Andreas Babler produzierte in der ersten Woche des Jahres bereits viele Schlagzeilen. Manche waren gewollt, auf andere würde er wohl gern verzichten – aber der Reihe nach.

Mit US Präsident Donald Trump hat der SPÖ Chef einen neuen Reibebaum gefunden. Wenn er schon sein internationales Profil schärfen will, dann „Think big“, dachte er sich wohl zwischen Weihnachtsbraten und Silvesterraketen. Wegen Trumps jüngster Einverleibungsinitiativen und seiner Grönland Pläne lässt Babler jetzt seine Muskeln spielen. Da der Traiskirchner nicht nur hierzulande SPÖ Chef, sondern auch auf europäischer Ebene Vizechef der Sozialdemokraten ist, bringt er sich in Stellung und will nun mit Strafzöllen und Sanktionen Trump die Stirn bieten und den USA in ihren Eroberungsplänen Einhalt gebieten. Bisher ist noch nicht bekannt, wie viel Ehrfurcht Bablers Vorstoß in Washington ausgelöst hat und wie sehr die Trump Administration verängstigt ist. Internationale Schlagzeilen sind ihm jedenfalls lieber als das innenpolitische Geplänkel über eine Ablöse als SPÖ Chef.

Denn die Gerüchte über einen möglichen Wechsel an der Spitze der SPÖ gewannen gleich nach Neujahr wieder an Fahrt, als eine Umfrage Babler aus der Feiertagsruhe riss. Mit Christian Kern an der Spitze würde die SPÖ im Stand gleich mal sechs Prozentpunkte besser abschneiden. Das reichte, um die SPÖ in helle Aufregung zu versetzen. Alle Versuche, diesen immer wieder kehrenden Geist in die Flasche zu bekommen, sind bisher gescheitert. Das Thema pickt.

Einzig Wiens Bürgermeister und mächtiger SPÖ Mann Michael Ludwig macht bei den Ablösedebatten nicht mit und steht weiterhin hinter Babler. Es ist zwar Michael Ludwig, aber eben nur Michael Ludwig. Und so hängt Bablers politische Zukunft am seidenen Faden des Wiener Bürgermeisters. Er zeigt sich von all den Entwicklungen unbeeindruckt und versucht damit, Ruhe in die SPÖ zu bringen. Ob das wirklich gelingt, werden die kommenden Wochen zeigen. Letztlich liegt es in der Hand aller Verantwortlichen, ob sie der Partei eine weitere Zerreißprobe, Personaldebatte und Kampfabstimmung zumuten wollen, oder die Ernsthaftigkeit der Lage erkennen. Es könnte aber auch Christian Kern für Klarheit sorgen und endlich alle Spekulationen beenden. Auch das wäre ein Zeichen von Stärke. Ein einfaches „Ja, ich will“ oder „Nein, ich verzichte“ würde reichen. So jedoch trägt er selbst zur Schwächung der SPÖ bei.

Andreas Babler ist jedenfalls nicht zu beneiden, aber auch nicht zu bemitleiden. Er hat genau gewusst, worauf er sich einlässt, nachdem er in einer Kampfabstimmung samt Excel Fehler den Parteivorsitz der SPÖ für sich knapp erkämpft hatte. Dass ihm bis heute ein großes Lager an Gegnern und Kritikern innerhalb der SPÖ gegenübersteht, ist zum einen sein eigenes Verschulden, zum anderen das Unvermögen der SPÖ, endlich die Reihen zu schließen. Diese Partei hat seit der Wahlniederlage Christian Kerns 2017 nichts dazugelernt und zerfleischt sich weiter in internen Graben- und Machtkämpfen.

So stolpert die SPÖ auch zu Jahresbeginn vor sich hin und bleibt aufgrund ihrer inneren Zerissenheit in der Regierung ein Unsicherheitsfaktor. Die politischen Mitbewerber werden sich freuen. Für das Land, das endlich Antworten auf drängende Probleme braucht, heißt es weiter warten.