Soziale Kontrolle und politische Macht waren diskret. Es gab sie, aber sie hielten sich im Hintergrund. Seit in Hamburg die Sozialdemokraten gemeinsam mit den Grünen „herrschen“ und eine deutschlandweite Hetzkampagne gegen die AfD läuft, meide ich die Hamburger Öffentlichkeit so gut es geht. Denn die von mir geschätzte Coolness der Stadt hat sich in eine hochemotionale politische Überhitzung verwandelt.

Und wie in ganz Deutschland scheint auch hier eine ständige Suche nach den Feinden „unsere Demokratie“ im Gange zu sein. Wer ein TV-Gerät hat und es noch dazu regelmäßig benutzt, der ist selber schuld. Denn er wird hineingezogen in einen grauenvollen Meinungskrieg, der total ist, der nur Freund und Feind kennt. Für Indifferenz, Schattierungen, Facetten sind kein Platz mehr. Es geht immer um alles oder nichts. Das ist ganz typisch für den neuen NGO-Totalitarismus, der zwar noch in den Kinderschuhen steckt, aber unaufhaltsam heraufzudämmern scheint. Nationalsozialismus und fast ein halbes Jahrhundert DDR waren den deutschen Eliten offenbar nicht genug. Nachdrücklich scheinen sie das totalitäre Experiment noch ein drittes Mal wagen zu wollen.

Freundeskreise und Familien werden in Streit und Zwietracht gestürzt

Wo man früher die so typische Hamburger Toleranz erleben durfte, in der Nachtbarschaft, im Freundeskreis, in den Familien im Bekanntenkreis, in Vereinen und Interessensverbänden, herrschen heute Krieg, Spionage und Denunziation. Gemeinsame angenehme Essen im Freundeskreis gibt es nicht mehr. Nach und nach haben sich alle zurückgezogen. Warum? Die Gespräche sind verkrampft, unentspannt, gezwungen und einsilbig geworden. Sie haben Verpflichtungscharakter angenommen und während des Zusammenseins ist die Zeit träge dahin geflossen, als wäre sie Honig, der wie in Zeitlupe vom Löffel in die Teetasse hinabgleitet. Jeder hat jedes Wort auf die Goldwaage gelegt, es sorgsam überprüft, bevor er es aus dem Mund entlassen hat.

Warum? Die rot-grünen Gesinnungsfreunde in der Truppe fuchtelten beim kleinsten Verstoß gegen die Regeln der Political Correctness den Freunden des lockeren und ungezwungenen Gesprächs vor dem Gesicht mit dem Finger herum. Erinnerlich ist mir da zum Beispiel ein wilder Disput, der rund um das Wörtchen „normal“ ausgebrochen ist. Ein schwules Pärchen fühlte sich, nachdem jemand im Gespräch die Floskel „das ist doch nicht normal“ verwendet hatte, diskriminiert und tief verletzt.

Die Argumente flogen hin und her, gewannen an Schärfe, am Ende flossen gar die Tränen. Danach war nichts mehr so wie davor. Wie in den Freundeskreisen lief es auch in den Familien. In der Regel zerstritten sich die Eltern mit den Kindern. Wenn der Opa das N-Wort aussprach, fielen die Jungen empört über den Mann her, der nicht wusste, wie ihm geschah. Die Eltern baten die Kinder um Nachsicht. Danach eskalierte die Situation, das Wort „faschistisch“ fiel, der Disput wurde heftiger, am Ende knallten Türen. Die Familienzusammenkünfte wurden danach seltener, reduzierten sich auf die wichtigen Feiertage zu Ostern und zu Weihnachten.

Wie kam es zum radikalen Stimmungs- und Wertwandel?

Schuld am Ende von zwischenmenschlicher Toleranz und herrschaftsfreiem Diskurs in Familien und Freundeskreisen war der Aufstieg der AfD. Die alten Eliten in Medien, Politik, Kirchen und der Wirtschaft sahen mit einem Mal ihre Felle davonschwimmen und reagierten mit hysterischer Gegenwehr. Die neue Rechte wurde sofort als „neofaschistisch“ geframt.

Die Angst vor Abstieg und Machtverlust führte dazu, dass gleich mit dem groben Besteck gearbeitet wurde. Offenbar dachte man, den Spuk mit wuchtigen verbalen und bürokratischen Hammerschlägen den Garaus machen zu können. Diese Einschätzung erwies sich als falsch. Das Gegenteil war der Fall. Die überzogenen Politikerreden und dass einfältig-alarmistische Mediengekreische führten dazu, dass die Flammen des Widerstands aus den Mittel- und Unterschichten der Gesellschaft nur noch höher schlugen. Nun wurde der Staat instrumentalisiert und der Druck erhöht. Man schmiss junge Menschen aus der Bundeswehr, wenn sie irgendwann einmal einen AfD-Tweet auf X gelikt hatten und Schuldirektoren riefen die Polizei, wenn von einer Schülerin auf TikTok ein Pro-AfD-Filmchen eingestellt wurde und AfD-Mitgliedern verweigerte man Jobs im Staatsdienst.

Die Zeiten der politisch motivierten Berufsverbote, man glaubte sie überwunden zu haben, lebten wieder auf. Aber die AfD legte bei Wahlen trotzdem immer weiter zu. Zuletzt hat sie sich in Baden-Württemberg verdoppelt, bei den kommenden Wahlen in Rheinland-Pfalz wird das ebenso sein. Dass man in beiden Bundesländern der AfD eine Regierungsbeteiligung kategorisch verweigert, wird den Aufstieg der Partei nur weiter befördern, denn inzwischen sind die Eliten unter normalen Menschen so verhasst, dass selbst erzkatholische württembergischen Landwirte damit begonnen haben, ihr Kreuz bei der AfD zu machen. Die Arbeiter tun das schon längst bei jeder Wahl wie selbstverständlich.

Aggressive NGOs – die neue Wunderwaffe der schwankenden Eliten

Der Krieg gegen die AfD hat sich längst ins gesellschaftliche Vorfeld der Parteien verlagert und wird neben den Medien stellvertretend für die Parteien von sogenannten NGOs geführt. Sie werden entweder vom Staat finanziert oder das Geld wird über Spendenkampagnen in gut betuchten rot-grünen Milieus aufgebracht. Denn dort sitzen die neureichen Geldsäcke. Auch sie müssen ihren gesellschaftlichen Status gegen den von unten anstürmenden Pöbel verteidigen. Mit der Spende an Organisationen wie „Campact“ investiert man also in den eigenen Statuserhalt. Was ist „Campact“ eigentlich? „Grog“ beschreibt Campact als linkes/progressives Netzwerk, das erfolgreich Themen setzt, aber polarisiert.

Tatsächlich ist Campact ein „linksliberales“ Kampfinstrument, das wirtschaftspolitisch mitte-rechts, aber gesellschaftspolitisch extrem links ist, so wie es auch die grünen und roten Wähler sind. Sie wollen einen Staat, der wirtschaftspolitisch eher leger ist, aber gesellschaftspolitisch hart durchgreift. Das bedeutet, Campact will Investitionen in Umwelt- und Klimaschutz, denn in diesem Wirtschaftssegment sitzen die mit ihnen befreundeten Kapitalfraktionen. Die sollen gemästet werden. Dann will Campact den Flüchtlingszustrom befördern, denn davon profitieren ihre NGO-Freunde bei Caritas und Diakonie – Stichwort Flüchtlingsindustrie. Und Campact will die AfD vernichten, denn damit kann man sich an den hegemonialen politisch-medialen Block anbiedern.

Ein Praxisbeispiel der NGO-Taktik: Der Kampf gegen Müllermilch

Gegen den Molkerei-Konzern von Theo Müller führt die NGO Campact gerade einen Angriffskrieg, der an die Materialschlacht an der russisch-ukrainischen Front erinnert. Weil Müller mit der AfD-Vorsitzenden Alice Weidel befreundet ist und er, wie viele bürgerliche Menschen, für eine Zusammenarbeit zwischen AfD und CDU/CSU eintritt, trachtet man nach der Vernichtung seines Lebenswerkes. Um dieses Ziel zu erreichen, führt Campact eine Kampagne nach dem Muster „Kauft nicht bei Müllermilch“. Dazu wurden bisher zwei Millionen Sticker mit Aufdrucken wie „Jetzt mit AfD Geschmack“ an linke Aktivisten verteilt. Diese sollen sich in Supermärkte einschleichen und die Sticker an Müllermilch-Produkte kleben. Darüber hinaus werden 28.000 Anti-Müllermilch-Plakate bundesweit affichiert und Großprojektionen installiert.

Geplant sind demnächst Proteste vor Supermärkten, Boykottaufrufe und „Aufklärungskampagnen“ unter dem Motto „DEMOKATIE VERTEIDIGEN – AUCH IM SUPERMARKT“. Wer jetzt versucht ist, das alles als eine Aktion linksliberaler Clowns abzutun, der unterschätzt Campact gewaltig, denn die NGO hat im Jahr 2024 alleine aus Spenden von Privatpersonen 24,6 Millionen Euro eingenommen. Der gesamte sogenannte „Dritte Sektor“ besteht aus 657.000 „zivilgesellschaftlichen“ Organisationen. 27 % von ihnen sind so reich, dass sie sich bezahlte Mitarbeiter leisten können und das gesamte jährliche Finanzvolumen aller NGOs wird auf einen zweistelligen Milliardenbetrag geschätzt. Es steht dem politischen Mitte-Rechts-Segment also eine milliardenschwere Einheitsfront gegenüber, von Sozialdemokraten, Grünen und Kommunisten unterstützt und gefördert von den Staatsmedien. Sie säen Hass und Zwietracht, tragen ihre spaltenden Botschaften in Familien und Freundeskreise hinein.

Keiner hat sie gewählt, aber dennoch haben sie die Macht. Der Souverän, das Volk, ist ihnen ausgeliefert, während der NGO-Komplex immer stärker wird, weil ihm auch Gelder von internationalen Stiftungen zufließen, wie zum Beispiel der Ford-Stiftung. Ohne den Geldern aus riesigen amerikanischen Trusts hätte es die „Letzte Generation“ und ihre Straßenblockaden niemals gegeben und sinnlose Staus wären den fleißigen normalen Menschen erspart geblieben. Darum: Keine Spenden an NGOs und das rigoros.

Bernhard Heinzlmaier/Bernhard Heinzlmaier
zVg/Bernhard Heinzlmaier