Man muss kein besonders talentierter Prophet sein um vorherzusagen, was geschehen wird, wenn beim kommenden „European Song Contest (ESC) 2026“ Mitte Mai in der Wiener Stadthalle Israels Teilnehmer auf die Bühne kommt: im Publikum werden Pali-Fahnen geschwungen werden, als „Israelkritik“ nur notdürftig getarnter Antisemitismus wird sich rund um den Wettbewerb Luft machen, Krawalle und Ausschreitungen sind jedenfalls nicht auszuschließen. Dergleichen ist ja mittlerweile bei allen möglichen. Kulturevents an der Tagesordnung. Und wird vom Publikum mittlerweile mehr oder weniger gelassen hingenommen, so nach dem Motto „die wollen ja eh nur spielen“. (Leider viel zu selten reagiert das Publikum so wie jenes im Wiener Musikverein, wo der israelische Dirigent Lahav Shani im September von „Free Palestine“-Gekreische gestört wurde, was dem Störenfried ein vielstimmiges, herzhaftes „Geh scheißen“ aus dem Parkett einbrachte. So macht man das).

Eine Bühne für den Pöbel

Der ORF hat offenbar kein Problem, diesem antisemitischen Pöbel gegebenenfalls eine Bühne mit 150 bis 200 Millionen Zuschauern zu bieten, die im Schnitt den ESC weltweit verfolgen. „Unsere Aufgabe ist es, die Dinge so zu zeigen, wie sie sind,“ erklärt der Zwangsgebühren-Sender.
Das klingt zwar nach hehren journalistischen Grundsätzen, ist aber ein wirkliches Problem.

Denn letztlich macht sich der ORF damit jedenfalls indirekt zum nützlichen Idioten einer globalen Intifada, die sich zum Ziel gesetzt hat, Antisemitismus und Judenhass zum Teil eines neuen gesellschaftlichen Normal zu machen; leider durchaus mit Erfolg.

„Slogans wie „Globalisiert die Intifada“, „Widerstand mit allen Mitteln“ oder „Vom Fluss bis zum Meer“ sind keine abstrakten politischen Aussagen. Sie sind Anweisungen. (Das Massaker von) Bondi Beach ist das Ergebnis dieser Slogans“, schrieb jüngst David Roet, Israels Botschafter in Österreich, in der „Presse“, „Diese Gewalt entstand nicht aus dem Nichts. Überall auf der Welt wird Antisemitismus durch neue Sprache und falsche moralische Behauptungen schönfärberisch dargestellt. Der Hass auf Juden wird als Gerechtigkeit umgedeutet. Aufrufe zur Gewalt werden als Widerstand umgedeutet. Das Ergebnis ist immer dasselbe: Tote.“

Von wegen Objektivität

Genauso ist es. Und deswegen ist es mehr als problematisch, wenn sich der ORF auf die Position „Unsere Aufgabe ist es, die Dinge so zu zeigen, wie sie sind“ zurückzieht. Was wie Objektivität aussieht, läuft da nämlich schnell Gefahr, zumindest fahrlässig dazu beizutragen, dass das unsägliche wieder ein Stück mehr säglich wird.

Ich glaube allerdings nicht, dass es richtig wäre, allfällige Störungen des ESC durch Antisemiten auszublenden oder mittels technischer Tricks zum Verschwinden zu bringen. Viel vernünftiger wäre es, die drohende Kaperung der Veranstaltung dadurch zu verhindern das der Song Contest schlicht und ergreifend ersatzlos gestrichen wird. „Der ESC ist tot. Er starb erst an Verflachung, dann an musikalischer Einfallslosigkeit und schließlich an dem widerlichsten Bullshit überhaupt: Antisemitismus. Zeit, den Unfug zu beenden. Er hat sich ohnehin überholt,“ argumentiert der deutsche Publizist Alexander Grau, „Die Veranstaltung, musikalische ohnehin drittklassig, hat sich überholt. Sie ist zur puren Klamauk-Show verkommen, deren ästhetische Leere – wie so häufig – mit Ideologie und grellem Moralismus aufgefüllt wurde.“

70 Jahre, und kein bisschen weise

Und das übrigens nicht erst seit heute. Was vor 70 Jahren als „Grand Prix Eurovision de la Chanson“ – damals noch im schwarzweiß -TV – durchaus charmant und qualitativ hochwertig begann, verkam im Laufe der Zeit immer mehr zu einer Propagandashow der woken Leitkultur, politisch superkorrekt und dementsprechend sterbenslangweilig. Im gleichen Ausmaß, indem die musikalische Qualität sank, stieg die moralische Besoffenheit des ganzen Events.

Insofern ist es durchaus logisch, dass nun der scheinbar unpolitische Event in die globale Intifada eingebunden werden soll, das ist ja in anderen Segmenten des Kulturbetriebes auch an der Tagesordnung. Die sogenannte Israelkritik ist in diesen Milieus mittlerweile zu einer Art modischem Accessoire geworden.

Keine Kohle für Antisemiten

Gerade deswegen wäre ein Ende des Song Contest ein durchaus wünschenswerte Signal in den Kulturbetrieb hinein. Denn dem dort verbreiteten Antisemitismus wird man nicht Herr werden durch gutes Zureden und mahnende Worte des Zuschnitts „Nie wieder“ – sondern nur durch ein Zudrehen des Geldhahnes und des Entzuges der Öffentlichkeit.

Den ESC abzuwickeln wäre ein hervorragender erster Schritt in die richtige Richtung – und ein kräftiges Zeichen an die Adresse all jener, die meinen ein Anrecht auf ihren Antisemitismus zu haben.