Seit letzten Donnerstag laden am Wiener Karlsplatz Liegestühle und Sonnenschirme auf etwa 70 Tonnen aufgeschütteten Sand zum Verweilen ein. Doch das Bild macht stutzig: Auf dem Teich vor der Karlskirche treibt ein riesiger toter Wal aus Plastik. Auf drei gelben Baukränen hängen verwelkte Palmenblätter. Auf dem Sand liegt ein vertrockneter Baumstumpf.

Palmen aus gelben Baukränen und Plastikblättern am Karlsplatz sind Teil der Ausstellung.
Palmen aus gelben Baukränen und Plastikblättern am Karlsplatz sind Teil der Ausstellung.

Die Klima Biennale hat damit die beliebte Installation von Margot Pilz aus dem Jahr 1982, „Kaorle am Karlsplatz“, aufgegriffen – und ihr einen dystopischen Twist verpasst. Der aufblasbare Wal steht wohl für Artensterben und das schwimmende Plastik im Meer. Die Kran-Palmen und der verdorrte Baum wahrscheinlich für Erderwärmung.

2024: 1,5 Millionen Steuergelder für Festival

Die Klima Biennale findet heuer zum zweiten Mal statt. Finanziert wird das Festival rund um Klima, Natur und Aktivismus, dass über viele Schauplätze in der Hauptstadt verstreut ist, zum Großteil von Steuergeldern. Die drei Ressorts Kunst, Klima und Finanzen steuern insgesamt eine Million Euro bei, wie der exxpress von einer Festivalsmitarbeiterin erfuhr. Das sind 500.000 Euro weniger als 2024. Damals stellte die Stadt Wien der Klima Biennale insgesamt 1,5 Millionen Euro zur Verfügung. Auch dauert das Festival nur einen Monat anstatt drei. Neben der Stadt Wien ist Hauptsponsor die UniCredit Bank Austria.

Gegenüber diesem Onlinemedium erklärt die Mitarbeiterin: „Die Drittmittel des Festivals 2026 belaufen sich auf rund 150.000 Euro; darüber hinaus gibt es natürlich Einnahmen durch den Verkauf des Festivalpasses – über deren Höhe wir derzeit noch keine Aussage treffen können“.

Zwischen Kunst, Ökologie und Aktivismus

Von neuntem April bis zum zehnten Mai finden in insgesamt 60 Institutionen, vor allem Museen, Projekte und Veranstaltungen statt.

Im Festivalzentrum, dem KunstHausWien, läuft etwa eine Samen-Ausstellung mit dem Titel „Seeds. Reclaiming Roots, Sowing Futures“ (deutsch: Samen. Wurzeln zurückgewinnen, Zukunft säen). 14 internationale Künstler „erzählen vom Verschwinden und Bewahren, von Verlust und Regeneration, vom Potenzial des Sorgens und des gemeinsamen Wachsens“, lautet die Beschreibung auf der Website. Die Ausstellung schlage „Brücken zwischen Kunst, Ökologie und Aktivismus und lädt zur Reflexion über mögliche Zukünfte ein“.

Die Installation mit dem Namen „Monokultur“ ist Teil der Samen-Ausstellung im KunstHausWien.
Die Installation mit dem Namen „Monokultur“ ist Teil der Samen-Ausstellung im KunstHausWien.

Queere Perspektiven in der Umweltforschung

In der „Garage“, dem Projektraum des KunstHausWien, quartiert sich für die Festivalzeit das „Institute of Queer Ecology“ (deutsch: Institut für queere Ökologie) aus den USA ein. In der Ausstellung mit dem Namen „I wish we had more time“ (deutsch: Ich wünschte, wir hätten mehr Zeit) geht es um persönliche, ökologische und gesellschaftliche Verluste. „Queere Ökologie“ will Natur aus starren Vorstellungen herausholen – genau wie auch Geschlechter. In dieser Denkweise ist alles mit allem verbunden: etwa der Mensch mit der Natur, der Baum mit den Tieren des Waldes. „Heteronormative Dualität“, also die Vorstellung, dass es nur zwei Geschlechter gibt und nur eine natürliche Beziehung zwischen ihnen, lehnt „queere Ökologie“ ab. Diese Denkweise wird auf die Umwelt übertragen: „Heteronormative Dualität“ soll auch in der Natur aufgebrochen werden, queere Perspektiven Einzug in die Umweltforschung erhalten, wie die Tageszeitung Die Presse berichtet.

Deutsche Klimaaktivistin Luisa Neubauer eingeladen

Unter „Zukunftshorizonte“, dem Bildungsprogramm des Festivals, im Funkhaus Wien der „Klimagipfel“ statt. Bei der Diskussionsrunde für Jugendliche wird auch die medienwirksame deutsche Klimaaktivistin Luisa Neubauer dabei sein. Sie organisierte „Fridays for Future“-Schulstreiks nach dem Vorbild der Schwedin Greta Thunberg in Deutschland.

Grünen-Mitglied Luisa Neubauer (l.) mit der ehemaligen Grünen-Chefin Ricarda Land auf einer Demonstration Gegen sexualisierte digitale Gewalt.
Grünen-Mitglied Luisa Neubauer (l.) mit der ehemaligen Grünen-Chefin Ricarda Land auf einer Demonstration Gegen sexualisierte digitale Gewalt.

Aktivistencamp im Volkskundemuseum 2024 Teil des Festivals

Bei der ersten Klima Biennale 2024 gab es im Volkskundemuseum in Wien-Josefstadt ein Aktivistencamp. Rund 20 klimaaktivistische Gruppierungen wie „Fridays for Future“, „Letzte Generation“, „Global 2000“ oder „Attac“ campierten mehrere Wochen im Museum und stellten Programme auf die Beine. Das Aktivistencamp findet 2026 nicht statt.

Veronica Kaup-Hasler (SPÖ), deren Kultur-Ressort die Klima Biennale mit Steuergeldern unterstützt, sagt in einer Pressemitteilung: „Zeiten wachsender Unsicherheiten fordern uns, unpopuläre Fragen und Herausforderungen – allen voran die Klimakrise – nachvollziehbar und jenseits klassischer Wissenschaftsformate erfahrbar zu machen. Der Kunst kommt dabei eine zentrale Aufgabe zu: Sie schärft den Blick für die Gegenwart und entwirft Perspektiven für ein nachhaltiges Morgen für alle“, sagt Veronica Kaup-Hasler (SPÖ), Stadträtin für Kultur und Wissenschaft, in einer Pressemitteilung.