Versuchen wir es einmal mit einem Gedankenexperiment: Wie schön wäre es wohl, in einer Gesellschaft zu leben, in der jene, die fleißig sind, ihren Beitrag leisten und bereit sind, mehr als das Nötigste zu tun, dafür auch tatsächlich belohnt werden? Wir werden es jedenfalls nicht so schnell erfahren. Die Realität in Österreich sieht nämlich völlig anders aus. Genau darin verbirgt sich allerdings ein großer Widerspruch. Denn unser Staat lebt von Leistung und von jenen, die mit ihren Steuerleistungen unser System aufrechterhalten. Gleichzeitig wird genau diese Gruppe durch steigende Gebühren und Abgaben immer wieder zur Kasse gebeten, um unter anderem ein Sozialsystem zu finanzieren, das immer ungerechter wird. Die obersten 20 % in unserem Land stellen in weiten Teilen ausschließlich Nettozahler dar, die wesentlich mehr in das System einzahlen, als sie daraus zurückbekommen.

Die eigene Leistungsbereitschaft zählt nicht

Was anfangs zum Ziel hatte, die Schere zwischen Arm und Reich auszugleichen und eine gerechte sowie solidarische Umverteilung sicherzustellen, verkommt immer mehr zur sozialen Hängematte für einige wenige, die womöglich noch keinen einzigen Tag in unser System eingezahlt haben. Gleichzeitig wird in regelmäßigen Abständen die Mär von der Chancengleichheit propagiert, doch reale Möglichkeiten für sozialen Aufstieg gibt es kaum noch. Junge Menschen wissen schon heute, dass ein durchschnittliches 40-Stunden-Nettogehalt nicht mehr ausreicht, um sich Wohlstand zu schaffen. Ein Eigenheim finanzieren, Kinder bekommen und großziehen – all das sind mittlerweile echte Luxusgüter, die man sich erst einmal leisten können muss. Die eigene Leistungsbereitschaft spielt dabei nur noch eine untergeordnete Rolle. Selbst jene, die viel leisten, stoßen in diesem System irgendwann an ihre Grenzen.

Unternehmertum wird diskreditiert

Zusätzlich bekommen jene, die Arbeitsplätze schaffen und zu großen Teilen für unseren bisherigen Wohlstand verantwortlich sind – nämlich Unternehmer –, von einigen politischen Seiten regelmäßig zu hören, ihr Tun sei in irgendeiner Weise unmoralisch und müsse deshalb noch stärker belastet werden. Die jahrzehntelange linke Stimmungsmache gegen Wirtschaft und Unternehmertum ist zu großen Teilen mitverantwortlich für die angespannte wirtschaftliche Situation in unserem Land. Paradoxerweise müssen sich gerade diejenigen, die Arbeitsplätze schaffen, ständig rechtfertigen – während all jene, die auf Kosten anderer leben, davon weitgehend verschont bleiben. Das hat mit einem gerechten gesellschaftlichen Ausgleich absolut nichts zu tun.

Leistung wird zunehmend politisch unkorrekt

Diese ablehnende Haltung schlägt sich mittlerweile auch auf unser gesellschaftliches Verständnis von Arbeit und Leistung nieder. Wer heute arbeiten geht, ist nicht mehr nur der Dumme, sondern gilt beinahe als bemitleidenswerter Sonderfall. In einem System, das so stark auf staatliche Transferleistungen ausgerichtet ist wie unseres, gelten vor allem jene als schlau, die wissen, wie man es sich mit geringem Aufwand so bequem wie möglich macht. Fast scheint es, als sei Leistung mittlerweile politisch unkorrekt. Angefeuert wird diese Entwicklung von Parteien wie der SPÖ und den Grünen, deren zentrales Anliegen es ist, die Steuer- und Abgabenquote weiter aufzublähen, um zusätzliche Mittel zu lukrieren, die andernorts großzügig und oftmals völlig sinnbefreit verteilt werden. Für die Leistung derjenigen, die dieses Geld erst durch harte Arbeit erwirtschaften mussten, bleibt meist nur Ignoranz. Argumentiert wird dieses unsoziale Verhalten dann auch noch mit einer angeblichen „moralischen Verantwortung“ gegenüber einzelnen Gruppen der Bevölkerung. Dabei gibt es kaum etwas Unmoralischeres, als die eigenen Leistungsträger zu verraten.