Dem modernen Feminismus liegt ohnehin eine starke Neigung zu Opferdiskursen inne. Doch rund um den Frauentag nimmt diese Entwicklung jedes Jahr aufs Neue überhand. Politikerinnen, Aktivisten und internationale Organisationen überbieten sich dann gegenseitig mit dramatischen Darstellungen angeblicher Ungerechtigkeiten und immer neuen Opfernarrativen.

Ein Hohn für Frauen in wirklich patriarchalen Gesellschaften

Auch die österreichische Frauenministerin präsentierte diese Woche eine Kampagne zum Thema Geschlechtergerechtigkeit. Noch immer würden Frauenrechte angeblich täglich infrage gestellt, lautete die Botschaft. Als Beispiele nannte sie einerseits die Entrechtung von Frauen in Afghanistan – und andererseits den Trend der sogenannten „Tradwives“.

Schon diese Gegenüberstellung wirkt befremdlich. Denn während die Situation von Frauen in Afghanistan tatsächlich bedrückend und erschütternd ist, erschließt sich kaum, was das mit dem Phänomen der „Tradwives“ zu tun haben soll. Dabei zeigen Frauen auf Social Media ihren Alltag als Hausfrau und Mutter – oftmals bewusst als Gegenentwurf zu einer beruflichen Karriere. Zu behaupten, dass das immer mit einer massiven Unterdrückung der Frauen einhergeht, ist letztlich einfach nur übergriffig und spricht Frauen ab, solche Entscheidungen für sich treffen zu können.

Das aber auch noch mit der systematischen Entrechtung von Frauen in einem autoritären Regime gleichzusetzen, ist nicht nur sachlich falsch, sondern auch ein Hohn gegenüber all jenen Frauen, die tatsächlich unter massiver Unterdrückung leiden. Wenn freiwillige Lebensentscheidungen plötzlich als Ausdruck von Unterdrückung dargestellt werden, sagt das vor allem viel über das ideologische Weltbild jener aus, die diese Behauptungen aufstellen.

UN auf Abwegen

Mit dieser Darstellung steht die Ministerin allerdings nicht alleine da. Auch die UN-Frauenorganisation erklärte diese Woche, dass es in keinem Land der Welt echte Gleichstellung zwischen Männern und Frauen gäbe. Eine bemerkenswerte Aussage – vor allem aus dem Mund einer Organisation, die gleichzeitig Kampagnen mit verschleierten Frauen startet, um für weibliche Führungskräfte zu werben.

Absurd erscheint dabei vor allem die pauschale Behauptung, Frauen seien auch in Europa oder in Ländern wie Österreich nicht gleichgestellt. Rechtlich gesehen stimmt das schlicht nicht. Wer dennoch behauptet, Gleichstellung existiere nirgends auf der Welt, betreibt letztlich politische Rhetorik mit klarer ideologischer Agenda. Darüber hinaus hat solch eine Darstellung absolut nichts mit der tatsächlichen Lebensrealität vieler Frauen in Österreich zu tun.

Schweigen zu Gewalt gegen Frauen

Gerade rund um den Frauentag zeigt sich diese Entwicklung besonders deutlich. Während tagelang lautstark über strukturelle Diskriminierung diskutiert wird, bleibt es erstaunlich still, wenn es um tatsächliche Bedrohungen für Frauen geht.

So etwa bei brutalen Übergriffen auf Frauen in vielen europäischen Städten. Oder auch beim versuchten Ehrenmord an einer 15-Jährigen in Wien vor wenigen Monaten. Damals kam von der österreichischen Frauenministerin kein einziges Wort. Doch gerade Ereignisse wie diese werfen reale Fragen nach Frauenrechten, Integration und gesellschaftliche Werten auf. Ausgerechnet zu solchen Fällen hört man von den vielen selbsternannten Frauenrechtsaktivisten auffallend wenig bis gar nichts.

Ähnlich widersprüchlich sind auch die Reaktionen rund um das Thema Kopftuchverbot. Organisationen wie Amnesty International starteten zuletzt Kampagnen dagegen und bezeichneten ein solches Verbot als „diskriminierend“. Stattdessen brauche es mehr Selbstbestimmungsrecht. Emanzipation bedeute angeblich, dass junge Musliminnen selbst entscheiden könnten, ob sie den Hidschab tragen wollen oder nicht.

Doch was daran emanzipatorisch sein soll, dass Mädchen und Frauen ein religiös-politisches Symbol tragen, das ganz offensichtlich Ausdruck weiblicher Unterordnung ist, bleibt unbeantwortet. Gerade dort, wo Frauen tatsächlich unter Druck stehen und vor extremistischem Gedankengut geschützt werden sollten, wirkt diese Argumentation besonders zynisch.

Frauentag als ideologische Bühne

All das offenbart die grundlegende Doppelmoral der heutigen feministischen Bewegung. Feministisch ist man oft nur dann, wenn es ins eigene Weltbild passt. Dort, wo Frauen tatsächlich unterdrückt werden – etwa durch patriarchale Traditionen oder religiösen Extremismus –, wird das Thema hingegen häufig relativiert oder ganz ausgeblendet.

Der Frauentag könnte eigentlich ein Anlass sein, genau über diese Widersprüche ehrlich zu sprechen. Stattdessen wird er Jahr für Jahr zu einer ideologischen Inszenierung, in der Frauen vor allem eines sein sollen: Opfer. Und genau damit wird ihnen am Ende am wenigsten geholfen.