Die meisten Menschen, die über „gesunde Ernährung“ und „Du bist, was du isst“ sprechen, haben meine Aufmerksamkeit bereits verloren, bevor sie begonnen haben, Näheres zu erläutern. Sie wissen alles, essen kaum etwas und probieren ihre neu erfahrene Ideologie allem und jedem überzustülpen, weil sie ihrer Überzeugung nach dadurch nebenbei auch noch die Welt retten. Es gibt nämlich immer diese eine Form der Ernährung, die angeblich für alle gut wäre.

Erinnern Sie sich zurück an die Veganer. Sie fluteten den Markt mit Alternativprodukten wie Soja-Schnitzel oder der Erbsen-Burger – heute aus keinem gut sortierten Supermarkt mehr wegzudenken – und bescherten sich einen Mangel an Eisen und Vitamin B12. Einige der Konsumenten räumten nach Jahren ein, wieder ein wenig Fleisch zu essen, aus gesundheitlichen Gründen. Da muss ihnen die Umwelt dann wohl egal geworden sein. Die bösen Kühe sind ja immerhin mitverantwortlich für den Klimawandel, weil sie rülpsen und Methan ausstoßen. Da hat sich der liebe Gott wohl nichts dabei gedacht.

Ein junger Comedian aus Österreich (@drbohl) ließ mich unlängst schmunzeln. Er stellte eine Situation im Kaffeehaus nach, welche in den sozialen Netzwerken viral ging und genau in diese Kerbe schlägt:

Comedian: „Grüß Gott, eine Melange bitte.“
Barista: „Gerne, mit was für einer Milch?“
Comedian: „Mit normaler Milch, bitte.“
Barista: „Was ist für Sie normale Milch?“
Comedian: „Kuhmilch!“

Oder schauen Sie auch gerne selbst:

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Ist unsere Welt nicht ein lustiger Ort? Ich weiß noch, als der Trend losging und man begann, alternative Milchprodukte zu bewerben. Als meine Mutter meinem zehn bis zwölfjährigen Ich mit viel Liebe und aus der Überzeugung heraus, mich gesund und bewusst ernähren zu wollen, ihre Sojamilch aus dem Reformhaus als Alternative zu Kuhmilch auftischte, kam es regelmäßig zu Diskussionen. Ich verabscheute das Zeug. Manchmal kann ich es kaum glauben, dass ich heute neben Schafs- und Kuhmilch auch Sojamilch trinke, natürlich ohne Zusatzstoffe und ohne Zuckerzusatz. Die Ironie des Schicksals, nicht?

Keine Angst, ich bin weder vegetarisch, vegan, pescetarisch, flexitarisch noch ketogen oder weiß der Kuckuck was. Ich weiß nur einfach, was mir, ganz persöhnlich und individuell guttut und was nicht. Leider. Es ist nämlich mühsam, wissend zu sein. Mühsam, weil man dadurch zwangsläufig begreifen muss, dass der Supermarkt die Ausgabe- und Futterstelle der Lebensmittelindustrie ist. Ein Ort, an dem ein fertiges Marketingprodukt erworben wird. Das Sortiment kann variieren, da es mittlerweile stark von Trends abhängig ist. Je nachdem, welcher TikTok-Food-Trend gerade viral geht. Aber es ist nicht nur von Trends abhängig.

"EU reguliert jetzt Honig: Neue Regeln kommen!", erschienen am 5.6.2026 auf exxpress.at

Ein EU-Hammer. Wobei, eigentlich sind es zwei.

Zum einen ist da die altbekannte Kritik der Überregulierung. Warum beschäftigt sich die EU ausgerechnet mit Herkunftsbezeichnungen bei Honig? Zum anderen ist es fast schon ein Meilenstein in der Welt der Honigliebhaber und Konsumentenschützer.

Warum aber beschäftigt sich nun die EU damit? Verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin ein Freund und Befürworter strenger, klarer und ehrlicher Kennzeichnungspflichten bei Lebensmitteln, vor allem bei stark verarbeiteten Lebensmitteln. Jedoch frage ich mich: Warum erst jetzt? Warum wissen wir nicht längst, woher der gekaufte Honig kommt und was in ihm enthalten ist? Die Frage allein fühlt sich schon dämlich an. Denn wie kann es sein, dass in einem Honig andere Inhaltsstoffe als Honig drinnen sind? Dafür brauchen wir echt die EU?

Hier können Sie die Regeln für Qualität und Kennzeichnung lesen.
Hier können Sie die Regeln für Qualität und Kennzeichnung lesen.

Gepanschte Produkte

Die Dringlichkeit ist unbestritten. Spricht man mit Imkern oder fachkundigem Personal in diversen Reformhäusern, wird man feststellen, dass ein „Supermarkt-Honig“ oft wenig mit einem Honig-Honig zu tun hat. Im Supermarkt trifft man vermehrt auf gestrecktes Zeug aus Zuckersirup aus Reis, Zuckerrohr oder Mais. „Der Honig wurde teilweise massiv gestreckt. Teilweise waren nur mehr zehn Prozent echter Honig enthalten“, erklärt Johann Pirker von der Villacher Firma Honigmond Gourmet im Gespräch mit MeinBezirk.at.

Das eigentlich Absurde daran ist: Die Herkunftskennzeichnung allein löst das Problem noch lange nicht. Ab 14. Juni 2026 soll bei Honigmischungen zwar genauer angegeben werden, aus welchen Ländern der Honig stammt und welchen Anteil diese Länder jeweils am Produkt haben. Das klingt nach Transparenz, ist aber erst einmal nur die Oberfläche des Problems.

Die EU hat deshalb zusätzlich eine sogenannte Honey Platform eingerichtet, also eine Expertengruppe, die sich mit Echtheit, Rückverfolgbarkeit und besseren Analyseverfahren beschäftigen soll. Ziel ist es, Methoden zu harmonisieren, mit denen Honigverfälschungen besser erkannt werden können. Die EU selbst kam bei einer Untersuchung importierter Honigsendungen (2023) zu dem Ergebnis, dass 46 Prozent der geprüften Proben verdächtig waren, mit zugesetztem Zucker verfälscht zu sein.

Die EU hat zusätzlich eine sogenannte Honey Platform eingerichtet. Das ist eine Expertengruppe, die sich damit beschäftigt, wie Honigfälschungen besser erkannt und Lieferketten besser zurückverfolgt werden können.
Die EU hat zusätzlich eine sogenannte Honey Platform eingerichtet. Das ist eine Expertengruppe, die sich damit beschäftigt, wie Honigfälschungen besser erkannt und Lieferketten besser zurückverfolgt werden können.

Wenn Honig nicht mehr Honig ist

Honig ist dabei nur ein Beispiele einer niemals enden wollenden Liste an vermeintlich gesunden Produkten, die gar nicht so gesund sind, wenn man sie unbedacht anhand des Etiketts bewertet und im Supermarkt um die Ecke mitnimmt. Genau hier beginnt doch das eigentliche Problem. Wir reden ständig von bewusster Ernährung, Eigenverantwortung und Konsumentenschutz. Gleichzeitig muss man aber offenbar bei einem Glas Honig schon misstrauisch werden, ob darin überhaupt Honig ist.

Ist unsere Welt nicht wunderbar? Bei Milch muss man inzwischen dazusagen, dass man Kuhmilch meint. Bei Honig muss man offenbar hoffen, dass er nicht hauptsächlich aus Zuckersirup besteht. Und bei vielen anderen Produkten muss man die Zutatenliste lesen wie einen Beipackzettel – nicht ohne Grund gibt es bereist App die für Sie die Zuatenliste in eine verständliche Sprache übersetzten.

Zucker überall

Damit sind wir beim nächsten Punkt: Zucker. Nicht, weil ich Ihnen jetzt erklären möchte, dass zu viel Zucker schlecht ist. Das haben sie sicherlich bereits von ihrem Zahn-, Hausarzt oder Internisten gehört.

Das Problem ist ein anderes: Zucker ist nicht immer dort, wo man ihn erwartet. Oder besser gesagt: Er ist sehr oft dort, wo man ihn nicht erwartet. Und wenn er dort ist, heißt er nicht immer Zucker. Dann heißt er Glukosesirup, Dextrose, Maltodextrin, Fruktose, Saccharose, Invertzuckersirup, Maissirup oder sonst irgendwie.

Daher frage ich mich einmal mehr: Warum werden Lebensmittel nicht generell so genau wie möglich und in einfacher Sprache gekennzeichnet? Sie können sich ja gar nicht vorstellen, in welchen Lebensmitteln Zucker steckt. Von Matcha-Pulver über Bio-Speck bis hin zur Zahnpasta: Überall ist Zucker drinnen. Kein Witz. Wenn man sich lang genug damit beschäftigt staunt man in welche Produkte sich dieser Zusatz einschleicht.

Zucker macht süchtig, beschleunigt den Alterungsprozess und lässt einen dick werden. Zumindest dann, wenn man zu viel davon konsumiert und vor allem, wenn es sich um raffinierten Zucker handelt. Und natürlich kann jetzt jeder sagen: Dann iss halt weniger Zucker. Sehr guter Vorschlag. Nur müsste man dafür im ersten Schritt einmal auf den ersten Blick erkennen können, wo überall Zucker zugesetzt wurde. Das wäre gesundheitsfördernd, könnte einige Zivilisationskrankheiten vorbeugen, Geld sparen und Investitionen in anderen Bereichen ermöglichen. Vor allem aber wäre es ehrlich. Denn wenn ein Mensch eigenverantwortlich entscheiden soll, was er isst, dann muss er auch verstehen können, was er kauft.

Oder liegt genau dort das Problem?

Vielleicht ist die Ursache des eigetlichen Problems nicht, dass die EU-Honig reguliert. Vielleicht ist das eigentliche Problem, dass es überhaupt notwendig geworden ist. Und vielleicht, nur vielleicht, hat die Tatsache, dass Lebensmittel oft unklar gekennzeichnet sind, auch etwas damit zu tun, dass mit industriellm Zucker sehr viel Geld verdient wird. Und mit den Folgen schlechter Ernährung übrigens auch. Aber das ist natürlich nur so ein Gedanke. Ein völlig absurder wahrscheinlich. Fast so absurd wie Honig, der nur zu zehn Prozent aus Honig besteht.