Das Gegenteil ist der Fall: Durch Verbote und planwirtschaftliche Technologievorgaben werden Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und soziale Verträglichkeit aufs Spiel gesetzt – und das Ziel rückt in immer weitere Ferne.

Technologie statt Ideologie

Elektromobilität ist ein zentraler Baustein der Zukunft. Mobilität wird langfristig ohne fossile Kraftstoffe nicht auskommen. Aber der Weg dorthin darf nicht über ideologische Einbahnstraßen führen. Die Politik schreibt derzeit Technologien fest, anstatt Ziele vorzugeben. Das Ergebnis ist ein regulatorischer Tunnelblick, der weder der Wirtschaft noch dem Klima nützt.

Das sogenannte Verbrennerverbot versteckt sich hinter einer fragwürdigen Zählweise: Nur Elektro- und Wasserstoff-Brennstoffzellenfahrzeuge gelten als „Null-Emission“ – unabhängig davon, ob Strom oder Wasserstoff aus erneuerbaren Quellen stammt. Fahrzeuge, die mit klimaneutralen Kraftstoffen betrieben werden, gelten pauschal als „100 Prozent fossil“, selbst wenn sie nachweislich CO₂-neutral fahren. Realität wird so per Gesetz verdreht.

Tailpipe verkennt Realität

Die EU bewertet ausschließlich die Emissionen am Auspuff. Damit werden Technologien, die nicht rein elektrisch sind, systematisch benachteiligt. Der sogenannte Tailpipe-Ansatz ist kein Fortschritt, sondern ein Innovationskiller. Er verhindert Investitionen in erneuerbare Kraftstoffe, bremst die Forschung an E-Fuels und erschwert den Aufbau globaler Märkte für klimaneutrale Energie.

Die oft vorgebrachte Argumentation, erneuerbare Kraftstoffe seien zu knapp, um sie im Straßenverkehr einzusetzen, ist wissenschaftlich nicht haltbar. Niemand kann heute seriös vorhersagen, wie viel grüne Energie in 20 Jahren global verfügbar sein wird. Was wir jedoch wissen: Ohne Speicher- und Transportlösungen werden Sonne und Wind niemals planbar verfügbar sein.

Erneuerbare Kraftstoffe als Energiespeicher

Erneuerbare Kraftstoffe sind nicht nur ein Treibstoff, sie sind ein Energiespeicher. Sie machen Energie aus sonnen- und windreichen Regionen speicherbar, transportierbar und weltweit nutzbar. Diese Speicherfunktion stabilisiert Netze, überbrückt Flauten und senkt Abhängigkeiten – genau das, was für eine resiliente, klimawirksame Energiezukunft nötig ist.

Doch anstatt diese Stärken zu nutzen, setzt Brüssel auf einseitige Technologie-Festschreibungen. Das Ergebnis: Europäische Pionierunternehmen wandern ab.

Cryoshelter und die EU-Blockade

Ein Beispiel dafür ist das österreichische Start-up Cryoshelter. Aufbauend auf heimischer Ingenieurskunst hat das Unternehmen eine Spitzentechnologie zur Kryospeicherung von Methan für Lkw entwickelt – gefördert mit EU-Mitteln und getragen von Innovationsgeist. Methan, ob biogen oder synthetisch erzeugt, bietet einen realistischen und sofort skalierbaren Weg zur Klimaneutralität im Schwerverkehr.

Doch die EU verweigert die Anerkennung dieser Lösung – aus purer Regeldogmatik. 2024 wurden die CO₂-Ziele weiter verschärft, ohne die Methodik zu ändern. Die Folge: keine Aufträge, Massenkündigungen, Produktionsverlagerung nach Indien. Ein europäisches Hightech-Unternehmen wird durch europäische Politik aus dem Markt gedrängt. Wenn Europa so mit Innovation umgeht, ist das kein Klimaschutz – das ist Standortvernichtung.

Von der Utopie zur Realität

Die Kommission in Brüssel entwirft eine Utopie: Sie glaubt, durch Regulierung die technologische Zukunft festlegen zu können. Doch kein Modell und keine Studie kann den Energiemarkt eines Jahrhunderts vorhersehen. Geschichte lehrt: Gesellschaftliche Utopien, die auf Plan statt auf Wettbewerb setzen, enden stets im Scheitern.

Was wir brauchen, ist kein „Verbrenner-Aus“, sondern ein Lebenszyklus-Modell. Nur eine ganzheitliche Bewertung – von der Energiequelle über Produktion und Nutzung bis hin zum Recycling – bildet die Realität ab. Nur sie fördert die beste Lösung, nicht die politisch gewünschte.

Vielfalt statt Verbote

Die Mobilitätswende gelingt nicht durch Verbote, sondern durch Vielfalt: durch Wettbewerb der Ideen, der Technologien und der Energieformen. Regeln sollten das Ziel definieren – weniger CO₂ über den gesamten Lebenszyklus – und die Wege offenlassen.

Europa darf nicht länger die Zukunft vorschreiben, sondern muss sie ermöglichen. Technologieoffenheit ist kein Bremsklotz, sie ist der Motor der Wende. Wer Klimaschutz ernst meint, muss den Tailpipe-Ansatz beenden – und endlich den gesamten Lebenszyklus bewerten.
Weg mit dem Verbrenner-Aus und her mit dem Lebenszyklusmodell.

Über den Autor:
Hans Harrer ist Vorstandsvorsitzender des Senats der Wirtschaft.

Der Senat der Wirtschaft ist Österreichs führende unabhängige Wirtschaftsorganisation.
Als starke Unternehmergemeinschaft setzt er entscheidende Impulse zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts und treibt praxisorientierte Lösungen für eine ökosoziale Marktwirtschaft voran.
Mehr Infos unter: www.senat.at