Eva Schütz: Kern konnte es nie und kann es nie!
Jetzt also doch nicht. Der Parteivorstand der SPÖ sollte zur Ouvertüre der großen Comeback Geschichte von Ex-Kanzler Christian Kern an der Spitze der SPÖ werden. Andreas Bablers Tage als SPÖ-Chef schienen schon gezählt. Doch dann kam es anders und alles bleibt, wie es ist. Das ist wenig überraschend, denn Christian Kern ist seiner Linie treu geblieben: Er ist mutlos und kraftlos – heute wie damals. Und er ist erneut über seine eigene Hybris gestolpert.
Der Schaden ist wieder einmal angerichtet. Die SPÖ steht nach monatelangen Parteidebatten als ein zerstrittener, orientierungsloser und führungsschwacher Haufen da. Diesmal trifft die Schuld nicht Andreas Babler. Was man ihm vorwerfen kann, ist allgemein bekannt: Er führt die SPÖ weiter in die Bedeutungslosigkeit.
Diesmal hat sein Vor-Vorgänger für den Schaden gesorgt – und der ist größer, als man denkt. Über mehrere Monate hinweg ließ Christian Kern sein Comeback-Feuer in den öffentlichen Debatten lodern. Monatelang wurde spekuliert, ob er zurückkommt und den Mut aufbringt, am SPÖ-Parteitag im März den aktuellen Parteichef herauszufordern. Monatelang ließ er Gefolgsleute aus den Bundesländern ausrücken, um Bablers Performance öffentlich zu kritisieren und den Weg für sich selbst aufzubereiten. Monatelang führte Christian Kern einflussreiche Medien und Journalisten am Schmäh, um dann, zwei Tage vor dem entscheidenden Parteivorstand, die Reißleine zu ziehen.
Christian Kern hat wieder das getan, was wir von ihm aus der Vergangenheit kennen: hinter der Managerfassade steckt ein mutloser und durchsetzungsschwacher Mensch. Sein Verhalten dieser Tage erinnert an die Prinzessin mit dem Glaskinn – eine Charakterisierung, die ihm im verlorengegangenen Wahlkampf 2017 zugeschrieben wurde. Auch dieses Mal hat sich diese Prinzessin von ihrer „besten“ Seite gezeigt und tatsächlich erwartet, dass ihr der rote Teppich ausgerollt wird und sie wie in Zeiten der Römer oder Ägypter in der Sänfte in den SPÖ-Parteivorstand hineingetragen wird, wo dann das rote Funktionärsvolk (inklusive Michael Ludwig) bittet, ja darum fleht, die SPÖ zu übernehmen. Dieser Traum und das Ziel, das Kanzleramt wieder zu erobern, sind jedoch an seiner eigenen Hybris wie eine Seifenblase geplatzt.
Und was macht Kern? Er tut, was wir von ihm kennen – er holt zum Rundumschlag aus und wirft der Partei „Indiskretionen“ vor. Er, der monatelang gegen Babler gefuhrwerkt hat, stellt sich nun als armes Opfer dar. Kern war immer schon das Opfer: 2017 war Sebastian Kurz an seiner Abwahl und seinem Rauswurf aus dem Kanzleramt schuld. Bei seinem Rücktritt als SPÖ-Chef war es die türkis blaue Regierung, und nun sind es die Genossen selbst, denen Kern den schwarzen Peter für sein eigenes Versagen zuschiebt. Von Selbstreflexion keine Spur.
Christian Kern hat es erneut vergeigt und hängt damit selbstverschuldet seiner politischen Biografie als gescheitertem, kraft und mutlosen SPÖ-Chef ein weiteres Kapitel an. Manche Genossen werden sich über Kern ärgern, andere werden ihm nachtrauern. In der breiten Öffentlichkeit bleibt jedoch hängen, dass sich die SPÖ weiter mit sich selbst statt mit dem Land beschäftigt. Und Christian Kern hat sich bei vielen Menschen erneut als Zauderer und Zögerer in Erinnerung gerufen. Heimlich freuen kann sich nur einer: der bisherige und auch zukünftige SPÖ-Chef Andreas Babler. Er ist als SPÖ-Chef für Jahre einzementiert.
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