Die Stadtregierung in Wien scheut keine Kosten und nahm eine Million Euro in die Hand, um die diesjährige Wiener Klima-Biennale auszurichten. Das Ziel: Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft zu vereinen, um neue Perspektiven auf die Klimakrise zu zeigen. Sie erinnern sich vielleicht:
Klima Biennale Eine Million Steuergeld Fuer Queere Oekologie Und Samen Ausstellung
Die verdorrte Palme und ein gestrandeter Wal lassen es sofort vermuten: Spaßig ist die Angelegenheit nicht. Es ist ernst – todernst. Neben neuen Perspektiven auf eine grüne Zukunft durch Kunst, „Queere Ökologie” und einer Samen-Ausstellung durfte ich an einer Paneldiskussion teilnehmen.
Wie es der Zufall so will
Der UNICEF-Jugendbeirat war auf der Suche nach geeigneten Teilnehmern für ein Panel zu der Frage: „Wie kann eine gesunde und sinnvolle Rolle für junge Menschen im Klimaschutz aussehen?” Über Umwege kam das Team auf mich, und ich sagte zu. Ich nahm also vor rund einem Monat auf dem Podium neben einem Referenten aus dem Klimaministerium, einer Umweltpsychologin, DER Klimaretterin schlechthin Luise Neubauer, einem Wirtschaftsstudenten und einer Aktivistin der Letzten Generation Platz.
Die ersten Minuten glichen einem Warm-up: Demokratie, freie Meinungsäußerung, das Recht auf Protest. Da nickte ich natürlich. Wer ist schon gegen freie Meinungsäußerung, Demokratie oder Protest? An jenem Tag einige – wie sich noch zeigen sollte.
Der Fremdkörper im Raum
Mein Platz am Podium war schnell definiert – weniger durch das, was ich sagte, als durch das, wer mein Arbeitgeber ist. Aus dem Publikum warf man mir vor, für ein „Desinformationsblatt, das Fake News verbreitet” zu arbeiten. Man habe ein gravierendes Problem mit den Inhalten des exxpress zu klimaspezifischen Themen. In diesem Setting wurde dadurch die Unterscheidung zwischen Wir und Du verstärkt. Die Ansichten des exxpress passen hier nicht her.
Als ich dann erklären wollte, warum es wichtig ist, dass wir – der exxpress – auch weniger populäre Ansichten veröffentlichen und zur Diskussion stellen, konnte sich ein Mann im Publikum nicht mehr halten: Es sei eine Schande, dass ein Stargast wie Luise Neubauer extra die weite Reise nach Wien angetreten habe, um hier mit jemandem wie mir zu diskutieren.
Eine Schande?
Als diese Worte durch den Raum hallten, beschäftigte mich folgende Frage: Wie konnten wir in den ersten Minuten der Diskussion über die Wichtigkeit der Demokratie und ihrer Werte sprechen, wenn bereits kurze Zeit später eine Stimme für bedeutungslos und eine Schande erklärt wird – und damit als legitime Teilnehmerin des Diskurses ausgeschlossen wird? Eine schandhafte Vorstellung von Demokratie.
Damit aber nicht genug. Wenig später ließ eine weitere Frau ihrem Frust freien Lauf. Ich war gerade dabei, „Weltklimarat”, „Studien” und „Uneinigkeit” auszusprechen, als sich eine Zuseherin nicht mehr halten konnte: „Das ist eine Lüge!”, schrie sie. „Sie sind eine Wissenschaftsleugnerin, die Wissenschaft ist sich einig. Das sind Fake News, die Sie hier verbreiten.” …Fake News, wirklich?
Wer zuletzt lacht, lacht am besten.
Denn was bedeutet es, wenn jenes Szenario, auf dessen Basis unzählige Klimamodelle, Studien und politische Entscheidungen der letzten Jahre berechnet wurden, schlicht als unrealistisch eingestuft wird? Wie wir diese Woche erfuhren, war RCP 8.5 nicht irgendein Klimaszenario – es war das meistzitierte Szenario im jüngsten UN-Klimareport, Grundlage für Regierungsberichte und Klimastrategien weltweit. Milliardäre wie Tom Steyer und Michael Bloomberg finanzierten Studien auf Basis dieses Szenarios, Medien griffen es dankbar auf, NGOs bauten ihre Kampagnen darauf auf.
Der Mechanismus ist so simpel wie folgenreich: Szenarien erhalten den Segen der Wissenschaft, werden in Studien angewandt, kommen von dort in die Schlagzeilen und werden schließlich zur Grundlage für politische Entscheidungen. Dabei gibt es sie durchaus – Wissenschaftlerinnen wie Dr. Judith Curry, die seit Jahren auf die enormen Unsicherheiten in der Klimaforschung hinweisen und auf die Grenzen von Modellen aufmerksam machen. Doch wer das ausspricht, landet schnell in der Ecke der Wissenschaftsleugner. Dabei wäre genau diese Debatte wichtig – sie ist die Voraussetzung für pragmatische und fundierte Entscheidungen.

Kommentare
Lädt Kommentare...