Marlene Svazek: Recht(s) gedacht – Wenn Tradition nicht verhandelt werden sollte
Die Tiroler Schützen haben mit überwältigender Mehrheit, nämlich 87 Prozent, entschieden, dass Frauen künftig nicht mit dem Gewehr ausrücken sollen.
Man darf davon ausgehen, dass es nur wenige männliche Politiker geben wird, die öffentlich aussprechen, was sie insgeheim denken: Richtig so!
Als junge Frau, die sich nicht daran gewöhnt hat, ihre Meinung dem Zeitgeist zuliebe zu verklausulieren, übernehme ich diese Aufgabe gerne – auch stellvertretend für jene, die Ähnliches empfinden, sich aber längst daran gewöhnt haben, diplomatisch auszuweichen, bevor sie eine klare und damit ehrliche Position beziehen. Was denke ich mir also? Genau das: Richtig so!
Diese Entscheidung verdient Respekt, nicht zuletzt wegen ihrer Eindeutigkeit. Hätte die Abstimmung offen stattgefunden, bin ich mir keineswegs sicher, ob das Ergebnis ebenso klar ausgefallen wäre. Öffentlicher Erwartungsdruck, moralische Erpressung, feministische Deutungshegemonien und das ständig bemühte Schlagwort der „toxischen Männlichkeit“ entfalten Wirkung – selbst bei gestandenen Tiroler Schützen. Und genau darin liegt ein zentrales Problem unserer Gegenwart: Menschen spüren sehr wohl, wenn etwas nicht mehr aus Überzeugung, sondern aus Angst geschieht. Dieses Sensorium hat hier gesprochen.
Warum also halte ich diese Entscheidung für richtig? Warum sollte es keine getrennten Sphären zwischen den Geschlechtern geben dürfen? Eine Gesellschaft, die keineswegs ausschließlich aus radikalen Feministinnen oder lautstarken linken Politikerinnen besteht, lässt sich dennoch regelmäßig von eben diesen treiben. Insbesondere dann, wenn es darum geht, sogenannte Männervereine aufzubrechen.
Die naheliegende Frage lautet:
Wozu? Wem ist damit gedient? Den Männern? Nein. Dem Brauchtum? Ganz sicher nicht. Den Frauen? Am allerwenigsten. Die tatsächlichen Probleme von Frauen liegen nicht dort, wo ihnen der Zutritt zu einem Männerverein verwehrt wird. Sie liegen anderswo und werden durch symbolpolitische Feldzüge dieser Art nicht gelöst, sondern verdeckt.
Warum dürfen Männer nicht auch unter sich bleiben? Was genau ist daran verwerflich? Umgekehrt existiert sehr wohl und völlig legitim das Bedürfnis von Frauen, sich ohne Männer auszutauschen, im geschützten Rahmen, unter sich. Dass dort auch über Männer geschimpft wird, gilt als normal, ja beinahe als emanzipatorisch. Doch wehe, es verhält sich einmal umgekehrt. Das ist keine Gleichberechtigung, das ist Doppelmoral. Und letztlich Heuchelei.
Dabei existieren ja auch gemischte Vereine mit anderem Charakteristikum. Alles darf, aber nicht alles muss. Nicht jede gewachsene Struktur ist ein Reparaturfall, nur weil sie nicht in das Weltbild einiger weniger passt.
Im Übrigen sind wir Frauen sehr wohl Teil dieser Vereine, nur eben in anderen Rollen. Und ja, diese Rollenverteilung darf sein. Als Marketenderinnen etwa oder, wie in meinem Fall, als Fahnenmutter eines Schützenvereins. Offen gesagt erfüllt mich diese Rolle mit größerem Stolz, als es die Mitgliedschaft als Schützin je könnte. Sie ist geprägt von Wertschätzung von Männern, die sich freuen, jemanden an ihrer Seite zu wissen, der ihre Werte versteht, teilt und stärkt, statt sie zu verbiegen oder umzudeuten.
Lasst die Schützen Schützen sein.
Und lasst uns froh sein, dass es diese Männer gibt. Und keine Sorge: Im Ernstfall greifen auch wir Frauen zu den Waffen. Zumindest jene, die tatsächlich bereit wären, ihr Vaterland zu verteidigen. Ob das auf alle zutrifft, die heute lautstark die Öffnung der Schützen fordern, wage ich allerdings zu bezweifeln.
Aber das wäre – wie so oft – eine andere Diskussion.
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