Bence Bauer: Ungarn – Was sagen die Zahlen?
Drei Wochen vor den Parlamentswahlen in Ungarn am 12. April 2026 verspricht der Wahlkampf spannend zu werden. Analysten prophezeien ein Kopf-an-Kopf-Rennen und in einigen Meinungsumfragen führt die Opposition, in anderen wiederum die Regierungsparteien. Doch gibt es auch andere Hinweise und Indikatoren, wer am Ende die Nase vorne haben dürfte.
Bereits vor vier Jahren haben sich die Demoskopen nicht mit Ruhm bekleckert, ihre Zahlen wichen teilweise massiv vom Endergebnis ab. Die große Spannbreite ergibt sich auch in den verschiedenen Methodologien und Gewichtungen der Rohdaten. Klar ist aber: Die damaligen hohen Umfragewerte der Oppositionsallianz verwirklichten sich am Wahltag nicht. Aus diesem Grunde sollte man den Zahlen keinen allzu großen Glauben schenken, sondern auch andere Bezugsgrößen heranziehen. Wo sich alle Analysten einig sind, ist der Umstand, dass die Wahlen im Wesentlichen dadurch entschieden werden, welches Lager seine eigenen Unterstützer besser mobilisieren kann. Hierbei sollten die beiden großen Kundgebungen zum Anlass des Nationalfeiertags am 15. März herangezogen werden. Während die Anhänger der Regierungsparteien mit ihrem Friedensmarsch von Buda über die Margarethenbrücke zum Parlamentsplatz, dem ikonischen Kossuth-Platz, marschierten, trafen sich die Anhänger der führenden Oppositionspartei, der Tisza, am Deák-Ferenc-Platz und marschierten bei ihrem Nationalmarsch zum Heldenplatz. Bei der Fidesz-Kundgebung sprach Ministerpräsident Viktor Orbán. Allein das Fassungsvermögen des Kossuth-Platzes beträgt 65.000 Quadratmeter. Die Größe des Heldenplatzes ist jedoch nur 28.000 Quadratmeter. Beide Plätze waren brechend voll, wie auch die zu den jeweiligen Kundgebungsplätzen führenden Straßen.
Fidesz vor Tisza – online wie offline
Nach den unabhängigen Daten des Tourismusamts konnte aufgrund der Mobilfunknetzdaten festgestellt werden, dass bei der Veranstaltung der Regierungsparteien 180.000 Personen anwesend waren, bei der Opposition hingegen nur 150.000 Menschen – und dies in der Hochburg der Opposition, Budapest! Vor Jahren schon analysierte das Tourismusamt die Zahl der tatsächlichen Ungarnbesucher mit diesen Netzdaten, um realistische Zahlen auch der Tagesausflügler zu bekommen, die keine Übernachtung nutzen. Oftmals wird die Behauptung aufgestellt, dass die oppositionelle Tisza-Partei vor allem im Internet und bei jungen Leuten stark sei, die Fidesz hingegen kaum vertreten. Wieder einmal lohnt sich ein Blick auf die Realität – und hier zeichnet sich ein komplett anderes Bild. Unter den Social-Media-Plattformen hat in Ungarn Facebook die größte Reichweite. Während Tisza 295.000 Follower hat, verfügt die Fidesz über 456.000. Die persönliche Seite von Péter Magyar nennt 850.000 Follower ihr Eigen, während Ministerpräsident Viktor Orbán auf 1.500.000 Follower kommt. Auch hier zeigt sich im Größenvergleich eine Dominanz der Regierungsparteien. Es lohnt sich noch auf die Berichterstattung des 15. März 2026 zu blicken. Während die mit Tisza zusammenhängenden Nachrichten auf 5,4 Millionen Leser kamen, erreichten die diesbezüglichen News bei Fidesz 6,1 Millionen Leser. Ebenso kann ein echter Blick auf das Straßenbild lohnenswert sein: Dort hängen Fidesz-Plakate en masse, während die Tisza-Partei viel seltener vertreten ist – auch in ihrer Hochburg Budapest und vor allem auf dem Land. Ein ähnliches Bild zeigte sich bei den Unterstützerunterschriften der Kandidaten am 21. Februar: Tisza kam auf 110.000 Unterzeichner, während bei Fidesz 196.000 Personen unterschrieben. Es ist nicht ganz auszuschließen, dass sich das Kräfteverhältnis bei den Parlamentswahlen ähnlich gestalten wird oder zumindest so, wie die Mobilisierung im echten Leben am 15. März verlief.
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