Doch blicken wir der Realität ins Auge: Ausgerechnet hier, in diesen vermeintlichen Bastionen der Freiheit, erleben wir eine schleichende, aber unaufhaltsame Ausbreitung totalitärer Mechanismen. Das zeigt uns eines ganz deutlich: Wir dürfen uns nicht in falscher Sicherheit wiegen. In 1988 glaubte niemand, dass die Sowjetunion vier Jahre später Geschichte sein würde. Institutionen wirken immer stabil – bis sie es plötzlich nicht mehr sind.

Lassen Sie mich mit einer simplen Prämisse beginnen, nach der ich lebe: Wenn jemand sagt, dass 3 mal 3 gleich 9 ist, dann ist das faktisch korrekt. Es ist mir herzlich egal, wer das sagt. Man muss Aussagen nach ihrem Wahrheitsgehalt beurteilen, nicht nach der Person, die sie tätigt. Doch genau diese Fähigkeit zur objektiven Debatte haben wir verloren.

Der Tod des Diskurses

Was wir heute erleben, ist eine intellektuelle Bankrotterklärung. Statt sich mit Argumenten auseinanderzusetzen, wird der Bote vernichtet. Wer legitime Fragen stellt – sei es zu den verheerenden Lockdown-Maßnahmen oder zur wirtschaftlichen Talfahrt –, bekommt keine Antworten, sondern wird charakterlich demontiert. Man gräbt alte Tweets aus, man sucht nach moralischen Verfehlungen, nur um sich nicht mit der Sache befassen zu müssen.

Das ist kein Zufall, das ist System. Und es ist die Vorstufe zum Autoritarismus. Wenn wir aufhören, miteinander zu debattieren, ebnen wir den Weg in den Totalitarismus.

Die Quittung dafür erhalten die Eliten jetzt von der Jugend. Eine ganze Generation hat das Vertrauen in die Narrative der Medien und der Politik verloren. Sie kaufen ihnen die Geschichten nicht mehr ab – weder zu Israel, noch zur Ukraine, und schon gar nicht zur Wehrpflicht. Und wissen Sie was? Sie haben vollkommen recht damit, skeptisch zu sein.

Radikalisierung als Notwehr

Manche benutzen das Wort „Radikalisierung“ als Kampfbegriff. Ich nutze es deskriptiv. Ja, junge Menschen werden radikaler. Aber das ist keine Krankheit, das ist eine rationale Reaktion auf eine Politik, die ihre Zukunft verspielt.

Stellen Sie sich vor, Sie gehen zum Arzt. Er diagnostiziert eine schwere Krankheit, sagt Ihnen aber: „Ach, nehmen Sie ein Aspirin, es ist ja noch nicht so schlimm.“ Ein Jahr später kommen Sie wieder, es ist schlimmer geworden, aber die Therapie bleibt das Aspirin. Irgendwann reicht das nicht mehr. Wenn man Probleme zu lange ignoriert, braucht es am Ende die Chemotherapie und Bestrahlung.

Genau das passiert in unserer Gesellschaft. Wenn Politiker Begriffe wie „Remigration“ hören und mit Schnappatmung reagieren, übersehen sie eines: Die jungen Leute, die das fordern, sind nicht dumm. Sie sehen, dass ihr Sozialvertrag gebrochen wurde. Sie sollen für einen Wohlfahrtsstaat zahlen, der Menschen alimentiert, die nie eingezahlt haben, und gleichzeitig sollen sie potenziell im Donbass für Werte sterben, die ihnen zu Hause aberzogen wurden. Je mehr die etablierte Klasse diese Ängste ignoriert, desto extremer werden die geforderten Lösungen.

Sowjetische Zustände im Westen

Großbritannien steht möglicherweise vor der größten politischen Neuausrichtung seit den 1920er Jahren. Und wie reagiert das Establishment? Mit Methoden, die man eher aus der DDR oder der Sowjetunion kennt. Man verhaftet Bürger für Social-Media-Posts, man fängt Comedians am Flughafen ab.

Besonders obszön ist die Abschaffung des Geschworenengerichts (Trial by Jury) für bestimmte Delikte – eine 800 Jahre alte Tradition wird mit einem Federstrich beseitigt. Warum? Weil der Staat nicht mehr nur die Gesetze machen will, er will auch sicherstellen, dass sie in seinem Sinne interpretiert werden. Er traut seinen eigenen Bürgern nicht mehr.

Gleichzeitig werden die Menschen systematisch verwirrt. Man sagt Ihnen, die Wirtschaft floriere, während die Industrie stirbt. Man sagt Ihnen, das Land sei sicher, während Sie auf dem Weihnachtsmarkt Ihren Glühwein neben einem schwer bewaffneten Polizisten trinken müssen. Wenn der Staat Sie vor dem Besuch eines Weihnachtsmarktes schützen muss wie vor einem Fronteinsatz, dann ist das keine „Sicherheit“, das ist ein Zustand der Angst.

Die Panik der Eliten ist unser Hoffnungsschimmer

Und doch gibt es Grund zum Optimismus. Die Panik in Brüssel ist greifbar. Schauen Sie auf X (ehemals Twitter): Plötzlich schmücken sich die Bürokraten mit Europa-Flaggen in ihren Profilen. Das ist nicht das Verhalten einer selbstbewussten Elite. Das ist das Verhalten von Leuten, die wissen, dass ihre Zeit abläuft. Wie ein in die Enge getriebenes Tier schlagen sie nun wilder um sich – mit Zensur, mit „Demokratie-Schutz-Gesetzen“, die in Wahrheit nur ihren Machterhalt sichern sollen.

Aber diese Repression kommt nicht aus Stärke. Sie kommt aus purer Schwäche.

Es gibt Anzeichen dafür, dass auch in Washington ein Umdenken stattfindet. Wenn die Trump-Administration beginnt, patriotische Kräfte in Europa zu stärken, statt sie zu bekämpfen, könnte sich das Blatt wenden. Wir können 40 Jahre Fehlentwicklung nicht in vier Jahren korrigieren. Aber der Autopilot des Niedergangs ist abgeschaltet. Der Kampf um die Zukunft des Westens hat gerade erst begonnen.