Bence Bauer: Wo ist das Geld?
Nach 16 Jahren Regierungszeit der bürgerlichen Regierungsallianz von Fidesz-KDNP in Ungarn stellt sich die Frage: Wo ist das Geld? Diese absolut legitime Frage muss nun beantwortet werden, darauf haben die Wähler einen berechtigten Anspruch.
Nach der Lesart der ungarischen Opposition ist die Antwort ganz einfach: Alles Geld ist weg, gestohlen, durch grassierende Korruption und Vetternwirtschaft. Doch scheint ganz genau das Gegenteil der Fall zu sein, wie bei vielen bekannten Vorwürfen gegen die konservative Regierung von Viktor Orbán. Ich bin dieser Frage einmal ausführlich nachgegangen. Was Sie jetzt lesen werden, steht in keiner deutschen oder österreichischen Zeitung. Allein das Nationalvermögen stieg in der Zeit von 2010 bis 2026 von 42 Milliarden Euro auf fast das Doppelte, nämlich 83 Milliarden Euro. Die Devisenreserven verdoppelten sich ebenso von 33 Milliarden Euro auf 57 Milliarden Euro. Die Goldreserven sind fast auf das Vierzigfache gestiegen (!!!), von 3 Tonnen auf 115 Tonnen. In der Zeit hat sich der Goldpreis mehr als vervierfacht, so hat sich der Gesamtwert um den Faktor 160 (!!!) gesteigert.
Trotz dieser gestiegenen fungiblen Vermögenswerte sind massenhaft Investitionen in die Infrastruktur und die Zukunft des Landes getätigt worden. Das Autobahn- und Schnellstraßennetz ist von 1.700 Kilometern Länge auf 2.600 Kilometer angewachsen. Mit einer Ausnahme sind Anfang 2026 alle Komitatsstädte an das Netz angebunden worden. Es wurden zahlreiche Brücken neu gebaut, 4.000 Kilometer an Landstraßen saniert. In der genannten Zeit wurde das Puskás Ferenc Stadion gebaut, ebenso wie die für die Schwimmweltmeisterschaften 2017 gebaute Donau-Arena. Ferner wurden das Budapester Athletikzentrum und auch der für Handballspiele geeignete MVM-Dome gebaut. Die öffentliche Sportförderung wurde verzehnfacht. In der Hauptstadt Budapest wurde der Stadtpark groß angelegt erneuert, mit einem neu gebauten, weltberühmten und preisgekrönten „Haus der Ungarischen Musik“, dem fulminanten Ethnografiemuseum, dem größten Kinderspielplatz Europas und der Erneuerung des seit dem Zweiten Weltkrieg unzugänglichen Romanischen Saals im Museum der Schönen Künste. Der Burggartenbasar, der Lieblingsort von Sissi, wurde ebenso erneuert wie der Millenáris Kulturpark in Buda. In der gleichen Zeit wurde die Ungarische Staatsoper komplett renoviert und das Nationale Tanztheater sowie das Csiki Gergely Theater in Kaposvár kernsaniert.
Noch weitere Investitionen
In diesen 16 Jahren wurden allein 200 Kirchen und Gotteshäuser neu errichtet, 3.800 (!!) saniert, unter anderem auch in den Nachbarländern, alles aus ungarischen öffentlichen Geldern, wie etwa die Synagoge im serbischen Subotica (Maria-Theresiopel). Die Zahl der Kinderkrippenplätze wurde verdoppelt und die der Kindergartenplätze von kirchlichen Trägern um 8.000 gesteigert. Kindergarten und Kinderkrippe sind kostenfrei. 2.000 Schulen und Kindergärten wurden von Grund auf renoviert, 2.400 Spielplätze sowie 600 Polikliniken und Arztpraxen ebenfalls. 93 Spitäler wurden erneuert, 1.300 kleine Tante-Emma-Läden konnten mit öffentlicher Förderung in den Dörfern wiedereröffnet werden. Daneben wurden allein in Budapest drei neue universitäre Campus neu geschaffen wie auch die Nationale Universität für den Öffentlichen Dienst.
Darüber hinaus verdienen ebenso die Politik der Eigenheim- und Familienförderung, die Hilfe für Devisenkreditnehmer, die Wehrertüchtigung, die Unternehmens- und Ansiedlungsprämien Erwähnung wie die teils verdoppelten Gehälter von Lehrern, Ärzten, Polizisten und Soldaten. Wo ist also das ganze Geld? Senioren ab 65 und Kinder bis 12 benutzen den kompletten Nah- und Fernverkehr umsonst. Hier sind die Antworten – und die Liste ist mitnichten vollständig.
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