungarn selbst wird Magyar kontrovers beurteilt. Im Jahr 2023 zeichnete er ein in der ehelichen Küche geführte Privatgespräch mit seiner damaligen Ehefrau auf, um die mit dem Inhalt – angebliche Korruptionsfälle bei Fidesz – zu erpressen. Ihm ging es wohl um lukrative Posten in regierungsnahen Unternehmen. Da diese Erpressungsversuche erfolglos blieben, veröffentlichte er die Tonaufnahme, doch die große angekündigte Enthüllung blieb aus. Zugleich ließ Varga Einblicke in ihr Privatleben zu: Magyar hätte sie bedroht, Vorwürfe häuslicher Gewalt stehen seitdem im Raum.

Vorwürfe gegen Magyar

Der 45-jährige Politiker gilt auch nach politischen Weggefährten als leicht reizbar, erratisch, unbeherrscht bis latent aggressiv. Bei vielen jungen Wählern und vor allem Wählerinnern kommt er auf den ersten Blick gut an: jung, dynamisch, sportlich, eloquent im Auftreten. Kennt man ihn aber schon länger, hat man einen deutlich differenzierteren Blick. Eine Exfreundin berichtete von ähnlich angsteinflößenden und aggressiven Verhaltensweisen des EP-Abgeordneten. Nach den EP-Wahlen im Juni 2024 machte Magyar mit Anhängern seiner Partei in einer berühmt-berüchtigten Disco eine große Party. Hier soll er derart obszön mit jungen Frauen geflirtet haben, dass er von den Türstehern hinauskomplimentiert werden musste. Einem unbeteiligten Discobesucher, der ihn filmte, entriss er das Handy und warf es kurzerhand in die Donau.

Mitte Februar ist eine Bildaufnahme eines Schlafzimmers im Internet veröffentlicht worden. Magyar sah sich daraufhin, ohne konkreten Vorwürfen ausgesetzt gewesen zu sein, dazu veranlasst, eine Erklärung abzugeben, dass er nach einer „Sommerparty“ für Unterstützer der Partei von seiner damaligen Ex-Freundin Evelin Vogel zu einer Hausparty in ebenjene Wohnung eingeladen worden sei. Magyars Angaben zufolge seien sie gegen 5 Uhr morgens in der Wohnung angekommen, wo sich mehrere ihm unbekannte Personen aufgehalten haben sollen. Dem Bericht zufolge hätten sich in der Nähe des Wohnungseingangs auf einem Tisch Alkohol und „drogenähnliche Substanzen“ befunden. Magyar selbst betonte jedoch, dass er selbstverständlich keine Drogen konsumiert habe. Nun rätselt ganz Ungarn, was den Oppositionsführer bewogen haben mag, dorthin zu gehen und dies auch noch offen zu bekennen. Moral, Verlässlichkeit, Seriosität, Haltung und Charakter Magyars sind dabei in diesem Jahr die großen Fragen des ungarischen Wahlkampfes. Nur 35% der Befragten halten Magyar für den am meisten geeigneten Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten, bei Viktor Orbán sind dies 46%. Wenige Tage nach den Einlassungen von Péter Magyar, selber keine Drogen konsumiert zu haben, erschien auf der den Skandal auslösenden Website die Aussage von Magyar als Zitat, darunter verschwörerisch der Hinweis: „Sicher?“ Der Wahlkampf in Ungarn verspricht also spannend zu werden.